Bundesbank kündigt Bonusregelung an – BdB fordert Nachbesserung
Die Umstellung auf den Euro wird für die Banken billiger

mak/po/pw FRANKFURT/M. Die Einführung des Euro-Bargelds sollte nach dem Prinzip funktionieren, dass jeder die Kosten der Währungsumstellung zu tragen hat, die bei ihm anfallen. Dieses Prinzip ist nun formal durchlöchert. Die Deutsche Bundesbank kündigte am Freitag ein Bonussystem an, um eine frühzeitige Übernahme von Euro-Banknoten durch die Kreditwirtschaft zu fördern. Im Rahmen dieser Vorabausstattung mit Euro-Bargeld (front loading) sollen die Kreditinstitute schon ab 1. September 2001 und damit vor der tatsächlichen Euro-Einführung am 1. Januar 2002 das neue Geld übernehmen. Gestaffelt nach Zeitpunkt der Übernahme will die Bundesbank die Kreditinstitute dazu nun mit Anreizen ermuntern.

Über die Kosten des Bonussystems sei noch nichts bekannt, hieß es bei der Bundesbank. Auf einer Sitzung mit den von der Euro-Umstellung betroffenenen Wirtschaftsverbänden am 29. Januar sollten die Details der Regelung geklärt werden. Die Bundesbank will das Bonussystem nicht als "Subvention" interpretieren. Sie versteht es als Anreiz für die Kreditwirtschaft, sich frühzeitig mit dem Euro-Bargeld zu versorgen.

Banken sehen keinen Bruch des Prinzips

Auch die Banken sehen die teilweise Kostenübernahme durch die Bundesbank nicht als Bruch mit dem Prinzip, dass jeder die Umstellungskosten trägt, die bei ihm anfallen. Christian Achilles vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sagte, die Kosten einer frühzeitigen Übernahme und Lagerung von Euro-Bargeld und dessen Absicherung seien nicht den Kreditinstituten zuzurechnen. Diese Kosten gründeten nicht im Geld-Umtausch. "Die Bundesbank behält sich schließlich das Eigentum an den Euro-Beständen der Vorausstattung vor", sagte Achilles.

Laut Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) dagegen wird mit der Bonusregelung das Prinzip der Kostenzurechnung "formal durchbrochen". HDE-Geschäftsführer Robert Weitz kritisierte den Beschluss der Bundesbank aber nicht. "Im Prinzip ist die Bonusregelung ein richtiger Weg", sagte er. "Die Regel der Kostenzurechnung aufrecht zu erhalten, hätte dazu geführt, dass sich die Kreditwirtschaft zwecks Kostenminimierung so spät wie möglich mit dem neuen Geld versorgt hätte." So wären die logistischen Transportprobleme bei der Einführung des Euro-Bargelds noch größer als ohnehin.

Ob der Streit mit der Kreditwirtschaft über die Kostenübernahme des "front loading" nun endgültig vom Tisch ist, bleibt offen. Die Bundesbank sieht die Diskussion über die Lastenverteilung als beendet an. Darin stimmt sie mit dem DSGV, dem Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖR) und der Volksbanken- und Raiffeisenverband (BVR) überein. In einer gemeinsamen Pressemitteilung begrüßten die drei Verbände, dass mit dem Bonussystem "zumindest ein Teil der anfallenden erhöhten Versicherungskosten neutralisiert" würden. Die Verbände unterstrichen jedoch, dass ihre Mitgliedsunternehmen "immer noch den Hauptteil der aus der Währungsumstellung entstehenden Kosten" zu tragen hätten.

Weniger enthusiastisch ist der Bundesverband deutscher Banken (BdB). Er begrüßte nur, dass die Bundesbank "Bewegung" gezeigt habe. Der BdB betonte erneut, bei der Euro-Einführung handle es sich, was Sicherheit und Logistik betreffe, um eine öffentliche Aufgabe. Hier gelte es, in den nächsten Wochen sachgerechte Lösungen zu finden.

Starter Kits mit Banknoten für die Kreditinstitute

Die Bundesbank kündigte ferner an, den Kreditinstituten Starter-Kits mit Banknoten zur Verfügung zu stellen. Diese können die Kreditinstitute gebührenfrei an ihre Geschäftskunden abgeben, um Engpässe bei kleineren Unternehmenskunden zu vermeiden. BVR, DSGV und VÖB betonten, die Bundesbank habe den Banken und Sparkassen die kostenlose Bereitstellung dieser "Firmenpäckchen" mit Banknoten zugesagt. Außerdem werde die Bundesbank die Institute bei der Herstellung von Euro-Münz-Päckchen für Unternehmen unterstützen. Nach Informationen des Handelsblatts beläuft sich diese Unterstützung auf 400 Euro je Container. Für die gesamte Münzausstattung der Kreditwirtschaft bedarf es rund 40 solcher Container. Die Belastung, die durch das Abpacken der Firmenkunden-Starter-Kits entsteht, müssen die Banken allerdings alleine stemmen. Hieran wird sich die Bundesbank nicht beteiligen.



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