Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel prüft
Flop in der Box?

Die Metabox AG kämpft an vielen Baustellen. Seit knapp vier Wochen gerät das am Neuen Markt notierte Unternehmen immer wieder in die Schlagzeilen.

HB DÜSSELDORF. Zuerst musste Metabox nach angekündigten Großaufträgen Lieferschwierigkeiten bekannt geben. Dann entdeckten Wirtschaftsprüfer einen Bilanzfehler im Konzernabschluss 1999, der nach der Korrektur nur noch ein Umsatz von 17,5 Mill. DM statt 42,9 Mill. DM ausweisen wird.



Und schließlich ist auch noch das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel auf das Unternehmen aufmerksam geworden. Eine für das laufende Geschäftsjahr reduzierte Gewinn- und Umsatzerwartung hätte möglicherweise früher veröffentlicht werden müssen als geschehen. Ob der Systemanbieter für interaktives Fernsehen gegen den § 15 WpHG verstoßen habe, werde derzeit noch geprüft, sagte eine Sprecherin des Aufsichtsamts am Mittwoch auf Anfrage.

Die Handelshüter sind nicht die einzigen, die das Geschäftsgebaren der Metabox im Auge haben. Auch der Münchner Anwalt Klaus Rotter will die Hildesheimer auf rechtliche Seriosität prüfen. Rotter, der bereits eine Musterklage gegen Infomatec angestrengt hat, möchte wissen, ob auch hier "unverbindliche Verträge als verbindliche" dargestellt wurden.

Aktie auf Berg- und Talfahrt

Tatsächlich konnte Metabox die Anleger bislang vor allem mit Absichtserklärungen überzeugen. Entsprechend unbeständig verläuft auch der Aktienkurs. Im Sommer hatte Vorstandsvorsitzender Stefan Domeyer einen Vorvertrag mit dem skandinavischen Konsortium Internordic über die Lieferung von 1,8 Mill. Set-Top-Boxen angekündigt. Bis heute allerdings sind die Vertragsverhandlungen noch nicht beendet. Grund : "Die Komplexität des Auftrags", erklärt ein Unternehmenssprecher.

Metabox 3-Monatsverlauf

Für Licht am Horizont und einen steigenden Aktienkurs sorgten dann wieder die Ankündigungen über zwei weitere große Aufträge. Ein israelisches Konsortium, dessen Name erst bei Auslieferung der Ware genannt werden soll, hat nach Unternehmensangaben 500 000 Boxen bestellt. Eine Firma aus Großbritannien, auch dieser Name soll zunächst ein Geheimnis bleiben, habe 100 000 Einheiten geordert. Einer der Zulieferer, unter denen sich auch so klangvolle Namen wie Motorola oder Panasonic finden, soll dem vorerst allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Neuer Liefertermin ist das erste Quartal 2001.

Entgegen aller Schwierigkeiten verbreitet das Unternehmen weiterhin Optimismus. Für das nächste Jahr prognostiziert Metabox einen Umsatz von 600 Mill. DM und ein Gewinn von 33 Mill DM. Mittelfristig sollen dann auch die Systemboxen Hauptumsatzträger sein. Bislang wird das Unternehmen vor allem durch den Vertrieb von Satellitenanlagen getragen, den die Akquisition der Amstrad Distribution GmbH möglich machte. Von den Set-Top-Boxen gingen bisher 10 000 in den Vertrieb.

Kleinanleger-Schutzgemeinschaft: Metabox-Aktie meiden

Derweil stoßen die freudigen Erwartungen der Aktiengesellschaft nicht mehr auf ungeteilte Zufriedenheit. Während Anwalt Rotter sich in juristischer Zurückhaltung übt, spricht die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) deutliche Worte. Sie rät Anlegern, die Metabox-Aktie zu meiden. Vorstandsmitglied Markus Straub erkennt gar eine "frappierende Ähnlichkeit zur Infomatec-Geschichte, die mir Angst macht." Er hält die Ankündigungspolitik des Unternehmens für dubios, das Geschäftsgebaren für "schon lange nicht mehr seriös". Außerdem habe das Produkt keinen zukunftsträchtigen Markt. Und es sei schon merkwürdig, dass sich in Deutschland kein Mensch für die Box interessiere, ausgerechnet in Israel aber gleich 500 000 Stück verkauft werden sollten.

Die gleiche Meinung vertritt auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Aufgrund der sehr turbulenten und mysteriösen Vergangenheit von Metabox raten wir zur äußersten Vorsicht", sagte Rechtsanwalt und Aktionärsschützer Marc Tüngler auf Nachfrage. Wenn überhaupt, könne die Aktie nur für Spekulanten interessant sein.

"Kein Sponsoring mehr"

Zweifel an der Seriosität der AG könnten auch die jüngsten Sponsoring-Aktivitäten ausgelöst haben, die über die Metabox GmbH-Marketing abgewickelt wurden. Mit der finanziellen Unterstützung eines Basketball-Bundesliga-Teams versprach sich Firmenchef Domeyer vor einem halben Jahr noch steigende Sympathie- und Bekanntheitswerte. Heute dagegen wird der Ausflug ins Sponsoring wohl eher als Fehlinvestition abgebucht. Den Meinungswechsel begründet ein Unternehmenssprecher mit einer neu eingeschlagenen Strategie: "Wir haben erkannt, dass wir nicht direkt an den Consumer verkaufen können." Als dann noch die Aktienkurse rutschten, fiel das Urteil schnell: "Kein Sponsoring mehr".

Das Pikante daran: Dem Bonner "General-Anzeiger" sagte Wolfgang Kram, Präsident der Basketball-Bundesliga, es bestehe eine schriftliche Dreijahres-Garantie der Metabox AG, jährlich 4,5 Mill. DM zu zahlen. Eine Vereinbarung, die schließlich nur ein halbes Jahr Bestand hatte. Jetzt steht der Bundesliga-Club vor dem Konkurs. Am Montag wurde das Insolvenzverfahren eingeleitet.

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