Bundesanstalt für Arbeit
Arbeitsmarktentwicklung schlechter als erwartet

Die konjunkturbedingte Verschlechterung am Arbeitsmarkt hat im Juni die Befürchtungen der Experten noch übertroffen. Nach den am Donnerstag von der Bundesanstalt für Arbeit veröffentlichten Daten stieg die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen um 22 000 auf 3,852 Millionen.

rtr BERLIN. Das ist weit mehr, als Arbeitsmarktexperten erwartet hatten. Der Präsident der Bundesanstalt, Bernhard Jagoda, sagte, die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums wirke sich deutlich am Arbeitsmarkt aus. Dennoch halte er am Ziel fest, die unbereinigte Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt auf 3,7 Millionen zu senken. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts gab es in den ersten vier Monaten dieses Jahres saisonbereinigt keine Zunahme des Beschäftigungsniveaus.

Die bereinigten Zahlen sind seit Jahresbeginn in jedem Monat gestiegen. In Westdeutschland stieg die Zahl der Arbeitslosen im Juni auf 2,478 Millionen, in den neuen Ländern auf 1,375 Millionen. Im Vergleich mit dem Mai bedeutet dies im Westen eine Zunahme um 14 000, im Osten um 8000. Analysten hatten für Juni im Schnitt ein saisonbereinigt bundesweit ein Plus um 12 900 erwartet.

Auch nach den unbereinigten Daten ist der Abbau der Arbeitslosigkeit nahezu zum Stillstand gekommen. Die unbereinigte Arbeitslosenzahl fiel nur noch um 26 000 auf 3,694 Millionen, was einer Quote von 8,9 % entsprach nach 9,0 % im Mai. Im Juni vergangenen Jahres hatte die Zahl der Arbeitslosen noch um 60 000 abgenommen. Im Juni 2001 waren in Westdeutschland 2,38 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, in Ostdeutschland 1,316 Millionen.

Jagoda sagte, ein schwächerer privater Verbrauch und geringere Bauinvestitionen wirkten sich negativ auf den Arbeitsmarkt aus. Er halte jedoch trotz der Konjunkturabkühlung an dem Ziel fest, im Durchschnitt eine Arbeitslosenzahl von 3,7 Millionen zu erreichen. Um diesen Wert zu erreichen, müsse aber ein "Ruck durch die Wirtschaft" gehen.

Die Bundesregierung will zur Bundestagswahl im nächsten Jahr ein Niveau von 3,5 Millionen Arbeitslosen erreicht haben. An diesem Ziel solle Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) festhalten, empfahl Jagoda. Er kritisierte, die permanente Revision von Wachstumsprognosen sei nicht vertrauensbildend. Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Wachstumserwartungen für dieses Jahr immer wieder nach unten korrigiert. Die niedrigste Prognose liegt inzwischen bei 1,2 %. Die Bundesregierung hält bislang jedoch daran fest, dass in diesem Jahr zwei Prozent Wachstum erreichbar seien.

Das Statistische Bundesamt teilte mit, in den ersten vier Monaten dieses Jahres habe die Beschäftigtenzahl in Deutschland saisonbereinigt fast unverändert bei 38,7 Millionen Personen gelegen. Auch unbereinigt habe sich im April dieses Jahres mit 153 000 Personen ein wesentlich schwächerer Beschäftigungsanstieg gegenüber dem Vormonat ergeben als im April 2000 (plus 212 000).

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