Buffett sieht Derivate als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“
Terminbörsen wehren sich

Anlegerguru Warren Buffett hat mit seinem Weckruf über die Risiken von Derivaten die Finanzwelt in Aufruhr versetzt. Die organisierten Derivatebörsen setzen sich vehement zur Wehr. Nach ihrem Urteil haben etwa "börsengehandelte Derivate die Welt sicherer gemacht".

BOCA RATON. Über die Notwendigkeit und die Risiken von Derivaten gibt es seit vielen Jahren unterschiedliche Auffassungen. Die lebende Anlegerlegende Warren Buffet hat jetzt erneut Öl ins Feuer gegossen, als er Derivate als "finanzielle Massenvernichtungswaffen" bezeichnete. Derivate sind künstliche Finanzinstrumente, die von traditionellen Anlageformen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffen abgeleitet sind. Warren Buffets kritische Aussagen über die Risiken von Derivaten galten nach Ansicht von Eurex-Vorstandschef Rudolf Ferscha vor allem dem außerbörslichen Swapmarkt (OTC) und weniger dem Markt für börsengehandelte Derivate. Nach Angaben des Office of the Comptroller of the Currency (OCC) - einer Behörde des US-Finanzministeriums - entfallen rund 87 % der von US-Banken gehaltenen Derivaten auf Zinskontrakte.

"Buffett hat in dieser Hinsicht wirklich gute Gründe, besorgt zu sein", sagte Ferscha. Dass Derivate Zeitbomben sind, wie Buffet erklärte, kann nach Ansicht der Manager organisierter Terminbörsen nicht unwidersprochen hingenommen werden. Man müsse bei Derivaten sehr wohl zwischen OTC-Produkten - im Freiverkehr gehandelten Instrumenten - und börsengelisteten Produkten unterscheiden, sagte Terry Tuffy, Chairman der Chicago Mercantile Exchange (CME) am Rande der 28. Jahrestagung der Futures Industry Association (FIA).

Bei bilateral zwischen zwei Banken oder Finanzinstitutionen ausgehandelten OTC-Derivaten liegt das Kontrahenten- und damit das Kreditrisiko offen auf der Hand. Beim Börsenhandel von Derivaten tritt in der Regel ein von allen Börsenmitgliedern getragenes Clearinghaus als Gegenpartei in Erscheinung, so dass das Ausfallrisiko erheblich reduziert, wenn nicht sogar eliminiert wird. Führende auf Derivate spezialisierte Clearinghäuser wie die Board of Trade Clearing Corporation (BOTCC) oder die Options Clearing Corporation (OCC) haben von den Ratingagenturen die Einstufung "AAA" (höchste Bonität) erhalten. "Börsengehandelte Derivate haben die Welt sicherer gemacht, weil sie der Wirtschaft ein effizientes Risikomanagement ermöglichen", sagte Bernard W. Dan, Präsident des Chicago Board of Trade.

Unterstützung erhielten die Akteure an den Derivatemärkten von prominenter Seite. Alan Greenspan, Chairman der US-Notenbank, wies auf den positiven Einfluss von Derivaten auf das Finanzsystem hin. Derivate hätten dazu beigetragen, das globale Finanzsystem flexibler, effizienter und widerstandsfähiger zu machen. "Im Hinblick auf Derivate erkennen wir im Bankensystem ein gut gemanagtes Geschäft", sagte auch die für die Bewertung von Risiken beim OCC zuständige Kathryn Dick.

Andere Finanzmarkt-Akteure hätten in der Vergangenheit bereits ihre Sorgen über die an den OTC-Derivatemärkten bestehenden Kreditrisiken und die damit für die gesamte Finanzszene bestehenden Systemrisiken geäußert, sagte Ferscha. Er wies jedoch in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es auch an diesen Freiverkehrsmärkten nur einige wenige schwarze Schafe gebe; diese könnten jedoch einen erheblichen Schaden anrichten.

"Die Börsen sind transparente, zentralisierte und liquide Märkte, die dem Anleger auf einfache Art und Weise den Kauf und Verkauf von Derivaten ermöglichen", sagte CME-Chairman Terry Duffy. Die Clearinghäuser würden jede einzelne Transaktion garantieren und das Kontrahentenrisiko übernehmen. "Für die Derivatebörsen und ihre Clearinghäuser entstehen durch die jüngsten Diskussionen große Chancen", sagte Ferscha. Man könne jetzt zeigen, wo die zusätzliche Wertschöpfung liege.

Die tägliche Abwicklung und Abrechnung von Derivate-Kontrakten durch die Clearinghäuser der Börsen reduziere das Systemrisiko erheblich. Nichts könne bei den Finanzmarkt-Akteuren mehr Vertrauen über das ihren Derivatekontrakten anhaftende Kreditrisiko schaffen wie die tägliche Information einer liquiden und anerkannten Börse über die aktuelle Bewertung ihrer Positionen. Wenn z.B. ein Futureskontrakt an der Eurex eine positive Wertentwicklung aufweise - sich also in der Gewinnzone befinde -, erhalte der Kunde diesen Gewinn vom Eurex Clearinghaus täglich gutgeschrieben. Auf diese Weise sei das Kreditrisiko im Gegensatz zu den Gepflogenheiten am OTC-Markt lediglich auf einen Tag beschränkt.

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