Bundesländer setzen Tests fort
Nitrofen-Funde bisher nur in Öko-Betrieben

Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) sieht nach eigenen Worten derzeit keine Hinweise dafür, dass auch Produkte der konventionellen Landwirtschaft mit dem Pflanzengift Nitrofen belastet sind.

Reuters BERLIN. Die Bundesländer setzten aber ihre Stichproben-Tests in den Betrieben der konventionellen Landwirtschaft weiter fort, sagte Künast am Freitag im ZDF. Nach jetzigem Kenntnisstand gebe es lediglich den Hinweis, dass sich die Nitrofen-Funde nur auf Bio-Geflügel-Futter beschränken. "Es bezieht sich auch da nicht einmal auf Schweine- oder Rinderfutter, so dass man davon ausgehen kann, dass in den Bereichen nichts sein dürfte. Schweinefleisch und Rindfleisch würde ich auf alle Fälle essen", sagte die Ministerin. Die Nachforschungen der Behörden in Niedersachsen konzentrierten sich nun immer mehr auf den Futtermittel-Hersteller GS agri und auf die Frage, welche anderen Substanzen dem Öko-Futter auch beigemischt wurden.

Künast sagte, die Landesbehörden prüften eine Schließung des inzwischen vorläufig stillgelegten Betriebes. Die Firma steht im Verdacht, 550 Tonnen belastetes Tierfutter wissentlich an mehr als hundert Bio-Höfe in fünf Bundesländern geliefert zu haben. GS agri bestreitet dies. Künast sagte: "Ich glaube nicht, dass die jemals wieder den Stempel 'zuverlässig' kriegen werden."

In Niedersachsen wurden am Donnerstag nach Angaben des Landesagrarministeriums auf drei Höfen Eier gefunden, deren Nitrofen-Werte drei bis acht Mal über dem Grenzwert von 0,01 Milligramm pro Kilogramm lagen. Auch die Spuren bei einem auf Öko-Landbau umstellenden Betrieb kämen aus der Verwendung von Bio-Futter der Firma GS agri, hieß es. Somit bleibt offen, ob belasteter Bio-Weizen von GS agri auch für konventionelles Futter verarbeitet wurde, mit dem das europaweit tätige Unternehmen 90 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet. Unklar blieb auch, wie das Krebs erregende Nitrofen in das Futtermittel gekommen ist. Künast wollte einen Sabotage-Akt nicht ausschließen.

In Reaktion auf die Nitrofen-Funde hatte Tschechien die Einfuhr von deutschem Geflügel gestoppt. Der Importstopp gelte ab sofort für die nächsten zwei Wochen, teilte die tschechische Veterinärbehörde in Prag mit.

Künast hatte nach einem Treffen mit ihren Länderkollegen am Donnerstagabend erklärt, Bund und Länder hätten sich für Kontrollen aller eingehenden Futterrohstoffe bei Futtermittel-Betrieben ausgesprochen. Auch befürworteten die Länder den Vorschlag einer Meldepflicht für Unternehmen bei potenziell gesundheitsgefährdenden Stoffen. Vier länderübergreifende Arbeitsgruppen sollen nun die Aufklärung vorantreiben. Aufgabe der Gruppen ist es, Schwachstellen bei den Öko-Kontrollstellen aufzudecken, Änderungen im Lebensmittelrecht zu diskutieren und die Aufklärung zu koordinieren. Am Freitag steht im Bundesrat das Verbraucherinformationsgesetz zur Abstimmung. Die unionsregierten Länder wollen es stoppen.

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