Bundesfinanzhof präzisiert Abzugsvoraussetzungen
Außendienstler kann Arbeitszimmer vollständig absetzen

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in drei jetzt veröffentlichten Urteilen die Voraussetzungen festgelegt, bei deren Vorliegen die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer in voller Höhe absetzbar sind.

mkm MÜNCHEN. Die Entscheidung war notwendig geworden, nachdem das Gesetz ab 1996 die Kosten für ein solches Arbeitszimmer teils gar nicht mehr, teils nur noch in Höhe von maximal 2 400 DM (1 250 Euro) und nur noch ausnahmsweise in voller Höhe zum Abzug zulässt. Aus diesem Grund musste der BFH zunächst den Begriff des häuslichen Arbeitszimmers von anderen beruflich genutzten Räumen abgrenzen. Das ist bereits vor einigen Monaten geschehen.

Jetzt ging es darum zu klären, wann ein Abzug der Aufwendungen in voller Höhe möglich ist. Das Gesetz nennt dafür die Voraussetzung, dass das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten Betätigung des Steuerpflichtigen bildet. Der BFH entschied nun, maßgeblich hierfür sei der inhaltliche (qualitative) Schwerpunkt der beruflichen Betätigung. Es komme darauf an, ob der Steuerpflichtige in seinem häuslichen Arbeitszimmer diejenigen Handlungen vornehme und Leistungen erbringe, die für den von ihm ausgeübten Beruf prägend seien. Wenn die außerhäusliche Tätigkeit rein zeitlich überwiege, so schließe das den unbeschränkten Abzug der Aufwendungen nicht von vorn herein aus. Der zeitliche (quantitative) Umfang der Nutzung sei nur ein Beweisanzeichen von mehreren, die es in Betracht zu ziehen gelte. Die für diese Abwägung erforderliche Würdigung aller Umstände des Einzelfalls sei in erster Linie Aufgabe der Finanzgerichte.

Nach diesen Grundsätzen entschied der BFH jetzt, dass das häusliche Arbeitszimmer einer Produkt- und Fachberaterin, deren Tätigkeit wesentlich durch die Tätigkeit im Außenbereich geprägt war, auch dann nicht den Mittelpunkt ihrer beruflichen Betätigung bilde, wenn die zu Hause verrichteten Tätigkeiten unerlässlich seien. Anders entschied der BFH in den Fällen eines Verkaufsleiters und eines Ingenieurs. Der eine organisierte in seinem Arbeitszimmer die Betriebsabläufe, der andere erarbeitete zu Hause die von ihm geforderten theoretischen komplexen Problemlösungen. Demgegenüber fiel es nicht ins Gewicht, dass beide insbesondere zur Betreuung einzelner Kunden auch im Außendienst tätig waren.

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