Bundeskanzler warnt erneut vor Militärschlag
Irak-Feldzug würde US-Wirtschaft stark belasten

Nach den politischen Risiken rücken nun die wirtschaftlichen Kosten eines Irak-Feldzuges in den Blickpunkt. Bundeskanzler Schröder warnt vor Gefahren für die Weltwirtschaft, Experten betonen die hohen Folgekosten.

DÜSSELDORF/BERLIN. Bundeskanzler Gerhard Schröder bleibt bei seiner ablehnenden Haltung zu einem möglichen Militärschlag gegen Irak. "Die Weltwirtschaft ist nicht in einem Zustand, in dem man neue Belastungen gebrauchen könnte", sagte Schröder gestern vor Beginn einer Sitzung des SPD-Präsidiums in Hannover.

Experten rechnen damit, dass ein Feldzug gegen den irakischen Präsidenten Saddam Hussein rund 80 Mrd. US-$ kosten würde und das Anspringen der Konjunktur in Amerika und damit weltweit verzögern könnte. Die Kosten für einen möglichen Angriff seien so hoch, dass die USA sie nur "schwer" alleine tragen können, sagte der Sicherheitsexperte der Konrad-Adenauer-Stiftung, Karl-Heinz Kamp, dem Handelsblatt.

"Im Pentagon hat man uns gesagt, dass die Kosten für einen möglichen Einsatz im Irak ungefähr so hoch wären wie die Kosten des Golfkriegs", erklärt Kamp. Er besuchte vor drei Wochen mit einer Delegation des Bundesverteidigungsministeriums die USA. Die Kosten für die Befreiung Kuwaits lagen nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums von 1992 bei 61,1 Mrd. US-$. In Preisen von heute wären das nach Berechnungen von Ökonomen fast 80 Mrd. US- $.

Zunächst würden die Amerikaner von einer Streitmacht von 250 000 Soldaten ausgehen, mit denen man in den Irak eindringen müsste, sagt Kamp. Er könne sich aber vorstellen, dass mehr Soldaten benötigt würden. "Eine Zahl von 500 000 würde der Senat nicht genehmigen", so Kamp. Er rechnet damit, dass spätestens Anfang nächsten Jahres ein Angriff statt finden wird.

Ein solches Szenario wäre für die USA alleine kaum zu finanzieren. Der Haushaltsentwurf für 2003 von Präsident George W. Bush sieht 2100 Mrd. $ vor und erhöht die US-Verschuldung um 109 Mrd. $. Weitere Schulden kann sich Bush innenpolitisch nicht erlauben. "Eine finanzielle Beteiligung von Alliierten wäre für die USA enorm wichtig," sagt Richard Cooper, Harvard-Professor für Wirtschaftswissenschaften, der in den 90-er Jahren die analytische Abteilung des CIA leitete.

Schon den Golfkrieg 1991 finanzierten Alliierte mit. Von den Kriegskosten in Höhe von 61,1 Mrd. $ zahlten die USA nur 7,4 Mrd. $, den Rest brachten Saudi-Arabien, Kuweit, Japan, Deutschland (6,4 Mrd. US- $), die Vereinigten Arabischen Emirate und Südkorea auf.

Die Auswirkungen eines Angriffs für die Konjunktur wären nach Ansicht von Cooper gravierend. Zum Golfkrieg sieht er jedoch den Unterschied, dass Amerika 1991 eine sanfte Landung nach einer boomenden Konjunktur versuchte, die dann auf Grund des Krieges doch einen harten Aufprall erlitt.

Heute hingegen könnte die erhoffte Erholung der US-Konjunktur verzögert werden. Dafür seien aber nicht Fundamentaldaten verantwortlich zu machen, sondern psychologische Faktoren. Bush müsse beispielsweise früh signalisieren, dass die enormen Ölreserven Amerikas angezapft würden, um im Kriegsfall den Preis nicht steigen zu lassen. Dies habe sein Vater 1990 versäumt.

Auch deutsche Analysten gehen von schwerwiegenden Folgen für die Weltkonjunktur aus, wenn es zu einem Krieg kommen sollte. Das Konsumentenvertrauen würde fallen - und damit würden auch die Konsumausgaben sinken, sagte der Experte einer großen deutschen Bank, der anonym bleiben wollte. Ohne Uno-Mandat werde keine andere Nation Geld für einen Krieg gegen den Irak geben, glaubt der Fachmann. Ohne fremde Beteiligung würde der US-Haushalt belastet werden, die Zinsen würden steigen und der Dollar schwächer notieren.

Unterdessen ging die politische Debatte am Montag weiter. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering schloss eine Beteiligung an einem Krieg gegen den Irak aus - unabhängig davon, was die Vereinten Nationen beschließen. Außenminister Joschka Fischer warnte erneut vor einem möglichen Angriff gegen Irak und kritisierte den außenpolitischen Experten der Union, Wolfgang Schäuble. Er halte es für ein "sehr, sehr großes Risiko", eine neue Konfrontation zu beginnen, betonte Fischer.

Das irakische Parlament bot den USA am Montag erneut an, Experten zu Inspektionen ins Land zu schicken. Parlamentpräsident Saadun Hammadi schrieb dem US-Kongress, dieser werde freie Hand haben bei der Zusammensetzung einer Delegation und der Auswahl der zu inspizierenden Anlagen.

Quelle: Handelsblatt

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