Büromöbelhersteller Wilkhahn zeigt erste serienreife interaktive Projektionsmedien auf der Cebit
Projektteam plant gemeinsam am Bildschirm

Forscher, Designer, Software- und Büromöbelhersteller haben schon länger Vorstellungen davon, wie man den Computer besser zur Teamarbeit nutzen könnte: über interaktive Wände und Projektionsflächen oder Tische, deren Oberflächen aus Flachbildschirmen bestehen. Erste Produkte sind jetzt marktreif.

HB DÜSSELDORF. Die Messeleitung der Cebit macht in diesem Jahr eine Ausnahme: Sind die Hersteller von Büromöbeln auf der Computermesse normalerweise nicht dabei, ist der Möbelhersteller Wilkhahn mit seinen interaktiven Produkten ausdrücklich willkommen. Das mittelständische Unternehmen aus Bad Münder zeigt erstmals serienreife Produkte, in denen Computer und Büromöbel miteinander verschmelzen. Die Rechner werden Bestandteil von Tischen, Tafeln und Stühlen. Die neuartigen Möbel wurden entwickelt für Konferenzräume. Dort sollen sie die Menschen bei ihren Teambesprechungen, Schulungen oder Planungsgesprächen unterstützen.

Die Idee an sich ist nicht neu. Fraunhofer-Forscher Norbert Streitz und sein Expertenteam propagieren schon seit Jahren auf Messen und Sonderschauen die neuen interaktiven Medien. Neu ist, dass es jetzt erste Produkte gibt, die marktreif sind. "Das Interesse an unseren Ideen war zwar groß, aber wenn es um die Umsetzung ging, blieb nur ein Interessent übrig: die Firma Wilkhahn", sagt Streitz, der mit dem Möbelhersteller seit 1998 zusammenarbeitet.

Züricher Forscher nutzen die Technik bereits

"Unser Ziel ist es, den Computer teamfähig zu machen", erläutert Frank Sonder, der den neuen Wilkhahn-Geschäftsbereich "future work environments" leitet. Der Computer wird hier nicht nur zur Präsentation genutzt. Über einen berührungsempfindlichen Bildschirm können die Gesprächsteilnehmer Texte bearbeiten, Zeichnungen verändern und wie bei einem Flipchart Ideen skizzieren oder Projektziele auflisten. Am Schluss der Besprechung können die Notizen und Zeichnungen einfach abgespeichert und per E-Mail an die Teilnehmer verteilt werden.

Erste Geräte der interaktiven Präsentationsmedien testet zurzeit Prof. Gerd Folkers an seinem Institut für Pharmazeutische Chemie an der ETH Zürich. Wenn er mit seinen Studenten oder Mitarbeitern in seinem "virealen Labor" (vireal = Folkers neue Wortkreation aus virtuell und real) zusammentrifft, dann demonstriert und diskutiert der Wissenschaftler die Errungenschaften der molekularen Chemie mit Hilfe von Bildschirm-Wandtafeln und-Pultflächen.

Skizzen am Bildschirm werden gespeichert

Die Monitore ersetzen Kreide und Tafel. Dabei können aber nicht nur molekulare Abläufe in der Biochemie wie auf einem Fernsehbildschirm in Bewegung und Farbe dargestellt werden. Will der Forscher etwas erklären, greift er zum Stift: Er skizziert, fügt auf dem Monitor Begriffe hinzu oder streicht Worte durch. "Die elektronischen Tafeln ziehen die Teilnehmer in das Gespräch und bieten die Möglichkeit mitzumachen", beschreibt Folkers seine Erfahrungen.

Sind die Projektionswände, die aus 50 Zoll großen Plasmabildschirmen bestehen, in Zürich fest an die Wand montiert, zeigt Wilkhahn auf der Cebit nun erstmals auch eine mobile Lösung. Die so genannte Interwall sieht aus wie eine durchsichtige Stellwand auf Rädern. Sie besteht aus einer holografischen Scheibe, auf die per Rückprojektion Grafiken und Charts aus einem Beamer gespiegelt werden können. Das Besondere: Der Referent kann mit einem Stift auf der Vorderseite der Scheibe die Grafiken verändern und ergänzen.

Um die interaktiven Präsentationsmedien der Fraunhofer-Forscher marktreif zu machen, hat der Möbelhersteller vieles vereinfacht. Bei der Realisierung der neuen Produkte setzt Wilkhahn auf bereits vorhandene Technik. So wurden die berührungsempfindlichen Plasmabildschirme von Pioneer hinzugekauft. Die Verwendung von Standardsoftware soll gewährleisten, dass die Technik einfach in die Computernetzwerke der Unternehmen integriert werden kann. "Wir haben uns zunächst auf das Machbare konzentriert", sagt Frank Sonder. Es gebe aber schon viele Ideen, wie die Produkte weiterentwickelt werden könnten. So steht neben der Spracherkennung vor allem die Integration von Videokonferenztechnik auf dem Plan.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%