Bundesanstalt bucht auch elektronische Vermittlung: Die Bedeutung privater Vermittler

Bundesanstalt bucht auch elektronische Vermittlung
Die Bedeutung privater Vermittler

Formal ist das Monopol der Bundesanstalt für Arbeit in Sachen Arbeitsvermittlung seit 1994 aufgehoben. Private Vermittler haben bisher aber nur marginale Marktanteile - womöglich ein Statistikfehler.

dc/huh DÜSSELDORF/BERLIN. Statistisch betrachtet, führt die Arbeitsvermittlung durch private Dienstleister bis heute ein Nischendasein - und das, obwohl das Monopol der Bundesanstalt für Arbeit (BA) auf diesem Feld bereits seit acht Jahren aufgehoben ist. Für 2001 weist die BA insgesamt rund 3,8 Millionen Stellenvermittlungen aus, der Bundesverband Personalvermittlung (BPV), Dachorganisation von 900 Vermittlungsbüros, kommt auf eine Zahl von rund 130 000 privaten Vermittlungen.

Ganz so groß ist die Differenz tatsächlich aber doch nicht, wie der Bundesrechnungshof ans Tageslicht gefördert hat. Die Daten der Bundesanstalt sind offensichtlich insofern "weich", als deren Statistik auch solche Fälle erfasst, bei denen die amtlichen Vermittler bestenfalls sehr indirekt beteiligt waren. Hinter den BPV- Zahlen steht nach Auskunft von Sprecherin Sieglinde Schneider dagegen jedes Mal ein echter Vermittlungserfolg, für die der neue Arbeitgeber ein Honorar an die Agentur gezahlt hat.

Das statistisch erfasste Vermittlungsvolumen der Bundesanstalt ist dagegen gerade in den vergangenen zwei Jahren aus rein technischen Gründen gewachsen: Ende 1999 führte sie eine neue Kategorie in ihre Vermittlungsstatistik ein, die "Stellenbesetzungen durch Mitwirkung".

Begründet wurde diese Maßnahme mit neuen Methoden der Vermittlung - etwa über die Stellenbörsen der Arbeitsämter im Internet. Auch hier sei die Behörde am Entstehen eines neuen Arbeitsverhältnisses beteiligt.

In der Praxis gilt seither fast jeder Vorgang als Vermittlung, auch wenn das Arbeitsamt streng genommen nicht beteiligt ist. Ist etwa ein Job im "Stelleninformationssystem" (SIS) der Arbeitsämter registriert und ein Arbeitsloser wird eingestellt, so zählt dies automatisch als Vermittlungserfolg, egal ob der Arbeitsvertrag mit oder ohne die Hilfe der Behörde zu Stande kam.

Auch wenn das Arbeitsamt Dritte mit der Stellenvermittlung beauftragt, verbucht es das Ergebnis als eigenen Erfolg. Schließlich gibt es sogar die Möglichkeit, Stellenanzeigen aus der Zeitung, auf die sich ein Arbeitsloser erfolgreich beworben hat, nachträglich als Angebot des Arbeitsamts zu deklarieren und damit ebenfalls einen Vermittlungserfolg zu verbuchen.

Zwar heißt es in einem Runderlass der BA vom 21. Juli 2000, die Dienststellen sollten auf eine klare Trennung zwischen der Vermittlung im klassischen Sinne und den Stellenbesetzungen durch Mitwirkung achten. In den 3,8 Millionen ausgewiesenen Vermittlungen sind beide Kategorien aber zusammengefasst. Auch die vermittelten 780 000 Kurzzeitjobs von weniger als sieben Tagen finden sich in dieser Zahl.

Wie sehr dadurch der Erfolg der Arbeitsämter künstlich aufgebläht wird, zeigt das Beispiel des als Weihnachtsmann jobbenden Studenten: Jeder einzelne Auftritt wird als Vermittlung verbucht. So kommt es, dass jeder der damals 8 300 Arbeitsvermittler im Jahresdurchschnitt 460 erfolgreich angebahnte Arbeitsverhältnisse vorweisen kann.

Intern rechnet die BA dagegen viel vorsichtiger. Bei den 3 000 neuen Vermittlern, die seit Ende 2001 tätig sind, geht sie nur von durchschnittlich 50 Vermittlungen im Jahr aus. "Das sind realistische Werte", heißt es auf Nachfrage bei der BA. Der Bundesrechnungshof konstatiert: "Die Qualität der Vermittlung und die Belastung des mit der Vermittlung befassten Personals sind damit deutlich geringer als bisher allgemein angenommen."

Ein Problem können aber weder private noch amtliche Vermittler lösen: Wenn ein Großteil der Arbeitslosen geringqualifiziert ist, die Wirtschaft aber Fachkräfte sucht, dann lassen sich Angebot und Nachfrage auch durch beste Vermittlungsarbeit nicht in Einklang bringen.

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