Bundesbank rechnet weiterhin mit geringem Wirtschaftswachstum
Deutsche Inflation lässt Raum für Zinssenkung

Die Inflation in Deutschland wird im Dezember nach Erwartungen von Analysten stabil bleiben, was der EZB angesichts der schwachen Konjunktur Spielraum für eine weitere Leitzinssenkung im Januar gebe.

Reuters FRANKFURT. Analysten erwarten im Schnitt eine zum November unveränderte Jahresteuerungsrate von 1,7 %. Zum Vormonat sei das Preisniveau um 0,1 % gestiegen nach minus 0,2 % im November. Unterdessen signalisierte der November-Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts mit einem Anstieg auf 84,9 Punkte eine etwas aufgehellte Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Deutsche Bundesbank rechnen aber mit einem weiterhin nur geringen Wirtschaftswachstum im Jahr 2002.

Zwei Prozent Inflation ist "Obergrenze"

Nach Einschätzung von Volkswirten würde eine erwartungsgemäße Entwicklung der deutschen Teuerungsrate die Ansicht der EZB bestätigen, dass die Inflation in den nächsten Monaten in der gesamten Euro-Zone unter zwei Prozent fallen wird. Diese Erwartung hatte die EZB zuletzt in der vergangenen Woche in ihrem Dezember-Monatsbericht geäußert. Die Marke von zwei Prozent betrachtet die EZB als Obergrenze für Preisstabilität.

Ifo-Volkswirt Gernot Nerb sagte im Interview, es gebe Spielraum für eine weitere Leitzinssenkung in der Euro-Zone. Zuletzt hat die EZB den Schlüsselzins Anfang November um 50 Basispunkte auf 3,25 % zurückgenommen. Analyst Jörg Krämer von Invesco Asset Management sagte trotz erwarteter Ifo-Zahlen, die EZB werde ihre Wachstumserwartungen weiter nach unten revidieren, weswegen er am 3. Januar eine Leitzinssenkung um 50 Basispunkte auf dann 2,75 % im Schlüsselzins erwartet.

Christoph Weil von der Commerzbank sagte: "Die EZB hat grundsätzlich Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik." Gerade von der Inflationsseite könne die werdende Notenbank ihre Leitzinsen senken. Er erwartet, dass die deutsche Inflation im Dezember bei 1,8 % liegt. Bernd Weidensteiner von der DZ Bank zufolge könnte eine Inflationsrate unter zwei Prozent der EZB mehr Raum für geldpolitische Schritte verschaffen. Der Analyst sieht die Inflationsrate im Dezember bei 1,6 %.

Steigende Geldmenge bereitet Sorgen

"Der EZB bereitet zunehmend die steigende Geldmenge Sorgen", sagte Weil. Die EZB hatte ihren Referenzwert von 4,5 % für das Wachstum der Geldmenge M3 bestätigt, obwohl diese in den vergangenen Monaten wesentlich kräftiger expandiert war. Die EZB hatte in ihrem Monatsbericht bekräftigt, sie sei nicht verpflichtet, automatisch auf ein Abweichen des Wachstums der Geldmenge vom Referenzwert zu reagieren. Im Oktober war M3 in der Jahresrate bereinigt um 7,4 % gewachsen.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellte sich im November erwartungsgemäß etwas auf. Trotz des ersten Anstiegs des viel beachteten Ifo-Geschäftsklimaindexes für Westdeutschland seit Juli 2001 auf 84,9 Punkte im November von 84,7 Punkten ist eine Wende nach Einschätzung des Münchener Ifo-Instituts aber noch nicht erreicht. Ifo-Volkswirt Nerb zufolge ist es noch zu früh, um von einer Wende zu sprechen. Weil sieht ebenfalls noch keine Trendwende, die Zinssenkungen der EZB verhindern könne. Allerdings zögere die EZB noch mit einer Leitzinssenkung. Weidensteiner verwies darauf, dass der Ifo-Index nur leicht gestiegen ist. "Erst ein Anstieg mindestens drei Monate in Folge würde für eine Trendwende sprechen."

Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone bleibt nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bis einschließlich Anfang 2002 schwach. Wie aus einem Zwischenbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) hervorgeht, wird der IWF am Dienstag seine Wachstumsprognosen für Deutschland reduzieren, und zwar auf 0,5 % in diesem Jahr und 0,7 % für 2002. Die Bundesbank erwartet für 2002 ein nur geringes Wachstum. 2000 war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 3,0 % gewachsen.

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