Bundeskongress in Leipzig
Mai wirbt eindringlich für Verbleib der ÖTV in Verdi

dpa LEIPZIG. ÖTV-Chef Herbert Mai hat vor dem Bundeskongress seiner Gewerkschaft in Leipzig eindringlich für die geplante neue Dienstleistungsgewerkschaft ver.di geworben. Vor den rund 550 Delegierten der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) betonte Mai am Montag, Verdi könne den Aufbruch der Gewerkschaften zur besseren Gestaltung der Zukunft bedeuten. "Die ÖTV kann den Sprung wagen", sagte Mai und betonte: "Ich bekenne mich eindeutig zu Verdi." Zugleich bat er die Delegierten um eine klare Entscheidung für die geplante Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi).

Bei der Debatte über den Geschäftsbericht des Hauptvorstandes hatten einige Delegierte dafür plädiert, dass die ÖTV wieder kämpferischer auftritt. Außerdem wurde bemängelt, die ÖTV-Führung sei gegenüber der rot-grünen Bundesregierung und den öffentlichen Arbeitgebern zu nachgiebig und setze sich bei der geplanten Rentenreform nicht massiv genug für die Positionen der Gewerkschaft ein. Mai versicherte, die ÖTV werde daran arbeiten, dass ein anderes Gesetz zu Stande kommt.

Verdi schafft Konkurrenz unter den Gewerkschaften

Nach Mais Worten wird mit ver.di Konkurrenz unter den Gewerkschaften abgebaut. Dies werde mehr politische, wirtschaftliche und tarifliche Stärke bringen. Der ÖTV-Chef räumte ein, dass einiges noch ungeklärt ist wie die Zahl der Kreisverwaltungen, die bei Verdi-Bezirke heißen sollen. Mit Blick auf die in der ÖTV umstrittenen Struktur der neuen Organisation, die neben Landesbezirken auch Fachgruppen vorsieht, in denen sich die Berufe wiederfinden sollen, sagte Mai: "Die Praxis wird zeigen, ob dieses Struktur zukunftsfähig ist."

Neben der ÖTV wollen sich im März 2001 die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), die Deutsche Postgewerkschaft (DPG), die IG Medien sowie die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) zusammenschließen. Verdi wäre mit rund drei Mill. Mitgliedern die größte Einzelgewerkschaft der Welt. Unmittelbar vor der Gründung von ´Verdi müssen sich die Fusionsgewerkschaften auflösen. Dazu braucht die ÖTV 80 % der Delegiertenstimmen.

Entscheidung am Dienstag

Dem Kongress wird vermutlich am Dienstag über Anträge entscheiden, die den Ausstieg der ÖTV aus dem Fusionsprozess vorsehen. Aller Voraussicht nach wird der Kongress aber dem Antrag des Hauptvorstandes folgen und grünes Licht für Verdi geben. Von großer Bedeutung wird dabei sein, wie deutlich diese Mehrheit ausfällt. Denn das Ergebnis lässt Rückschlüsse auf das Abstimmungsverhalten im kommenden Frühjahr zu.

Der ÖTV-Chef verteidigte vor den Delegierten die Teilnahme der Gewerkschaften im Bündnis für Arbeit mit Regierung und Wirtschaft. "Nicht alles lässt sich im Kampf durchsetzen", sagte er. Dem Kongress liegen Anträge vor, sich aus den Bündnisgesprächen zu verabschieden. Bayerns ÖTV-Landesvorsitzender Michael Wendel hatte den Verlauf der Bündnisgespräche bemängelt. Seiner Ansicht nach wird den Gewerkschaften ein schlechter Tausch angeboten: Sie müssten sich von den Mitgliederinteressen verabschieden und bekämen dafür Bestandssicherung.

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