Bulgaren treten für Katar und die Türkei an
Nationalitäten-Hopping ist ganz normal

Wo Griechenland drauf steht, ist oftmals Albanien drin; was unter Türkei firmiert, ist bulgarischen Ursprungs; und wer einen arabischen Zungenbrecher als Namen trägt, hat Frau und Kinder nicht selten daheim in Sofia. Wäre das Nationalitäten-Hüpfen eine olympische Disziplin, kämen die Sieger gewiss aus den Reihen der Gewichtheber.

HB ATHEN. Am buntesten treibt es Katar. Die mit WM- und Olympia-Medaillen dekorierten Hantelrecken aus dem Wüstenstaat heißen Abbas Nader Sufyan, Assad Said Saif, Salem Jaber Saed und Sarouf Fadel Nasser. Das gilt aber nur für ihre internationalen Auftritte. Daheim in Bulgarien, wo sie leben und trainieren, heißen sie Andrej Iwanow, Angel Popow, Jani Martschokow und Walentin Sarow. In ihrer Heimat nur zweite Wahl, ließen sie sich 1998 von dem aus satten Dollar-Börsen bestehenden Angebot aus Katar verführen.

Griechenlands Heber-Garde setzt auf die Kraft früherer UdSSR- Athleten und albanischer Einwanderer. Der dreimalige Olympiasieger und achtmalige Weltmeister Akakios Kakiasvili, früher Kachi Kachiaschwili, kommt aus Georgien und hat 1992 die einstige UdSSR mit olympischem Gold beschenkt. Der 96er Olympia-Zweite Valerios Leonidis war einst Junioren-Weltmeister für die Sowjetunion. Damals hieß er Waleri Leonow.

Volksheld Pyrros Dimas, ebenfalls dreifacher Olympiasieger, wurde in seiner albanischen Heimat Pirro Dhima gerufen. Der des Dopings überführte Leonidas Sampanis, besser bekannt unter Leonidas Sabanis, kam 1993 als Luan Shabani aus dem albanischen Korce nach Athen. Zudem gehören der Albaner-Fraktion im Hellas-Team der Olympia-Zweite Viktor Mitrou und der zweifache Vizeweltmeister Georgios Tzelilis an. Bei neun von 20 griechischen Auswahl-Hebern stand die Wiege in anderen Ländern.

Die Türken profitieren von der bulgarischen Gewichtheber-Schule. Kaum einer kennt Huben Hubenow. Als Halil Mutlu ist der dreifache Olympiasieger allerdings ein Begriff. Auch Europameister Ekrem Celil oder Juniorenweltmeister Taner Sagir wurden in Bulgarien geboren. Ebenso Nikolai Peschalow (Nikolay Pechalov), der die meisten Medaillen für sein Heimatland gewann, seit 2000 aber für Kroatien Edelmetall sammelt. Um den Verlust zu kompensieren, wechselte der Russe Alan Tsagajew nach Bulgarien.

Es geht auch exotischer: Der Russe Boris Burow startet für Ekuador, der Ungar Sandor Akos für Kanada, die Kameruner David Matam und Samson Ndicka für Frankreich. Weiter weg zog es den Armenier Sergej Tschachojan. Als Sergo Chakhoyan macht er nun Australien froh.

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