Bulmahn: "Erfreuliches Ergebnis"
Gute Noten bei Pisa-Test für Kleine

Die deutschen Grundschüler haben bei dem internationalen Iglu-Schultest - der Pisa-Studie für die Kleinen - gut abgeschnitten und rangieren im oberen Leistungsdrittel.

dpa BERLIN. Die deutschen Grundschüler haben beim internationalen Iglu-Schultest durchweg gute Noten bekommen. Mit ihren Leistungen im Lesen nehmen sie den 11. Platz ein und rangieren damit unter 35 Staaten im oberen Leistungsdrittel. "Die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung Iglu zeigt ein überraschend erfreuliches Ergebnis", sagte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) zu der gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz vorgestellten Studie am Dienstag in Berlin.

Den Grundschullehrern sei ein gutes Zeugnis ausgestellt worden, sagte Bulmahn. Iglu bekräftige aber auch, dass Deutschland ein "ungerechtes Schulsystem" habe. "Es stellt sich die Frage, ob die Aufteilung auf die verschiedenen Schulformen nach der vierten Klasse sinnvoll ist."

Beim Iglu-Lesetest liegen die Grundschüler in Deutschland etwa gleichauf mit Gleichaltrigen unter anderem in Bulgarien, Lettland, Kanada, USA und Italien. Sie erreichen ein Kompetenzniveau, das einem Vergleich mit europäischen Nachbarländern standhalten kann. Dieses relativ hohe Niveau erreicht nicht nur eine kleine Gruppe, sondern ein verhältnismäßig großer Teil der Schülerschaft. Damit schneiden die Zehnjährigen deutlich besser ab als die 15-jährigen Schüler bei dem internationalen Vergleichstest Pisa. Sie erreichen allerdings nicht die auffällig höheren Leistungen des Iglu-Spitzentrios Schweden, Niederlande und Großbritannien.

Zusätzlich zum Lesen wurden in Deutschland auch die Kenntnisse der Viertklässler in Mathematik und in den Naturwissenschaften erhoben (Iglu/E). Grund war, dass Deutschland an einer entsprechenden internationalen Studie 1995 (TIMSS I) nicht teilgenommen hatte. Auch in der Sachkunde schnitten die deutschen Grundschüler jetzt gut ab und finden sich im oberen Drittel des Ländervergleichs wieder. Im Rechnen erhielten sie nicht ganz so gute Noten, liegen aber immer noch deutlich über dem Mittelwert.

Angesichts des insgesamt miserablen Abschneidens der 15-Jährigen bei Pisa zeigt Iglu, dass das gute naturwissenschaftliche Potenzial am Ende der Grundschulzeit in der Sekundarstufe nicht ausgebaut wird, wie es in anderen Staaten geschieht. Bulmahn: "Die Sekundarstufe verschärft in dramatischer Weise die Schwächen und schlechten Voraussetzungen von Kindern."

Wie Pisa zeigt auch Iglu die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozialen Status und Migrationshintergrund. "Diese Abhängigkeit ist nur mit sehr guter individueller Förderung aufzuheben", sagte Bulmahn.

Die Iglu-Ergebnisse weisen auch nach, dass mehr soziale Faktoren entscheidend für eine Schulempfehlung nach der vierten Klasse sind, als nur die Leistungsfähigkeit der Schüler selbst. Bei gleicher Kompetenz erhalten 40 % der Kinder eine Empfehlung für die Realschule, 33 % für das Gymnasium und 22 % für die Hauptschule. Bulmahn sprach von einer "himmelschreienden Ungerechtigkeit".

Die Ministerin bekräftigte ihre Forderung nach schulformübergreifenden Bildungsstandards und einer besseren Lehrerausbildung. Zugleich übte sie grundsätzliche Kritik: "Man muss feststellen, dass unser dreigliedriges Schulsystem nicht die Leistungen wie das anderer Länder, zum Beispiel Schweden oder Finnland, erbringt." Zudem erneuerte sie ihr Angebot an die Länder zum Aufbau einer nationalen Bildungsagentur.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulrike Flach (FDP), sagte im Deutschlandfunk, das Abschneiden Deutschlands dürfe nicht über die strukturellen Schwächen des Bildungssystems hinwegtäuschen. Die bildungspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Katherina Reiche, warnte Bulmahn vor einer Einmischung in Länderkompetenzen.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva-Maria Stange, forderte eine längere Grundschulzeit. "Längeres gemeinsames Lernen über die Klasse vier hinaus, das wäre sicherlich ein Erfolgsrezept", sagte Stange im InfoRadio Berlin-Brandenburg.

An der Iglu-Untersuchung, die im internationalen Sprachgebrauch PIRLS (Progress in International Reading Literary Study) heißt, beteiligten sich insgesamt rund 147 000 Schüler in 35 Staaten. In Deutschland füllten rund 10 000 Kinder den Fragebogen aus. Für die Studie, die die Wissenschaftlerorganisation IEA in Den Haag anregte, wurden auch Eltern, Lehrer und Schulleiter befragt. Für die deutschen Grundschüler war es die erste repräsentative Untersuchung. An der deutschen Ergänzungsstudie Iglu/E nahmen nur zwölf Bundesländer teil.

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