Bundeskartellamt
Mehr Zeit für Lufthansa und Eurowings

Reuters BONN. Das Bundeskartellamt hat die Prüfungs- und Beratungsfrist für die geplante Erhöhung der Lufthansa-Beteiligung am Dortmunder Regionalflieger Eurowings verlängert. Die beiden Unternehmen hätten nun bis zum 3. September Zeit, "wettbewerbsfreundliche Maßnahmen" einzureichen, um die Bedenken des Bundeskartellamts zu beseitigen, sagte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag auf Reuters-Anfrage in Bonn. Die Lufthansa hält bereits 24,9 % an Eurowings und will diesen Anteil auf 49 % aufstocken, was das Bundeskartellamt bisher aus wettbewerbsrechtlichen Gründen ablehnt. Lufthansa und Eurowings wollen nach eigenen Angaben nun versuchen, die Bedenken der Wettbewerbshüter zu zerstreuen.

Das Bundeskartellamt hatte in der vergangenen Woche seine Vorbehalte gegen die Erhöhung des Lufthansa-Anteils an Eurowings damit begründet, dass die marktbeherrschende Stellung der Lufthansa in Deutschland verstärkt werde. Unter den derzeitigen Umständen würde das Vorhaben deswegen untersagt. Eigentlich hatten die beiden Firmen nur bis zum kommenden Montag Zeit, Maßnahmen zur Verbesserung des Wettbewerbs vorzuschlagen. Eurowings hatte daraufhin noch Anfang dieser Woche erklärt, eine Verlängerung der Frist für eine Stellungnahme zu beantragen. Lufthansa und Eurowings seien zu Zugeständnissen bereit, hatte Vorstandsmitglied Ulrich Sigmann gesagt. "Wir können über einiges reden."

Karl-Friedrich Müller, Leiter Netzmanagement bei Eurowings, begrüßte die Kartellamts-Entscheidung, die Beratungsfrist zu verlängern. Er sei ganz zuversichtlich, dass Eurowings und Lufthansa das Kartellamt zu einer Genehmigung der Anteilsaufstockung bewegen werden. "Wir müssen gucken, dass wir Brücken bauen. Die dürfen aber nicht aus Holz sein, damit wird nicht auf dem Holzweg sind", sagte Müller. Die beiden Unternehmen stünden im ständigen Dialog mit dem Bundeskartellamt. Eurowings-Vorstandschef Friedrich-Wilhelm Weitholz hatte zuvor bereits mehrfach betont, er befürchte, seine Gesellschaft könnte durch eine Untersagung der Allianz durch die Wettbewerbshüter in ihrer Existenz bedroht werden. Sollte das Bundeskartellamt der Lufthansa das Aufstocken ihrer Eurowings-Anteile auf knapp 50 % verbieten, müsse die Gesellschaft gut 1 000 ihrer 1 633 Mitarbeiter entlassen.

Eine Lufthansa-Sprecherin sagte, ihr Konzern werde die zur Verfügung stehende Zeit nutzen, um Gespräche mit dem Kartellamt zu führen und die Bedenken auszuräumen. Die Lufthansa hatte in dieser Woche die grundsätzliche Billigung der Europäischen Union (EU) für ihren Einstieg beim britischen Partner British Midland (BMI) erhalten. Die Aktie der Deutschen Lufthansa gewann bis zum Donnerstagnachmittag in einem freundlichen Marktumfeld 0,7 % auf 22,16 Euro. Der Konzern hatte am Vorabend zweistellige prozentuale Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn für das vergangene Jahr bekannt gegeben.

Das Kartellamt hatte besonders kritisiert, dass es durch die neue Allianz anderen Fluggesellschaften nahezu unmöglich würde, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Die möglicherweise positiven Auswirkungen der Allianz auf den europäischen Flugverkehr glichen die wettbewerblichen Nachteile im Inland nicht aus. "Die Marktstellung von Lufthansa ist insbesondere auf dem innerdeutschen Markt für Flugreisen so überragend, dass die Fusion zu einer erheblichen Schwächung des Wettbewerbs führen würde", hatte Kartellamts-Präsident Ulf Böge die Haltung der Wettbewerbshüter weiter begründet.

Lufthansa

-Zahlen leicht unter Analysten-Prognosen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%