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Bundesbürger zunehmend sorglos bei Aids

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat vor einer wachsenden Sorglosigkeit in Bezug auf Aids in Deutschland gewarnt. „Aids ist ein Thema und bleibt ein Thema - auch bei uns in Deutschland“, betonte die Ministerin in Berlin zum Weltaidstag am Mittwoch.

dpa BERLIN. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat vor einer wachsenden Sorglosigkeit in Bezug auf Aids in Deutschland gewarnt. "Aids ist ein Thema und bleibt ein Thema - auch bei uns in Deutschland", betonte die Ministerin in Berlin zum Weltaidstag am Mittwoch.

Unter dem Motto "Frauen, Mädchen, HIV und Aids" machen Informationsveranstaltungen in diesem Jahr auf die besondere Situation von Mädchen und Frauen aufmerksam. Allen müsse klar sein: "Bei Aids gibt es keine Heilung. Nur durch Prävention kann man sich schützen", sagte die Ministerin.

Zum Jahresende werden nach Daten des Aidsbekämpfungsprogramms der Vereinten Nationen (Unaids) fast 40 Millionen Menschen auf der Erde mit dem Aidserreger leben, so viele wie noch nie. Der britische Premierminister Tony Blair möchte die Bekämpfung von Aids in Afrika zu einem der wichtigsten Ziele während der britischen G8- Präsidentschaft im kommenden Jahr machen. Afrika sei "kein Kontinent ohne Hoffnung", sagte Blair in einem BBC-Radiointerview. "Wir haben positive Erfahrungen mit Projekten gemacht, die zuverlässig finanziert sind, vor Ort geleitet werden und den Menschen Zugang zu medizinischer Hilfe und Bildung ermöglichen."

In Deutschland leben laut Robert Koch-Institut derzeit rund 44 000 HIV-Infizierte, darunter 9 500 Frauen. Bundesweit sind rund 5 000 Menschen aidskrank. Neu infiziert haben sich 2004 etwa 2000 Bundesbürger. Neu an Aids erkrankt sind etwa 700 Menschen, davon rund 550 Männer. Sowohl bei den Neuinfizierten als auch bei den Neuerkrankten entfällt der größte Anteil auf homosexuelle Männer. An Aids gestorben sind in Deutschland im Jahr 2003 rund 700 Aidskranke, seit Beginn der Epidemie rund 23 500.

Jeder dritte Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren habe heutzutage bereits Sex, sagte die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Bzga), Elisabeth Pott. Fast 20 Prozent der 14-Jährigen hätten dabei laut einer Bzga-Studie von 2001 jedoch nicht verhütet.

Gesundheitsministerin Schmidt wies darauf hin, dass die wirtschaftlichen Folgen von HIV und Aids für Frauen und Mädchen "besonders hart" seien, da diese häufig noch für Kinder zu sorgen haben. Laut einer vom Ministerium geförderten Studie erhalten ein Drittel der betroffenen Frauen Erwerbsunfähigkeitsrente, ein weiteres Drittel Sozialhilfe. Etwa die Hälfte habe keinen Partner und lebe allein. "Für Mädchen und Frauen gibt es weniger etablierte Strukturen, die sie stützen und unterstützen als für Männer." Sie forderte Frauen und Mädchen auf, selbstbewusst "Nein" zu ungeschütztem Verkehr zu sagen.

Bundesjugendministerin Renate Schmidt (SPD) appellierte an das Verantwortungsbewusstsein junger Menschen. "Sorgloser Sex ohne Kondom ist verantwortungsloser Sex", sagte Schmidt in Nürnberg. Die Gefahren von Aids gerieten im Überschwang der Gefühle oft in Vergessenheit. Das Motto "Einmal ist keinmal" gelte jedoch nicht. Im vergangenen Jahr seien in Deutschland 71 neue HIV-Infektionen bei Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren entdeckt worden.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) forderte angesichts der weltweit steigenden HIV-Infektionen insbesondere bei Mädchen und Frauen eine verstärkte Aufklärung. Mädchen, die zur Schule gingen, seien viel selbstbewusster im Umgang mit ihrer Sexualität.

Nach Angaben von Unaids sind inzwischen weltweit rund 50 Prozent der erwachsenen Infizierten weiblich. Im Afrika südlich der Sahara sogar etwa 60 Prozent. Die meisten Frauen infizierten sich, weil sie keine Kontrolle über ihre sehr risikobereiten Partner haben, berichtete Unaids. Vergewaltigung, Gewalt und die Angst vor Gewalt spielten eine große Rolle. Beim Sex ohne Kondom ist zudem aus biologischen Gründen das Risiko, dass ein infizierter Mann eine Frau ansteckt, doppelt so hoch wie im umgekehrten Fall.

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