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Bulmahn stellt Hauptschule in Frage

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat eine Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem gefordert. Die neue Pisa- Studie zeige, dass die Hauptschule keine Zukunft mehr habe. Zugleich müsse Deutschland mit einem weiteren Tabu brechen.

dpa BERLIN. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat eine Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem gefordert. Die neue Pisa - Studie zeige, dass die Hauptschule keine Zukunft mehr habe. Zugleich müsse Deutschland mit einem weiteren Tabu brechen.

"Wir müssen uns fragen, ob die frühe Auslese von 10-jährigen Kindern auf unterschiedliche Schulformen der richtige Weg ist", sagte Bulmahn. Bayerns Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) warf Bulmahn am Dienstag eine "bewusste Missinterpretation" der Pisa-Ergebnisse vor. Es gebe keine Erkenntnisse, "dass Einheitsschulen bessere Ergebnisse erzielen".

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen (SPD/Rheinland-Pfalz) warnte davor, "die Pisa-Debatte auf die Frage der Schulstruktur zu verengen". Die wäre für die von allen gewünschte Verbesserung der Schulen "sogar gefährlich", sagte Ahnen der dpa. Pisa biete aber auch keinen Grund "für ideologische Angriffe gegen integrierte Schulsysteme". Die Länder müssten über die Schulstruktur entscheiden. "Ohne Akzeptanz bei den Eltern und Lehrern vor Ort erzielen wir keinen Reformerfolg."

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) machte auf dem CDU - Bundesparteitag in Düsseldorf SPD und Grüne für die deutschen Schulprobleme verantwortlich. Ihre Gesamtschulidee sei ein "Ladenhüter von gestern".

Bulmahn verlangte eine Schulreformdebatte "ohne ideologische Scheuklappen" und plädierte für "mittel- bis langfristige Änderungen". Der bedrückendste Pisa-Befund sei für sie, dass fast jeder vierte 15-Jährige gegen Ende seiner Pflichtschulzeit zur "Risikogruppe" gehöre, die nicht genügend Rüstzeug für eine Ausbildung oder den Berufseinstieg mitbekommen habe. Laut Pisa sind die leichten deutschen Verbesserungen nur an den Gymnasien erfolgt.

Nach Auffassung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verstärkt das auf Auslese ausgerichtete deutsche Schulsystem Nachteile, die Kinder bereits von zu Hause mitbringen. "Wir können und wollen das gegliederte Schulsystem nicht von heute auf morgen abschaffen", sagte GEW-Vorstandsmitglied Marianne Demmer. Jedoch müssten erste Schritte in Richtung eines gemeinsamen längeren Lernens bis Klasse zehn erfolgen.

Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, machte die unzureichende Förderung von Migrantenkindern für die deutschen Schulprobleme verantwortlich. Im Bayerischen Rundfunk sagte Meidinger, die seit der ersten Pisa-Studie vor drei Jahren erreichten Leistungsverbesserungen von schwächeren Gymnasiasten zeige, dass das gegliederte deutsche Schulsystem international durchaus konkurrenzfähig sei.

Aus der internationalen Pisa-Studie geht hervor: Je früher ein Staat seine Kinder auf unterschiedliche Schulformen verteilt, um so größer sind später die Leistungsunterschiede zwischen guten und schwachen Schülern. Den erfolgreichen Pisa-Staaten gelingt es dabei, innerhalb einer Schule sowohl die Schwachen zu fördern als auch die Spitzenschüler auf ihrem Niveau zu halten und somit eine gute Gesamtzuleistung zu erzielen.

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