Bundesbank warnt vor „Herdentrieb“ der Anlagefonds
Riester-Fonds bieten der Aktie eine neue Chance

Die mit der Rentenreform 2001 eingeleitete Wende zur stärkeren privaten Altervorsorge stößt bei der Deutschen Bundesbank auf volles Einverständnis. Institutionelle Anleger würden für eine bessere Informationspolitik sorgen. Sie könnten indes auch für Spekulationsblasen sorgen.

fk FRANKFURT/M. Die Leistungseinschränkungen bei der umlagefinanzierten staatlichen Rente und die zugleich eingeführten finanziellen Anreize zum Aufbau eines individuellen Vorsorgekapitals können nach Angaben im Juli-Bericht der Bundesbank "sowohl zu einer intergenerativ gleichmäßigeren Lastenverteilung beitragen als auch über eine breitere Fundierung die Sicherheit und Verlässlichkeit der Altersvorsorge erhöhen."

Die Bundesbank rechnet aufgrund der Notwendigkeit zur zusätzlichen Eigenvorsorge mit einem positiven Effekt auf die private Sparquote - aber für sie ist keineswegs ausgemacht, wie stark dadurch die gesamtwirtschaftliche Ersparnis am Ende wirklich steigen wird. Zwar könnten Durchschnittsverdiener vom Jahr 2008 an - dem ersten vollen Förderjahr - etwa 13,5 % ihres Einkommens steuer- und zulagenbegünstigt für die eigene Altersvorsorge verwenden. Offen aber seien Fragen wie die Teilnahmebereitschaft der geförderten Personen, die Ausnutzung von Mitnahmeeffekten und - andererseits - die Auswirkungen der Förderpolitik auf die Ersparnisbildung des Staates selbst.

Aber auch wenn sich über Wachstumsimpulse durch ein erhöhtes privates Sparaufkommen noch nicht viel sagen sagen lässt - außer Frage steht für die Bundesbank, dass sich durch die Verstärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge das Geschehen auf dem Kapitalmarkt beeinflussen wird. Die meisten Länder hätten nach ähnlichen Weichenstellungen in der privaten Altersvorsorge eine Verlagerung von privaten auf institutionell betriebene Anlagen besonders durch Pensionsfonds festgestellt, darüber hinaus eine Verschiebung von kürzer- zu längerfristigen Anlageformen. Die Zunahme der Institionalisierung wiederum führte zu einer verstärkten Investition in Dividendenwerte, die Verschiebung zu Anlagen mit 30- bis 40-jähriger Dauer zur stärkeren Nachfrage nach längerfristigen Absicherungsinstrumenten.

Bessere Informationen für große Anleger

Für die Anleger sieht die Bundesbank durch den Trend zur Instititionalisierung vor allem Effizienzsteigerungen bei der Verarbeitung öffentlich zugänglicher Informationen. In Großbritannien hätten sich Börsenneueinführungen, die zu einem großen Teil von institutionellen Investoren gezeichnet wurden, in der Vergangenheit besser entwickelt als hauptsächlich von Privatanlegern gekaufte Neuemissionen. Große Anleger könnten ihre Kontroll- und Mitspracherechte in Unternehmen auch besser wahrnehmen als eine Vielzahl kleiner Aktionäre. Globale Investoren drängten zudem auf eine Vereinheitlichung der nationalen Rechnungslegungsvorschriften und auf die Einschaltung privater Ratingagenturen.

Allerdings verweisen die "Buba"-Fachleute auf das mögliche Risiko eines vermehrten "Herdenverhaltens" großer institutioneller Anlegerfonds. Manager von Investmentgesellschaften würden häufig in Relation zum Erfolg anderer Investoren bezahlt und verursachten damit tendenziell "Blasen" an den Aktienmärkten. Indes rät die Bank davon ab, die Risiken langlaufender Vorsorgeprodukte etwa durch einen Zwang zur Beimischung "sicherer" Staatsanleihen abzumildern - solche Strategien würden mit Renditeeinbußen bezahlt. Besser geeignet für den Anlegerschutz seien schärfere Haftungregeln und Informationspflichten der Fondsmanager.

Quelle: Handelsblatt

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