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Bundesfinanzhof ärgert Fonds-Anleger

Schlechte Nachricht für Steuersparer: Anfangsverluste geschlossener Fonds werden womöglich niedriger.

Auf die Prospektschreiber der Anbieter geschlossener Fonds kommt zusätzliche Arbeit zu. In die neuen Angebotsunterlagen müssen sie unter der Überschrift "Steuerliche Risiken" auf zwei Entscheidungen des Bundesfinanzhofs (BFH) hinweisen. Dessen IV. Senat hat nämlich entschieden, dass Provisionen für den Vertrieb eines geschlossenen Immobilienfonds nicht sofort als Werbungskosten geltend gemacht werden dürfen (Az.: IV R 40/97 v. 28.6.01). Zuvor hatte der IX. Senat Nebenkosten des Fondserwerbs ebenfalls den Anschaffungs- bzw. Herstellkosten statt den Werbekosten zugerechnet. In diesem Fall ging es um Gebühren von Treuhändern, Notaren, Mietgaranten und um Gerichtskosten (Az. IX R 10/96 v. 8.5.01).

Die Richter begründen ihre Urteile damit, dass die verschiedenen Dienstleistungsverträge modellhaft mit dem Immobilienerwerb verknüpft seien und die Gebühren deshalb zum Anschaffungs- bzw. Herstellaufwand der Fonds-Immobilie zählten

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Die Konsequenz aus den Urteilen, falls sie für die Finanzverwaltung bindend werden: Die für die Anleger Steuer mindernden Verluste im ersten Beteiligungsjahr fallen viel geringer aus. Statt Provision und Nebenkosten sofort nahezu komplett abzuschreiben, wird mit den Sätzen abgeschrieben, die auch für die Fonds-Immobilie gelten. Wurde sie nach 1924 erbaut, beträgt der AfA-Satz zwei Prozent, für davor errichtete 2,5 Prozent.

Der Berliner Steuerberater Hans Georg Oelmann rechnet überschlägig vor: "Statt 40 Prozent Verlustquote werden es nur noch 30 Prozent sein. Fonds, die bisher 30 Prozent Verlust zuwiesen, werden noch 20 Prozent bieten." Besser dran sind Zeichner, wenn der Fonds denkmalgeschützte Gebäude oder solche in Sanierungsgebieten kauft. Die AfA für diese Gebäude beträgt zehn Prozent.

Doch noch ist es nicht so weit. "Bindend werden die Entscheidungen erst, wenn sie im Bundessteuerblatt veröffentlicht sind", sagt Oelmann. Ob dies gleich geschieht oder zunächst der 4. Bauherrenerlass vom 31.8.90 geändert wird, beraten die Einkommensteuerreferenten des Bundes und der Länder voraussichtlich im Oktober. Die BFH-Urteile widersprechen nämlich dem 4. Bauherrenerlass, der einst klarstellt, dass Gebühren sofort abzugsfähige Kosten sind. Der Verband Geschlossener Immobilienfonds (VGI) appellierte bereits an das Finanzministerium, den Erlass nicht zu ändern. VGI-Geschäftsführer Rolf Sandbaumhüter erwartet zumindest eine Übergangsregelung. Sie soll ausschließen, dass Anleger derzeit vertriebener Fonds betroffen werden. Eine solche Regelung würde auch den Investoren die Angst vor Steuernachzahlungen nehmen, deren Steuerbescheide noch offen sind.

Betroffen von den Urteilen können auch Schiffs-, Windparkfonds und ähnliche Modelle sein. Auch ihre Emissionshäuser sahen die sofortige Abschreibung der Nebenkosten durch den 4. Bauherrenerlass gedeckt.

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