Bundeskanzler reagiert mit Zurückhaltung
Kritik am Vorstoß für Ausländerquote an Schulen

Mit seinem Vorstoß für eine "Ausländerquote" an Grundschulen hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) scharfe Kritik auf breiter Front eingehandelt.

dpa HANNOVER. Der Vorschlag sei "so alt wie unpraktikabel", sagte am Donnerstag die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck (Grüne). "Wer ausländische Kinder aus Brennpunktschulen per Bus verschicken will, muss auch erklären, wie er die Eltern deutscher Kinder dazu bekommt, ihre Kinder im Gegenzug auf die Problemschulen zu schicken." Würden diese Schulen attraktiv gestaltet, müssten auch keine Kinder verschickt werden.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) reagierte mit Zurückhaltung auf Gabriels Vorschlag. "Er hat dies sicherlich überzogen formuliert", sagte Schröder in der Sendung "Maischberger" im Fernsehsender n-tv.

Die Opposition von CDU und Grünen im Niedersächsischen Landtag kritisierte Gabriels Vorschlag, der zu einer gleichmäßigeren Verteilung von Ausländerkindern und damit zu einer Erhöhung ihrer Lernchancen führen soll, als "realitätsfern". Nötig sei eine gezielte Förderung am Wohnort und keine neue "Kinderlandverschickung", sagte der CDU-Bildungspolitiker Bernd Busemann. Wer, wie von Gabriel gefordert, Ausländerkinder aus ihrer gewohnten Umgebung reiße, sie in Busse verfrachte und an Schulen verteile, schade ihnen und diskriminiere sie.

"Die Grundschule ist kein Wanderzirkus", meinte Meta Janssen-Kucz, die jugendpolitische Sprecherin der Grünen. Nötig seien mehr vorschulische und schulische Sprachförderprogramme sowie Angebote zur sozialen Integration von Zuwanderern.

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