Bund-Future auf Kontrakthoch
Anleihen profitieren von Aktienschwäche

Am Aktienmarkt fallen die Kurse, doch am Rentenmarkt geht's aufwärts. Der richtungweisende Bund-Future ist zum Wochenbeginn beflügelt von schwachen Aktienmärkten zeitweise auf ein neues Kontrakthoch gestiegen.

Reuters FRANKFURT. Auch die anderen Rentenwerte und Zinsfutures legten wegen der fallenden Aktienkurse zu. Nach den kräftigen Kursverlusten der US-Aktienmärkte am Freitag und der Insolvenz des US-Telekomkonzerns WorldCom am Wochenende gaben die europäischen Aktienkurse nach und verliehen Händlern zufolge den Renten einen kräftigen Schub. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel zeitweise um mehr als drei Prozent unter 3800 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit neun Monaten. Der Bund-Future stieg in Erwartung schwacher Aktien bis auf ein Kontrakthoch von 108,74 Zählern.

Trotz einiger anstehender Konjunkturdaten aus der Euro-Zone bleibt die Entwicklung am Aktienmarkt nach Ansicht von Händlern und Analysten tonangebend für die Renten. "So lange immer wieder Hiobsbotschaften von Unternehmen kommen, ist bei den Aktien keine Erholung in Sicht", sagte ein Rentenhändler. Am Wochenende beantragte der zuvor wegen eines Bilanzskandals in die Schlagzeilen geratene US-Telekomriese WorldCom Gläubigerschutz und wurde damit zum größten Insolvenzfall der US-Geschichte. Bereits am Freitag hatte der US-Aktienindex Dow Jones auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 1998 geschlossen. Die richtungweisende zehnjährige Bundesanleihe rentierte am Vormittag mit 4,811 Prozent.

Angesichts des trüben Bildes an den Aktienmärkte sehen Analysten weiteres Aufwärtspotenzial für die Rentenwerte. Sollte der Bund-Future den Widerstand bei 108,70/80 Punkten überwinden, seien weitere Kursgewinne möglich, schreiben die Rentenstrategen der Commerzbank in einem Marktkommentar. Analysten der Bankgesellschaft Berlin halten einen Anstieg über 109 Punkte für möglich. "Allerdings würde dies neuer Unterstützung vom Aktienmarkt bedürfen."

Konjunkturdaten dürften angesichts der starken Abhängigkeit der Anleihen von den Aktienkurse nur wenig Einfluss auf die Rentenkurse haben, sagten Händler. Analysten erwarten, dass weder die Zahlen zur deutschen Preisentwicklung noch die zur Geldmengenentwicklung in der Euro-Zone das derzeitige Inflationsbild verändern werden. Bei der deutschen Jahresteuerung sehen Analysten im Juli im Schnitt einen geringfügigen Anstieg auf 1,1 Prozent von 0,8 Prozent im Juni, den sie vor allem mit dem Ferienbeginn und dem Abklingen günstiger statistischer Effekte begründen. Dies dürfte allerdings kaum die Diskussion über eine baldige Leitzinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) aufleben lassen, heißt es im Kommentar der Bankgesellschaft.

Als weiteres Datenhighlight steht am Donnerstag der Ifo-Geschäftsklima-Index an. "Nach dem kleinen Schwächeanfall des Vormonats lautet die Frage, ob die sich stabilisierenden Realdaten die Belastungen für die Erwartungskomponente auf Grund der schwachen Aktienmarktentwicklung ausgleichen können", schreiben die Analysten der Bankgesellschaft. Im Schnitt prognostizieren die von Reuters befragten Analysten einen unveränderten Wert von 91,3 Punkten beim Ifo-Index im Juli.

Der Bobl-Future gewann am Montag elf Ticks auf 106,92 Punkte, der Schatz-Future verbuchte einen Anstieg um sechs Stellen auf 103,80 Zähler.

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