Bundesfinanzhof: Kinder dürfen Darlehnsgeber für ihre Eltern sein
Familiendarlehn steuerlich rechtens

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat die Gewährung von Darlehn durch minderjährige Kinder an ihren Vater steuerlich anerkannt, nachdem zuvor die Mutter den Kinder den Darlehnsbetrag geschenkt hatte.

li DÜSSELDORF. Der BFH bestätigte in einem aktuellen Urteil damit grundsätzlich die Steuervorteile, die durch Erzeugung von Werbungskosten mittels eines Darlehns entstehen können und verneinte ausdrücklich einen steuerlichen Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten.

Verträge zwischen Familienmitgliedern, die in der Regel gleichgerichtete Interessen verfolgen, werden steuerlich genauestens hinterfragt. Gibt es für sie keinen wirtschaftlichen Grund außer der Steuerersparnis und werden dabei die wahren wirtschaftlichen Ziele umgangen, so werden sie so behandelt, als wäre die vertragliche Konstruktion nicht vorhanden.

So waren hier Finanzamt und Finanzgericht vorgegangen: Die klagenden Eheleute hatten zunächst allein durch den Ehemann ein Mietwohngrundstück erworben, das dieser dann zur Hälfte auf seine Ehefrau übertrug. Die Kosten für den Erwerb ließ sich der Mann jedoch nicht direkt durch ein Darlehn seiner Frau finanzieren, sondern diese schenkte zunächst jeweils etwa 50 000 Euro an jedes ihrer drei minderjährigen Kinder unter Anrechnung auf deren Pflichtteil. Diese gewährten dann am selben Tag das Geld als Darlehn an ihren Vater. Später wollte der Vater bei seinen Einkünften aus der Vermietung des Grundstücks die für den Kredit an seine Kinder gezahlten Zinsen steuermindernd absetzen.

Der BFH führte aus, dass es keine Steuerumgehung sei, wenn die Ehefrau wie hier einen Betrag in das Gebäude investierte, der dem Wert ihres Grundstücksanteils entspricht, und die Kinder in die Finanzierung des Grundstückskaufs zwischengeschaltet wurden. Da bei den Verträgen zudem die Kinder nicht übervorteilt wurden, sei gegen die Gestaltung nichts einzuwenden. Allerdings habe das Finanzgericht noch nicht alle Umstände des Kredits gewürdigt, insbesondere ob das Darlehn wie unter fremden Dritten gewährt worden sei. Dies muss die Vorinstanz nun noch nachholen.

AKTENZEICHEN BFH: IX R 32/98

Quelle: Handelsblatt

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