Bund und das Land Niedersachsen müssen das Expo-Defizit unter sich aufteilen
Grüne fordern Prüfung der Expo durch Rechnungshof

Nach dem Willen des Haushaltsexperten der Grünen, Oswald Metzger, soll der Bundesrechnungshof das Defizit der Weltausstellung unter die Lupe nehmen. Ein Sprecher der Rechnungsprüfer nannte eine Kontrolle "ziemlich sicher". Besser als der Staat hat sich die Wirtschaft vor Verlusten abgesichert.

DÜSSELDORF/HANNOVER. Die Grünen fordern eine Überprüfung der Expo-Finanzen durch den Bundesrechnungshof. Anlass sind die neuesten Zahlen, wonach die Weltausstellung in Hannover ein Defizit von 2,4 Mrd. DM statt 400 Mill. DM ausweisen wird, wie noch vor wenigen Wochen von Expo-Generalkommissarin Birgit Breuel behauptet. "Angesichts einer solch gigantischen Fehleinschätzung versteht es sich von selbst, dass die Expo ein politisches und parlamentarisches Nachspiel haben wird, bei dem auch der Rechnungshof eingeschaltet werden sollte", sagte der Haushaltsexperte der Grünen-Fraktion im Bundestag, Oswald Metzger, dem Handelsblatt.

Zuvor hatte schon der Finanzexperte der FDP-Fraktion, Carl-Ludwig Thiele, ein Gutachten des Rechnungshofes zu den Expo-Finanzen gefordert. Er habe den Eindruck, dass Bund und Land schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Liquiditätsprobleme durch die Expo von diesen gewusst habe, sagte Thiele

Der Sprecher des Bundesrechnungshofs, Friedrich Rienhardt, sagte dem Handelsblatt zu den Forderungen der Politiker: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Expo noch einmal überprüft wird". Dabei werde es voraussichtlich um die Frage gehen, wie hoch das Defizit tatsächlich sei. Der Rechnungshof habe die Möglichkeit, von sich aus im Rahmen einer Überprüfung der Beteiligungen des Bundes tätig zu werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestags könne sich aber auch mit der Bitte um Kontrolle an den Rechnungshof wenden. Bisher sei die Expo zweimal von den Rechnungsprüfern des Bundes unter die Lupe genommen worden.

Der Bund und das Land Niedersachsen müssen das Expo-Defizit unter sich aufteilen. Die anderen Gesellschafter der Expo, Stadt und Landkreis Hannover sowie die Beteiligungsgesellschaft der Deutschen Wirtschaft, kommen ungeschoren davon.

Auch die meisten Unternehmen haben sich gegen die Risiken der Expo besser abgesichert als der Staat. Das gilt besonders für die größten Sponsoren unter ihnen, die zwölf offiziellen Weltpartner der Expo 2000. Dazu gehören unter anderem die Deutsche Post AG, die Preussag AG, die Siemens AG und das Duale System Deutschland. Sie mussten sich den Weltpartner-Titel für immerhin 30 Mill. DM erkaufen. Der Gegenwert scheint auf den ersten Blick eher dürftig: Die Unternehmen dürfen mit dem Titel werben und sich selbst auf der Expo präsentieren - wobei die Kosten des Auftritts noch nicht im Sponsorgeld enthalten sind.

Interessant wird der Weltpartnerstatus erst durch Lieferverträge, deren Details streng gehütet werden. So ist von außen nicht abzuschätzen, wieviel der jeweils 30 Mill. DM bar in die Expo-Kasse flossen, wieviel als Sachleistung mit welcher Bewertung erbracht wurde, und ob auch ganz normal abgerechnete Aufträge zu dem Paket gehören.

Siemens beispielsweise hat sich den Weltpartnerstatus mit dem Aufbau eines Besucher-Informationssystems und eines Multimedia-Netzwerks auf dem Gelände verdient. Als Expo-Engagement werden aber auch der Bau eines Bahnhofs und die Beteiligung an einer privaten High-tech-Klinik in Hannover deklariert. Eine ähnliche Mixtur hat die Preussag gewählt. Die Sachleistung bestand im Bau zweier Brücken, der gerade recht kam, um den damals noch zum Konzern gehörenden Anlagenbau auszulasten. Daneben investierte die Immobilientochter in die "Preussag Arena". Die Veranstaltungshalle wird noch stehen und Geschäfte machen, wenn von der Expo niemand mehr redet.

Wo bei diesen Aufträgen das Sponsoring aufhört und der Profit anfängt, bleibt ein Geheimnis. Streng gehütet werden auch die eigenen Besucherprognosen, die meist als "realistisch" bezeichnet werden. Daraus ließe sich schließen, dass man die Prognosen der Expo-Gesellschaft für nicht realistisch hielt. Das sagt aber niemand.

Unterdessen hat ein Bericht des "Spiegel" zu Spekulationen geführt, dass die Expo zur Verringerung des Defizits über den 31. Oktober hinaus verlängert werden könnte. Demnach erwägt das Kanzleramt, Teile des Themenparks und kulturelle Ereignisse wie Peter Steins "Faust"-Inszenierung bis in den Dezember hinein zu verlängern. Ein Sprecher der Expo reagierte überrascht. Auf dem Gelände der Deutschen Messe AG sei eine Verlängerung nicht möglich, da die erste Messe schon am 15. November starte.

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