Bundesgesundheitsministerin will breite Debatte
Schmidt plant Nationalen Ethikbeirat zur Gentechnik

Im Ringen um den Umgang mit der Gentechnik und ihre Grenzen plant die neue Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die Bildung eines Nationalen Ethikbeirats. Dazu werde sie Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einen Vorschlag unterbreiten, kündigte Schmidt am Mittwoch in Berlin an. Zugleich sprach sie sich angesichts der schwierigen Fragen für eine Debatte "über die Parteigrenzen" aus.

dpa BERLIN. Schmidt verteidigte ihre Entscheidung, das von ihrer Vorgängerin Andrea Fischer (Grüne) begonnene Gesetz zur Fortpflanzungsmedizin zu stoppen und auf die nächste Legislaturperiode zu vertagen. Nach ihrer Ansicht stehe die Diskussion noch ganz am Anfang. Dabei müsse man sorgfältig abwägen zwischen den Chancen, die die Gentechnik biete, und den ethischen Grenzen. Sie warnte davor, in der Debatte von vorneherein anderen Meinungen die moralische Legitimation abzusprechen.

Dabei setzte Schmidt deutlich andere Akzente als Fischer. So zeigte sie sich offen, auch die Zulassung der umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID) zu prüfen. Bei der PID werden im Reagenzglas gezeugte Embryos vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf mögliche Genschäden getestet und gegebenenfalls vernichtet. Die Ärzteschaft will diese Methode zumindest für Eltern mit bestimmten schweren Erbkrankheiten öffnen. Schmidt verwies darauf, dass Gentests in diesen Fällen auch bei Embryonen im Mutterleib erlaubt sind.

FDP-Politikerin für Klonen von Embryonen

Unterdessen plädierte die FDP-Politikerin Ulrike Flach dafür, nach dem Vorbild von Großbritannien das umstrittene Klonen von Embryonen für therapeutische Zwecke zu erlauben. Im Deutschland-Radio Berlin sagte sie zum britischen Klon-Gesetz: "Ich würde sagen, es ist ein Vorbild." Auch in Deutschland müsse man sich dem Thema stellen. "Können wir es uns leisten, Menschen nicht zu helfen, denen wir helfen könnten mit solch einem Verfahren?"

Das britische Klon-Gesetz war in Deutschland auf heftige Kritik gestoßen. Dagegen meinte Flach: "In einem Land, in dem Abtreibungen in einem Stadium von bis zu drei Monaten erlaubt sind, gleichzeitig zu sagen, in diesem Stadium ist es nicht möglich, Embryonenforschung zum Nutzen von sehr kranken Menschen durchzuführen, da ist irgendetwas falsch in der Diskussion." Sie verwies auch auf die wirtschaftlichen Aspekte. Wenn ein Land vorpresche, zeige die Erfahrung, dass "dann auch sehr schnell die Barrieren brechen und andere Länder nachziehen".

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