Bulle & Bär: Einige Aktien der Branche gelten immer noch nicht als als billig
Sture Biotech-Bosse verhindern Übernahmen

Als Variagenics Inc. 2000 ihr Debut an der Nasdaq gab, waren es noch die zukunftsweisenden Pläne der Biotechnologie-Firma, die die Anleger bezauberten.

NEW YORK. Der Entwickler von Gen-Tests für verschiedene Arten von Krebs wollte Informationen aufschlüsseln, wie der menschliche Körper auf Medikamente reagiert. Für Investoren spielen heute andere Themen eine Rolle: Variagenics soll von Hyseq Pharmaceuticals Inc. für 55,9 Mill. Dollar an Aktien übernommen werden. Variagenics verfügt zwar über 54 Mio. Dollar an Barmitteln und Wertpapieren, aber kurz vor der Bekanntgabe des Pakts lag die Marktkapitalisierung von Variagenics nicht einmal bei der Hälfte dieses Betrags. Damit fügt sich die einst so viel versprechende Firma nahtlos in die traurige Reihe dutzender Biotech-Unternehmen ein, die nach Abzug der Verbindlichkeiten auf oder unter dem Niveau ihrer Barmittel und anderer Sicherheiten bewertet werden.

Die niedrigen Kurse im Biotech-Sektor haben bei Investmentbanken hektische Betriebsamkeit ausgelöst. Allerdings sollten sich die Investoren nicht der Hoffnung hingeben, dass sich nun Schwärme von Käufern auf diese geplagten Titel stürzen. Viele Firmenchefs wollen die Zügel nicht aus der Hand geben und nicht einsehen, dass die himmelhohen Bewertungen des Sektors von 2000 Vergangenheit sind. Das mache die Ausarbeitung von Übernahmeangeboten viel schwieriger als man denken sollte, geben Banker und Unternehmensleiter zu.

Der Dow Jones-Biotechnologie-Index hat gegenüber seinem Spitzenwert im März 2000 rund 60 % verloren. Im Grunde spiegeln die niedrigen Kurse nur die Einschätzung der Investoren wider, die tatsächliche Geschäftsgrundlage von einigen Biotech-Firmen sei wenig oder kaum etwas wert. Tatsächlich dürften einige Kandidaten ihren Barmittelbestand ziemlich schnell aufgebraucht haben, da die geplanten Produkte oft noch in der frühesten Entwicklungsphase stecken.

Unter ihrem Barmittelbestand wird derzeit auch Celera Genomics Group bewertet. Der einstige Börsenliebling hatte vor zwei Jahren den menschlichen Gen-Code kopiert. Seitdem hat das Unternehmen zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut und sich auf die Medikamentenforschung verlegt. Der Aktienkurs fiel von mehr als 275 Dollar in 2000 auf derzeit etwas über elf Dollar. Die Biotech-Firma wird vom Markt mit 811 Mill. Dollar bewertet verglichen mit einem Barmittelbestand nach Abzug der Verbindlichkeiten von 881 Mill. Dollar.

In den vergangenen Monaten haben Branchenanalysten und Investmentbanker die Bilanzen von Firmen des Sektors geprüft und mögliche Käufer zu Transaktionen angehalten. "Alle sind sich einig, dass die Branche verstärkt konsolidieren muss", sagt ein Experte. Peter Reikes, Managing Director von SG Cowen Securities Corp. urteilt: "Für einige dieser Kaufinteressenten ist das eher eine Form der Finanzierung, getarnt als Akquisition. Da jegliche Art der Finanzierung fehlt, ist es einfacher, den Barmittelbestand zu übernehmen, als Aktien in einer regulären Emission zu begeben."

Doch so schön die Abschlüsse auf dem Papier auch aussehen mögen - es werden kaum welche realisiert. Bei den wenigen Akquisitionen, die tatsächlich umgesetzt wurden, lag der Kaufpreis für die übernommene Firma nicht über ihrem Barmittelbestand. Ein Hauptgrund, warum nicht mehr Abschlüsse dieser Art zustande komme, liegt nach Expertenmeinung am "Syndrom des Chefs, der sich zu stark mit dem Unternehmen identifiziert". Oder sie scheiterten an der Unfähigkeit der Biotech-Bosse zuzugeben, dass das Spiel vorbei ist, solange sie noch Geld auf der Bank haben. Das Management sei in der Regel nicht dazu bereit einzugestehen, dass es ein verfehltes Geschäftsmodell verfolgt. Und viele hingen noch den überzogenen Bewertungen aus der Zeit der Biotech-Blase nach und verlangten weiter unvernünftig hohe Aufschläge.

Nachdem auch noch ImClone Systems Inc. implodiert ist, die im letzten Jahr eine Investitionszusage von bis zu zwei Mrd. Dollar von Bristol-Myers Squibb Co. erhalten hatte, ist die Branche nervös und von Enthusiasmus weit entfernt. Vor dem Hintergrund schleppender Arzneimittelzulassungen sei es "immer noch nicht eindeutig, dass Biotech-Aktien billig sind", sagt Arthur Levinson, Chief Executive von Genentech Inc. Potenzielle Käufer hielten sich daher zurück. Gegen weitere Abschlüsse stehe auch das unsichere Marktumfeld.

Und die Skepsis der Anleger lässt für zukünftige Transaktionen nichts Gutes erwarten. Auch das Gebot von Hyseq für Variagenics wird von den Aktionären skeptisch betrachtet. Seit Bekanntgabe des Plans hat sich der Kurs von Hyseq um 31 % verbilligt.

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