Bundesdruckerei-Mutter
Authentos benötigt weitere Finanzspritze

Die erst im August an der Insolvenz vorbeigeschlitterte Authentos-Gruppe, zu der auch die Bundesdruckerei in Berlin gehört, benötigt eine weitere Finanzspritze.

HB/dpa BERLIN. Zum Umbau der mit erheblichen Verlusten kämpfenden und vor dem Verkauf stehenden Chipkarten-Tochter Orga sei ein zusätzlicher Kredit von 70 Mill. ? erforderlich, erklärte der Geschäftsführer der Authentos GmbH und der Bundesdruckerei, Gereon Mertens, am Montag in Berlin.

Bei der mit deutlichen Umsatzeinbußen und Gewinnrückgängen kämpfenden Bundesdruckerei werden noch mehr Stellen abgebaut als bislang geplant. Bis Ende 2004 solle nahezu jeder fünfte der zuletzt 1 530 Arbeitsplätze gestrichen werden, hieß es. Ende 2003 will das vor zwei Jahren privatisierte Unternehmen noch 1 400 Mitarbeiter beschäftigen. Bereits im September war der Abbau von 150 der damals 1 690 Stellen beschlossen worden.

Die Länder Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, wo sich Orga-Werke befinden, seien zur Absicherung durch Landesbürgschaften bereit. Der Kredit solle von einem Konsortium unter Führung des Authentos-Übergangseigners und Hauptgläubigers Helaba (Landesbank Hessen Thüringen) bereitgestellt werden. Für eine Übernahme von Orga, die nach einem "beträchtlichen Stellenabbau" in zwei Jahren wieder in die Gewinnzone geführt werden soll, gebe es Interessenten. Anfang nächsten Jahres würden die Verhandlungen dazu konkreter.

Die Bundesdruckerei war vor zwei Jahren vom Bund an Finanzinvestoren verkauft worden und gehört seitdem zur Authentos- Gruppe. Sie fertigt nicht nur Banknoten, sondern auch Pässe, Briefmarken und Sicherheitskarten. Neben der Bundesdruckerei und Orga gehört auch der britische Pass-Hersteller SPS zu Authentos. Die gesamte Gruppe als auch Teile des Konzerns stehen zum Verkauf. Verkaufsverhandlungen für die Bundesdruckerei gebe es nicht, lediglich Interessenbekundungen, hieß es weiter.

Für die Bundesdruckerei sei keine Finanzspritze nötig. "Wir gehen davon aus, dass wir den Umbau mit verfügbaren Mitteln der Bundesdruckerei bewältigen können", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Ulrich Wöhr.

Mit der Gewerkschaft ver.di sei der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bei der Bundesdruckerei bis Ende 2005 vereinbart worden. Zudem sollen die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich um eine Stunde auf 34 Stunden verkürzt, Urlaubs- und Krankengeldzuschläge wegfallen und der Überstundenzuschlag auf 30 % reduziert werden. Man hoffe so auf jährliche Einsparungen von bis zu drei Mill. ?.

Durch das schlechtere Geschäft mit Banknoten und Dokumenten erwartet die Bundesdruckerei einen Umsatzrückgang auf 210 Mill. in diesem und 196 Mill. ? im nächsten Jahr (2001: 316 Mio Euro). Unterm Strich wird 2002 mit einem leichten Gewinn - einer "schwarzen Null" - und 2003 mit ausgeglichenem positiven Ergebnis gerechnet. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibung werde sich der Gewinn 2002 auf etwa 36 Mill. ? mehr als halbieren und 2003 wieder leicht auf 41 Mill. ? steigen.

Für den Authentos-Konzern wird unterm Strich ein Minus von mehr als 100 Mill. ? erwartet gegenüber einem Verlust von rund 450 Mill. ? im Vorjahr. Der Gruppen-Umsatz werde nach 610 Mill. im vergangenen Jahr auf 490 Mill. ? sinken. Zu den geplanten Verkäufen auch der "sehr profitablen SPS" sagte Wöhr, es solle nichts übereilt werden. "Zuerst kommt Orga, dann der Rest."

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