Bürokratische Hürden behindern Investoren
Deutsches Kuba-Geschäft läuft langsam an

Die Düsseldorfer Jocks-Gruppe hofft, dass der Kuba-Tourismus weiter anzieht: Bis Anfang 2005 will das Unternehmen für 50 Millionen Dollar fünf Hotels in Havanna bauen. Insgesamt aber tun sich deutsche Firmen auf der Karibik-Insel nach wie vor schwer. Der bilaterale Handel zieht zwar stark an, aber auf einem niedrigen Niveau.

HAVANNA. Wenn deutsche Unternehmer über die wirtschaftlichen Aussichten auf Kuba reden, heißt es oft: "Im Prinzip gut, aber . . ." Der Bremer Kaufmann Uwe Köpke ist so einer. "Kurzfristig lässt sich der Erfolg nur sehr schwer erreichen", sagt Köpke, der mit seiner Außenhandels-Gesellschaft Alfimex rund 20 deutsche Firmen auf der Karibik-Insel repräsentiert. "Aber langfristig bin ich der größte Optimist." Und der Wirtschaftsattaché der deutschen Botschaft in Havanna, Michael Zinn, meint: "Wer auf Kuba investiert, braucht viel Geduld."

Die Düsseldorfer Jocks-Gruppe hofft, dass der Tourismus weiter anzieht. Zusammen mit einer europäischen Betreiber-Gesellschaft will sie in Havannas Altstadt fünf hochklassige Hotels mit je 60 Zimmern bauen. Kostenpunkt des Vorhabens, das spätestens Anfang 2005 abgeschlossen sein soll: rund 50 Mill. $. "Wenn eines Tages das US-Embargo fällt, kann Kuba mit einer Million Touristen zusätzlich rechnen", betont Frank Hansel von der Berliner Wirtschaftsberatung CubaCon, die an dem Hotel-Projekt mitarbeitet.

Das ist einstweilen noch Wunschdenken. Zwar hat sich der Tourismus zur größten Einnahmequelle für den kubanischen Staat entwickelt. Rund 170 000 Deutsche zieht es pro Jahr in das Land der Palmen und Zigarren - nur die Kanadier sind stärker vertreten. Doch nach dem 11. September gab es Einbrüche von bis zu 45 %.

Und auch der deutsche Außenhandel mit dem sozialistischen Kuba kommt nur langsam in die Gänge. Zwar konnten die Exporte im vergangenen Jahr um 44 % auf rund 102 Mill. Euro gesteigert werden. Deutschland rangiert aber hinter Ländern wie Spanien, Frankreich und Italien weit abgeschlagen auf Platz zehn. Dabei nimmt das Interesse der Unternehmen seit den Kuba-Besuchen des ehemaligen BDI-Vorsitzenden Hans-Olaf Henkel Ende der 90-er Jahre durchaus zu. Vor allem die Visite von Wirtschaftsminister Werner Müller im Juli 2001 hat nach Angaben von Teilnehmern zumindest atmosphärisch für einen Durchbruch gesorgt. Nach einem Abendessen, das bis vier Uhr morgens dauerte, habe ein sichtlich gut gelaunter Staats- und Parteichef Fidel Castro an die Damen der deutschen Delegation Blumen mit eigenhändig geschriebener Widmung verteilt, heißt es.

Eine Ursache für die Zurückhaltung deutscher Firmen sind die bürokratischen Hürden. So erscheinen die durchschnittlichen Lohnkosten mit rund 15 $ im Monat zwar niedrig. Gleichzeitig müssen ausländische Gesellschaften jedoch bis zu 1 000 $ pro Monat an eine staatliche Vermittlungsagentur zahlen. Außerdem gibt es Klagen über Finanz-Engpässe bei den Kubanern. "Einige Kunden kommen ihren Verpflichtungen nicht immer pünktlich nach", erklärt Carlos López, der einen Pool von neun deutschen Betrieben auf Kuba vertritt. Die Kriterien für die Gewährung von Hermes-Bürgschaften seien sehr eng.

Die Bundesregierung wäre dennoch bereit, den Rahmen für Hermes-Bürgschaften von derzeit 12,5 Mill. Euro auszuweiten. Voraussetzung: Kubas Regierung begleicht, wie zugesagt, tatsächlich ihre Altschulden aus DDR-Zeiten und zahlt die durch Hermes-Bürgschaften gedeckten Darlehen zurück. Darüber hinaus prüft die Kreditanstalt für Wiederaufbau derzeit die Teil-Finanzierung eines Joint-Ventures mit Beteiligung deutscher Firmen, die eine Nickel-Mine in der Nähe von Holguín im Osten des Landes renovieren sollen. Die Gesamtinvestitionen werden auf 50 Mill. $ veranschlagt. Deutschland ist der größte Abnehmer von kubanischem Nickel.

Trotz des durchwachsenen Gesamtbildes haben sich einige Unternehmen eine gute Startposition verschafft. Rund 25 Kilometer von Havanna entfernt stellt die Stefan Messer GmbH mit einem kubanischen Partner die Industriegase Sauerstoff, Stickstoff und Argon her. Seit 1998 haben die Deutschen drei Gemeinschaftsunternehmen für insgesamt 20 Mill. $ gegründet beziehungsweise übernommen. Rund 20 Mitarbeiter sind in den Joint Ventures beschäftigt, die von Castro gern als Vorzeige-Betriebe bezeichnet werden. "Wir liegen bei Umsatz und Ergebnis über Plan", äußert sich Firmen-Chef Jürgen Nicklaus zufrieden.

Auch Mercedes-Benz verweist auf eine positive Bilanz. Seit der Eröffnung einer Generalvertretung 1995 in Havanna hat der Konzern auf Kuba mehr als 13 000 Motoren für Erntemaschinen, Traktoren und Lastwagen verkauft. Die Stuttgarter Autobauer betreiben mit ihrem kubanischen Partner ein Joint Venture mit dem Namen MCV Comercial S.A.: Im vergangenen Jahr wurde durch den Verkauf von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen ein Umsatz von rund 33 Mill. $ und ein Gewinn von etwa 3,2 Mill. $ erzielt.

Quelle: Handelsblatt

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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