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Bundesaufsichtsamt sieht kaum Chancen für Klagen gegen Intershop

Ein Sprecher des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel sagte am Montag, dass keine Anhaltspunkte für ein fehlerhaftes Verhalten vorlägen.

adx/ FRANKFURT. Enttäuschte Aktionäre des einstigen Börsenstars Intershop Communications AG (Hamburg/Jena) haben offenbar kaum Chancen auf erfolgreiche Klagen gegen den Software-Hersteller. Ein Sprecher des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel sagte am Montag in Frankfurt am Main auf vwd-Anfrage, dass keine Anhaltspunkte für ein fehlerhaftes Verhalten vorlägen. Man habe sich den Vorgang rund um die Ad-hoc-Meldung mit der Gewinnwarnung vom 2. Januar angeschaut. Verstöße gegen die Bestimmungen des Wertpapierhandelsgesetzes seien aber nicht entdeckt worden. Dies beziehe sich auch auf Insiderpraktiken. Sprecherin Regina Nößner ergänzte im Sender "MDR Thüringen", die Behörde prüfe derzeit, ob das Unternehmen die Aktionäre rechtzeitig über die Umsatz- und Absatzprobleme informiert hat.

Auch die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) sieht kaum Möglichkeiten für eine Klage gegen das Software-Unternehmen. Die Gesetzeslage in Deutschland lasse dafür "keinen großen Spielraum", sagte Sprecherin Reinhild Keitel im Sender MDR Thüringen. Selbst wenn das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel Verstöße gegen die Mitteilungspflicht feststellen sollte, müsste Intershop "höchstens eine Geldbuße zahlen". Die Anleger könnten aber keinen Schadenersatz einfordern, sagte Keitel. Dagegen habe eine Rechtsanwaltskanzlei aus Baden-Württemberg angekündigt, eine Klage gegen Intershop in den USA zu prüfen. Dort sei es unter Umständen möglich, Schadenersatz von dem Unternehmen zu fordern.

Das Startup-Vorzeigeunternehmen hatte Anfang vergangener Woche seine Umsatz- und Ertragserwartungen für das vierte Quartal 2000 rückwirkend reduziert. Es werde nur noch mit einem Umsatz zwischen 28 Mill. und 30 Mill. Euro (54,8 Mill. und 58,7 Mill. Mark) und einem Nettoverlust zwischen 30 und 32 Mill. Euro gerechnet, teilte es mit. Ursprünglich hatte der Software-Spezialist einen Umsatz von 40 Mill. bis 50 Mill. Euro prognostiziert. Der Verlust war zuvor nicht genauer beziffert worden. Für das Gesamtjahr 2000 erwartet Intershop nun einen Umsatz zwischen 121 Mill. und 123 Mill. Euro und einen Nettoverlust zwischen 37 Mill. und 39 Mill. Euro.



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