Bundesfinanzministerium verbaut den Weg für Steuererleichterung bei Beteiligungen: Geschlossene Fonds für Anleger weniger lukrativ

Bundesfinanzministerium verbaut den Weg für Steuererleichterung bei Beteiligungen
Geschlossene Fonds für Anleger weniger lukrativ

Lohnt die Beteiligung an geschlossenen Fonds noch? Ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) macht den Betreibern solcher Fonds - vom Filmfonds bis zur Windkraftbeteiligung - zu schaffen.

rrl DÜSSELDORF. Die Weisung des Ministeriums an die Finanzverwaltung verbaut künftig die Möglichkeit, die unter anderem durch Vertriebsprovisionen verursachten Nebenkosten sofort als Werbungskosten geltend zu machen (BMF-Schreiben v. 24.10.01, Az.: IV C 3 – S 2253a – 15/01). Dadurch sinken die Anfangsverluste, die die Steuerlast mindern. Immobilien-Auslandsfonds sind davon nicht betroffen, weil sie keine derartigen Verluste ausweisen. Außerdem enthält das Schreiben eine Übergangsregelung für Fonds, mit deren Vertrieb noch 2001 begonnen wurde. Für sie gilt noch das bisherige Verlustniveau.

Das Angebot an geschlossenen Deutschland-Immobilienfonds, die unter diese Übergangsregelung fallen, könnte bald knapp werden. Fonds-Analyst Stefan Loipfinger hat 2001 nur wenige neue Platzierungen festgestellt. Dass Anleger Immobilienfonds oft verschmähten, lag auch am § 2b des Einkommensteuergesetzes (EStG). Danach können Anleger ihre Anfangsverluste nicht mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten, etwa aus Gehalt, verrechnen, wenn der steuerliche Vorteil bei dem Erwerb der Beteiligung im Vordergrund stand, der Fonds also als reines Steuersparmodell zu qualifizieren ist.

Immobilien-PR-Unternehmer Rainer Zitelmann liest der Branche die Leviten: "Wer weder hohe Verluste noch hohe Ausschüttungen hat und auch keine "Story" erzählen kann, sollte sich überlegen, warum ein Anleger sich bei seinem Fonds beteiligen soll."

Manche "Geschichte" wird aus Produkt-Kombinationen gesponnen, in denen zunächst ein Teil der Ausschüttung in einen Aktienfonds fließt. Nicht selten werden auch Ausschüttungen künstlich hoch geschraubt. Typisch ist dabei ein hoher Fremdkapitalanteil, der anfängliche Verzicht auf Tilgung und - wegen des niedrigeren Zinsniveaus - Kredite in Schweizer Franken oder Yen. "Bei vielen Fonds handelt es sich mehr um eine Währungsspekulation als um eine Investition in ein spezielles Fondsobjekt", urteilt Loipfinger.

Auch an sich rückläufige Anfangsverluste lassen sich nachträglich in die Höhe treiben. Wilfried Tator, Chefanalyst des Berliner Internet-Vertriebs- und Analysehauses FondScope AG beschreibt das Prozedere: "Um alte steuerliche Werte darstellen zu können, werden Anteilsfinanzierungen als Königsweg angepriesen." Geschieht dies "modellhaft" und der Fiskus merkt es, fällt die Beteiligung unter § 2b EStG. Dennoch dürfte weiter nach dieser Masche verkauft werden. Die Kreditvermittlung bringt Vertrieben zusätzliche Provision.

Kritik trifft auch Initiatoren von Schiffsbeteiligungen. Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert sagt: "Obwohl Marktinsider zur Zurückhaltung mahnen, werden Kapitaleinwerber und Reeder erneut viele zusätzlicher Schiffe auf den Markt bringen." Ein Überangebot an Tonnage drückt die Charterraten und damit die Einnahmen der Fonds.

Windkraft-Anbieter glauben offenbar noch an rosige Zeiten, denn sie wollen 2002 zweieinhalb mal so viel Eigenkapital wie 2001 vermitteln, berichtet Stefan Loipfinger. Doch seit der Anbieter Energiekontor mit Anlegern über die Rücknahme von Anteilsscheinen wegen zu optimistischer Prognosen verhandelt, sehen Branchenexperten auch für andere Windkraftanleger schwarz. Außerdem macht die ab diesem Jahr niedrigere Einspeisevergütung für Strom aus Windrädern diese Fonds nicht attraktiver.

Medienfonds könnten schlagartig uninteressant werden, wenn sich beim BMF die Ansicht durchsetzt, dass die Beteiligten Filme nicht herstellen, sondern sie anschaffen. Dann wäre 100 % Verlustzuweisung im Zeichnungsjahr passé.

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