Bundeskanzler Schröder reist kurzfristig in die USA
USA warnt vor Erwartung eines schnellen Sieges

Die USA haben davor gewarnt, einen schnellen Sieg im Kampf gegen Afghanistan zu erwarten. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Luftangriffe die dortige Taliban-Regierung in ihren Grundfesten erschütterten, sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in der Nacht zum Dienstag.

Reuters WASHINGTON/KABUL. Zur Selbstverteidigung nach den Anschlägen am 11. September könnten zudem Schläge gegen "andere Staaten" nötig werden, teilten die USA mit. Großbritanniens Außenminister Jack Straw sagte, der Einsatz sei zur Zeit auf Afghanistan begrenzt. Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte, er gehe davon aus, dass die Angriffe innerhalb von Tagen vorüber seien. Bundeskanzler Gerhard Schröder kündigte kurzfristig eine Reise in die USA an.

Kurz vor Anbruch des Morgens erschütterten am Dienstag Augenzeugen zufolge drei große Explosionen die afghanische Hauptstadt Kabul. "Man kann die Flugzeuge noch in der Luft hören und die Abwehr schießt zurück", sagte ein Augenzeuge. Die Angriffe hatten am Abend zuvor kurz vor 21 Uhr (Ortszeit) begonnen. Ein Sprecher Rumsfelds teilte mit, die USA habe fünf Bomber und zehn kleinere Kampfflugzeuge eingesetzt. Von US-Kriegsschiffen aus seien etwa 15 Marschflugkörper des Typs "Tomahawk" abgeschossen worden.

Die Bombenabwürfe konzentrierten sich in der Nacht zum Dienstag auf das Gebiet rund um den Kabuler Flughafen und auf eine Erhöhung, auf der Radio- und Fernsehantennen stationiert sind. Es kam zu Stromausfällen. Der Radiosender der Taliban-Bewegung konnte nicht mehr empfangen werden. "Die Explosionen waren viel massiver als in der Nacht zuvor", sagte ein Augenzeuge. Er habe Flammen und Trümmer in den Nachthimmel aufsteigen sehen. Die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete unter Berufung auf Taliban-Kreise, auch die Städte Masar-i-Scharif und Kundus im Norden seien angegriffen worden.

US-Luftwaffengeneral Richard Myers wies in Washington erste Berichte über eine erneute Beteiligung britischen Militärs wie in der Nacht zuvor zurück und sagte, am Montag seien nur US-Bomber und-Raketen eingesetzt worden. "B-1"-Bomber starteten den Angaben zufolge von der Insel Diego Garcia im Indischen Ozean und "B-2"-Tarnkappenbomber von einer Luftwaffenbasis im US-Bundesstaat Missouri. Myers und Rumsfeld sagten, die Schläge in der Nacht zuvor hätten die Luftabwehr der Taliban beschädigt, aber nicht zerstört. Es gebe noch keine Hinweise darauf, dass deren militärische Kommunikation am Boden unterbrochen sei.

Die Angriffe seien jedoch nur ein kleiner Teil der insgesamt nötigen Anstrengungen, fügte Rumsfeld hinzu. "Die Raketen und Bomber werden dieses Problem nicht lösen." Nach den Anschlägen in New York und Washington haben die USA einen lang anhaltenden "Kampf gegen den internationalen Terrorismus" angekündigt und sich dafür um weltweite Unterstützung bemüht. Sie vermuten in Afghanistan den moslemischen Extremisten Osama bin Laden, den sie für die Anschläge verantwortlich machen und verlangen von den radikal-islamischen Taliban dessen Auslieferung.

Vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) stellten die USA zudem fest, Erkenntnisse über die Urheber der Anschläge könnten "weitere Aktionen gegen andere Organisationen und andere Staaten nötig machen". Nach der Information des Rates über die Militärschläge hieß es in Diplomatenkreisen, alle 15 Mitglieder des Rates unterstützten den Militäreinsatz. China und Tunesien hätten darauf gedrungen, dass Opfer unter der Zivilbevölkerung vermieden werden müssten. Nach Taliban-Angaben waren bei den ersten Angriffen bis zu acht Menschen getötet worden.

Straw sagte in Luxemburg, im Moment sei das Problem Afghanistan "und das ist der Militäreinsatz, an dem wir beteiligt sind". Sein Kollege Hoon sagte dem Sender BBC, "ich rechne damit, dass das eher eine Sache von Tagen als von Wochen ist". Die Dauer der Angriffe in Afghanistan hänge jedoch davon ab, wie erfolgreich sie seien und "ob sich weitere Ziele ergeben". Den Einsatz von Bodentruppen schloss er nicht aus.

Das Bundespresseamt teilte am Montagabend mit, Bundeslanzler Gerhard Schröder werde bei seinem eintägigen Besuch in New York und Washington mit US-Präsident George W. Bush und UNO-Generalsekretär Kofi Annan über die Angriffe in Afghanistan sprechen. Schröder habe zuvor in Telefonaten mit dem saudiarabischen Kronprinzen Abdullah und Pakistans Präsident Pervez Musharraf betont, die Einsätze seien nicht gegen die Bevölkerung oder die islamische Welt gerichtet. Deutschland hat den USA Unterstützung angeboten. Aufklärungsflugzeuge der NATO mit deutschen Soldaten sollen in die USA verlegt werden, um dort Flugzeuge für einen Einsatz in der Region um Afghanistan freizumachen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%