Bundeskanzler bekundet Beileid
Schröder bietet Indonesien Hilfe bei Aufklärung an

Nach den verheerenden Anschlägen auf Bali mit bis zu 190 Toten hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Indonesien Hilfe bei der Suche nach den Tätern angeboten.

HB/dpa BERLIN/WIESBADEN. Der verbrecherische Anschlag habe erneut gezeigt, dass der Terror keine Grenzen kenne und dessen Bekämpfung eine globale Aufgabe sei, die nur gemeinsam von der internationalen Gemeinschaft gelöst werden könne, sagte Regierungssprecher Bela Anda am Montag in Berlin. Generalbundesanwalt Kay Nehm will im Zusammenhang mit den Attentaten ein Ermittlungsverfahren einleiten.

Bei den Anschlägen auf der indonesischen Ferieninsel war auch mindestens eine Deutsche getötet worden. Zwölf Deutsche werden nach Angaben des Auswärtigen Amts vermisst. Nehms Sprecherin Frauke-Katrin Scheuten teilte mit, die Bundesanwaltschaft werde sich bei der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens auf den im Strafgesetzbuch neu geschaffenen Anti-Terror-Paragrafen 129 b stützen. Dieser ermöglicht die Verfolgung ausländischer terroristischer Vereinigungen. Zunächst müsse allerdings eine Ermächtigung des Bundesjustizministeriums eingeholt werden.

Schröder sprach den Regierungen Indonesiens und Australiens sein Beileid aus. Der Kanzler habe die "Nachricht von den entsetzlichen Mordanschlägen auf Bali mit großer Erschütterung aufgenommen", sagte Anda. Das tief empfundenes Beileid gelte den Opfern und ihren Angehörigen.

Von zehn verletzten Deutschen seien sechs von Bali nach Australien geflogen worden, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Jeweils zwei der Verletzten stammen aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und jeweils einer aus Rheinland-Pfalz und Bayern. Die Opfer werden in den australischen Städten Darwin und Perth behandelt. Deutsche Konsularbeamte stehen den Angaben zufolge in Kontakt mit den Krankenhäusern und zum Teil auch mit den Opfern. Vier weitere verletzte Deutsche wurden noch auf Bali aus der Behandlung entlassen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) schickt eine Spezialeinheit zur Identifizierung der Opfer nach Bali. Die Einheit werde so schnell wie möglich abfliegen, sagte ein BKA-Sprecher in Wiesbaden. Die Kommission ist darin geschult, nach Flugzeugabstürzen Tote nach Zahnstatus und Fingerabdrücken zu identifizieren.

In Abstimmung mit den anderen EU-Staaten verschärfte das Auswärtige Amt seinen Sicherheitshinweis für Indonesien drastisch, sprach aber keine Reisewarnung aus. Das Ministerium empfiehlt "bis auf weiteres, Bali zu meiden". Es rät dringend "zu allerhöchster Wachsamkeit und Vorsicht" auf Bali. "Mit einem erhöhten Sicherheitsrisiko muss gerechnet werden", heißt es in dem aktualisierten Sicherheitshinweis. Auf nicht zwingend erforderliche Reisen im Lande und den Besuch von Unterhaltungslokalen solle verzichtet werden. Reisewarnungen hat das AA bislang für etwa zehn Länder, darunter Afghanistan, ausgesprochen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warf der indonesischen Regierung vor, moslemische Extremisten geschützt und Warnungen vor drohenden Terrorüberfällen ignoriert zu haben. Die Extremisten seien zwar nur eine kleine Minderheit in Indonesien, doch sie kooperierten zum Teil mit der Terrororganisation El Kaida, hieß es in einer Mitteilung.

Knapp 1000 Kunden der Kölner Rewe-Touristikgruppe, die sich derzeit auf Bali befinden, sind wohlauf. Das teilten Sprecher der zur Gruppe gehörenden Reiseveranstalter von ITS - und Jahn-Reisen sowie von Meier's Weltreisen und Dertour in Köln und Frankfurt am Main mit. Allen Kunden werde auf Wunsch eine vorzeitige Rückreise ermöglicht.

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