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Bundesbank erwartet für 2001 konjunkturelle Abkühlung

Die Perspektiven seien in den Jahren 2001 und 2002 nicht mehr so günstig wie noch in diesem Jahr, so die Deutsche Bundesbank. Dennoch wird weiterhin ein Wachstum erwartet.

dpa-afx FRANKFURT. Die Deutsche Bundesbank sieht für die Weltkonjunktur in den Jahren 2001 und 2002 nicht mehr so günstige Perspektiven wie in diesem Jahr, erwartet allerdings weiterhin Wachstum. Wie die Notenbank in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht für November schreibt, hätten die Länder der Eurozone weiterhin gute Wachstumsperspektiven. Kräftige Impulse in der Finanzpolitik glichen hier negative externe Faktoren wie den hohen Rohölpreis aus. Im Tenor optimistisch sieht die Bundesbank die Zukunft der deutschen Wirtschaft, obwohl auch hier bereits "Sand ins Getriebe" gekomen sei.

Die Auswirkungen der jüngsten Ölpreisschübe - gedämpftes Wachstum und steigende Inflation - dürften glimpflicher ausfallen als in den zu Zeiten der Petrokrise in den Siebzigern. Dies liege einerseits an der gesunkenen Abhängigkeit der Industrieländer von dem Rohstoff, andererseits verkrafte eine nunmehr stabilere Konjunktur die Folgen besser. So habe der gestiegene Rohölpreis nur vereinzelt zu Zweitrundeneffekten geführt, sich also auch auf die von ihm unabhängige Inflation ausgewirkt. So habe sich die Inflations-Kernrate global nur moderat erhöht. Unter Berufung auf den Internationalen Währungsfonds (IWF) erwartet die Bundesbank in den Fortgeschrittenen Industrienationen ein Wachstum von 3,2 % für 2001 gegenüber 4,2 % in diesem Jahr. Allerdings hat der Rohölpreis für die Währungshüter eine positive Seite: Er schaffe mehr Nachfrage in den Förderstaaten, wovon wiederum die exportorientierten europäischen Länder profitierten.

In den Vereinigten Staaten ist nach Ansicht der Währungshüter eine weiche Landung der Konjuktur absehbar. Dort sei das Wachstum bereits spürbar zurück gegangen. Hierfür spreche - neben der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - die nach der Jahresmitte deutlich gesunkene Kapazitätsauslastung der Industrie und die rückläufige Zahl der Genehmigungen für Wohnbauten.

Die japanische Konjuktur steht nach Angaben der Währungshüter weiterhin vor "erheblichen strukturellen Problemen." "Bedenklich ist in diesem Zusammenhang, dass die Zahl der Insolvenzen seit mehr als einem Jahr in der Tendenz wieder kräftig steigt." Allerdings bleibe die konjunkturelle Grundtendenz in dem Land aufwärts gerichtet.

Die Bundesbank attestiert dem Euroraum nachlassenden Preisdruck zum Herbstbeginn. So sei der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Oktober auf 2,7 % zurückgegangen, während er im Vormonat noch bei 2,8% gelegen habe. Gemessen an der Kernrate liege die Teuerung in Europa um einen Prozent unter der in Amerika. Hier reiche der zyklische Vorsprung der dortigen Wirtschaft als alleinige Erklärung nicht aus, weshalb die Währungshüter aus Frankfurt-Ginsheim von einem "wenig beachteten größeren Stabilitätsrefolg in Europa" sprechen.



"Der Eurokurs soll nicht mit Zinsschritten beeinflusst werden"

Die Bundesbank spricht sich dagegen aus, den Eurokurs mit Zinsschritten zu beeinflussen. "Für die Geldpolitik gibt es daher zur Fortführung ihrer stabiltätspolitischen Linie keine Alternative," heißt es in dem Bericht. Allerdings wird dem geringen Eurokurs keine positive Seite abgerungen. "Die Wettbewerbsvorteile, die den Exporteuren der Euroländer daraus erwachsen, haben aller Erfahrung nach keinen dauerhaften Bestand, da sie durch die Verteuerung der Importe rasch wieder aufgezehrt werden." Die anderen Politikbereiche müssten an der eingeschlagenen Reformlinie festhalten, um den eingeschlagenen Kurs absichern zu können.

Einen deutlichen Rückgang bei den Emissionen an den deutschen Aktienmärkten registrieren die Währungshüter. So bleibe der Kurswert der von inländischen Unternehmen platzierten jungen Aktien im dritten Quartal mit 5,5 Mrd. Euro signifikant hinter dem Vorquartalsergebnis von 8,0 Mrd.. Euro zurück. Bei ausländischen Firmen kletterte die Zahl indes von 27,7 auf 42,8 Mrd. Euro. "Die Insolvenz zweier am Neuen markt notierter Unternehmen bestätigte die in den USA und Deutschland geäußerten Befürchtungen über offenbar nicht entsprechend gerechtfertigte Erfolgserwartungen und über die nachlassende Bonität einiger High-Tech-Aktiengesellschaften," heißt es über das Preisniveau vergangener Tage.

Den deutschen privaten Haushalten bescheinigen die Währungsghüter gesunkene Konsumlaune. So sei insbesondere die Bereitschaft zum Kauf langlebiger Güter zurück gegangen. Hier wirke sich deutlich der Ölpreis aus, wie die Zulassungszahlen bei Autos zeigten. Schliesslich führe die Hausse zu verteuereten Energiekosten in der Heizperiode. Die sich verbessernde Arbeitsmarktlage habe gesamtwirtschaftlich die gesunkene Privatnachfrage nur teilweise auffangen können.

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