Bund dementiert Verkaufsabsichten
T-Aktie nach Gerüchten massiv unter Druck

Spekulationen über einen bevorstehenden Verkauf größerer Aktienbestände haben Marktteilnehmer zufolge die Aktien der Deutschen Telekom am Dienstag erneut deutlich unter Druck gesetzt.

Reuters FRANKFURT. Als mögliche Verkäufer wurden am Markt nach Händlerangaben der Telekom-Großaktionär Hutchison Whampoa aus Hongkong und die Bundesregierung als größter Telekom-Anteileigner genannt. Das Bundesfinanzministerium dementierte indes, dass die Regierung zur Finanzierung der Hochwasserbeihilfen den Verkauf von 200 Millionen Telekom-Aktien plane. Vom Mischkonzern Hutchison war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der von Hutchison an der Telekom gehaltene Kapitalanteil lag zuletzt jedoch nicht einmal bei der Hälfte der in den Gerüchten genannten 200 Millionen Aktien. Die US-Investmentbank Goldman Sachs bestritt Angaben aus Marktkreisen zufolge, Aktien der Telekom zu platzieren.

Die Telekom-Aktien verloren bei volatilem Handel knapp sechs Prozent auf 10,28 Euro und tendierten damit deutlich schwächer als der Deutsche Aktienindex (Dax) und der Branchenindex Dow Jones Telecom. Die beiden Indizes verloren zwischen 3,7 und 3,2 Prozent. Aktienhändler verwiesen zur Begründung für den schwächeren Börsentrend auf die mit Abschlägen gehandelten Technologiewerte. Der Kursverlust der schwergewichtigen Telekom-Aktien trug dazu bei, dass der Dax unter die Marke von 3 500 Punkte rutschte. Einige Marktteilnehmer sehen diese Schwelle aus charttechnischen Gesichtspunkten und aus psychologischer Sicht als bedeutend an.

Bundesfinanzministerium dementiert Verkaufsabsichten

Gerüchte um mögliche Aktienverkäufe haben die Aktien der Telekom bereits wiederholt belastet, nachdem sich die beiden Telekom-Anteilseigner Hutchison Whampoa und das finnische Telekom-Unternehmen Sonera im vergangenen Jahr von großen Aktien-Paketen getrennt hatten. Die sowohl mit der Telekom abgestimmten als auch ohne deren Kenntnis vorgenommenen Verkäufe hatten Mitte 2001 zu einem Rutsch des Börsenwerts um gut ein Drittel geführt. Von diesem Kurseinbruch haben sich die Telekom-Aktien bislang nicht wieder erholt, da seitdem weitere negative Nachrichten über den Geschäftsverlauf und die anhaltend hohe Verschuldung den Kurs zusätzlich belasteten.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministerium sagte in Berlin zu möglichen Verkaufsabsichten des Bundes: "Ich kann das nur klar dementieren." Es stünden in diesem Jahr "bei dieser Marktlage" keinerlei Privatisierungsschritte an, sagte der Sprecher weiter. Es handele sich wohl "um einen vorgezogenen Aprilscherz". Der Bund hält direkt und indirekt rund 43 Prozent der ausgegebenen 4,3 Milliarden Telekom-Aktien.

Keine Stellungnahme von Hutchison Whampoa

Von Hutchison Whampoa lag zunächst keine Stellungnahme vor. Das in Europa gegen den Branchentrend weiter expandierende Unternehmen gilt als "rücksichtslos" bei der Abwicklung eigener Geschäfte und hält früheren Angaben zufolge noch rund 80 Millionen Telekom-Aktien. Hutchison hatte wie Sonera seine Anteile an der US-Mobilfunkgesellschaft Voicestream im vergangenen Jahr gegen Telekom-Aktien und Bargeld getauscht. Voicestream-Altaktionär Goldman Sachs hat sich inzwischen von seinen Telekom-Anteile vollständig getrennt.

Ungeachtet des neuerlichen Kursverlusts quittierten Fondsmanager und Händler die Marktgerüchte über angebliche Verkaufsabsichten von Telekom-Großaktionären mit Kopfschütteln. Ein Fondsmanager sagte, seinem Institut seien keine Aktien angeboten worden. "Es wäre verrückt zu versuchen, eine solche Menge Aktien zu dieser Zeit auf den Markt zu bringen", sagte der Fondsmanager. Ein Aktienhändler sagte, zwar bewegten die Gerüchte über die Aktienplatzierung den Markt. "Es steckt anscheinend jedoch nichts dahinter", sagte der Händler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%