Bundesbürger fühlen sich über Riester-Rente schlecht informiert
Jedem zweiten Deutschen droht sinkender Lebensstandard

Fast jeder zweite Deutsche tut derzeit noch nichts für seine private Vermögensbildung und wird deshalb im Alter aller Voraussicht nach einen sinkenden Lebensstandard hinnehmen müssen.

afp BERLIN. Dies ist das Ergebnis einer Emnid-Sudie, die am Montag vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin vorgestellt wurde. Danach bauen 55 % der Bundesbürger gezielt Vermögen auf. Den restlichen 45 % drohe im Alter "eine Reduktion des Lebensstandards", warnte Vorstandschef Holger Berndt. Vor allem Frauen seien oft nicht genügend gegen Altersarmut abgesichert. "Vermögensbildung ist heute kein Luxus, sondern ein absolutes Muss." Berndt zeigte sich zudem besorgt über das abnehmende Interesse der Deutschen an der Altersvorsorge und dem schlechten Informationsstand über die so genannte Riester-Rente.

Zu Hochzeiten der Diskussion um die Riester-Rente im vergangenen Jahr hätten noch 86 % der Deutschen Vermögensbildung und Vorsorge für wichtig oder sehr wichtig erachtet, berichtete Berndt. Bei der diesjährigen Umfrage seien es dagegen nur noch 75 % gewesen. Und nur 55 % sparten wirklich privat Vermögen an - unter anderem auf dem Sparbuch, mit Aktien und dem Eigenheim. Weitere 14 % planen zumindest einen Vermögensaufbau. Immerhin elf Prozent der Bundesbürger gaben dagegen an, sie könnten aufgrund ihrer schlechten finanziellen Situation einfach keine Vorsorge betreiben. Dieses Problem betreffe "vor allem die untersten Einkommensschichten, Personen ohne Berufsausbildung und nicht zuletzt alleinerziehende Frauen", analysierte Emnid.

Männer sind überdurchschnittlich abgesichert

Doch auch im Durchschnitt aller in Deutschland lebenden Menschen ist keinesfalls Entwarnung angesagt. Nach einem von den Sparkassen neu ermittelten Index zur Vermögensbildung kommt der Durchschnittsbürger auf einer Güteskala von null (keine Vorsorge) bis einhundert (perfekte Vorsorge) derzeit nur auf den Punktwert von 51. Damit ist "nicht sicher, ob die Vorsorge ausreicht". Dabei erreichen Männer 57 Indexpunkte, sie sind also überdurchschnittlich abgesichert. Bei Frauen ist mit 45 Punkten dagegen Alarmstufe rot angesagt. Denn bei diesem Indexwert gilt den Sparkassen zufolge: "Die Vorsorge reicht wahrscheinlich nicht aus."

Abhilfe schaffen soll nach dem Willen der Bundesregierung die Riester-Rente. Dabei sollen die Deutschen neben der gesetzlichen Rente mit Hilfe des Staates auch eine private Altersvorsorge aufbauen. Dabei gibt es nach Angaben von DSGV-Präsident Dietrich Hoppenstedt ein Problem: "Der Großteil der Bevölkerung hat die neuen Regelungen noch nicht verstanden." In der Emnid-Umfrage unter 2000 Bundesbürgern gaben lediglich 31 % an, sie fühlten sich gut über die neue Rentenform informiert.

Kreditwirtschaft hofft auch steigende Sparquote

Mit der Riesterrente hofft die Kreditwirtschaft wieder auf ein Steigen der Sparquote, die zuletzt kontinuierlich nach unten ging. Steckten die Deutschen vor zehn Jahren noch rund 15 % ihres verfügbaren Einkommens in die Vermögensbildung, so sank dieser Wert im vergangenen Jahr auf 9,8 %. Nun hoffen die Kreditinstitute, mit der Riester-Rente wieder über die symbolische Marke von zehn Prozent zu kommen.

Allerdings warnte Hoppenstedt davor, in der Riester-Rente die Lösung aller Vorsorgeprobleme zu sehen. Diese schließe nur die Lücken, die künftig durch das Absenken des gesetzlichen Rentenniveaus zusätzlich auftreten würden. Sie decke aber nicht die Löcher, die zuvor bereits bestanden. "Auch mit der Riester-Rente allein wird in vielen Fällen im Alter der gewohnte Lebensstandard nicht gehalten werden können", betonte der DSGV-Präsident. "Es ist also notwendig, zusätzliche private Vermögensbildung zu betreiben."

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