Bulmahn gesteht Mangel an Studenten ein
Deutschland fällt bei Hochschulstudium international zurück

Deutschland ist in der Hochschulausbildung deutlich hinter die Mehrzahl der Industriestaaten zurückgefallen. Während hierzulande nur ein knappes Drittel der jungen Erwachsenen ein Studium aufnehme, seien es im OECD-Durchschnitt 45 %, sagte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des OECD-Berichts "Bildung auf einen Blick".

afp BERLIN/PARIS. Auch bei den Absolventen-Zahlen liege Deutschland mit nur 16 % klar hinter dem OECD-Mittel von 25 %. Besonders dramatisch ist der Abstand in den naturwissenschaftlichen Fächern. So ist der Anteil der studierten Ingenieure und Naturwissenschaftler an der jungen Erwerbsbevölkerung in Finnland, Frankreich und Großbritannien doppelt so hoch wie in Deutschland.

Die niedrige Absolventenquote erkläre sich zum Teil durch den geringen Frauenanteil an deutschen Hochschulen, heißt es in der Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), eines Zusammenschlusses der Industriestaaten mit Sitz in Paris. Während der Anteil der Frauen an den Hochschulen fast überall in der OECD deutlich gestiegen sei und Frauen im OECD-Mittel sogar 53 % der Erstabschlüsse stellten, liege der Anteil in Deutschland gerade bei 45 %. Nur in Japan, der Schweiz und der Türkei sei der Frauenanteil noch geringer. Beim Frauenanteil in den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern liege Deutschland sogar an vorletzter Stelle.

Bulmahn verwies darauf, dass die OECD-Studien die Zahlenwerte aus den Jahren 1998/99 zu Grunde lege. Die seither unternommenen Anstrengungen seien noch nicht berücksichtigt. Insbesondere setze Deutschland in letzter Zeit verstärkt auf Kurzzeitstudiengänge und eine praxisorientierte Hochschulausbildung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenchaft erklärte, Deutschland drohe bildungspolitisch den Anschluss zu verlieren. Beim "Zukunftsfaktor" Bildung rutsche das "deutsche Bildungswesen Jahr für Jahr weiter ab", erklärte die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange.

Gehälter für Lehrer liegen im Spitzenbereich

Die Bundesrepublik ist eines von drei OECD-Mitgliedsländern, das weniger als 10 % der öffentlichen Ausgaben in die Bildung investiert. Wenn jedoch die Investitionen privater Unternehmen für die Berufsausbildung berücksichtigt werden, steigt der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt auf 5,5 % und liegt dann nur noch knapp unter dem OECD-Mittel. Deutlich unter dem Mittelwert bleibt das deutsche Bildungssystem bei den Ausgaben für Schüler bis zur 10. Klasse. Bei der Finanzierung des Gymnasial- und Berufsschulunterrichts liegt Deutschland dagegen mit der Schweiz an der Spitze. Für einen Schüler ab der 10. Klasse gibt der Staat nahezu dreimal soviel aus wie für einen Grundschüler.

Die Gehälter deutscher Lehrer liegen im internationalen Vergleich im Spitzenbereich. Als Problem wertete Bulmahn allerdings die Überalterung der Lehrerschaft. Dem Bericht zufolge weist Deutschland nach Schweden den zweithöchsten Anteil von Lehrern über 50 Jahren auf. Positiv hob Bulmahn den Anteil des Fremdsprachenunterrichts an deutschen Schulen hervor. Während im OECD-Durchschnitt nur 11 % des Gesamtunterrichts auf das Erlernen von Sprachen verwendet werde, entfielen in Deutschland 16 % der Unterrichtszeit auf den Fremdsprachenunterricht.

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