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Bundesliga: 62 Millionen Euro für neue SpielerDPA-Datum: 2004-07-14 13:58:36

Düsseldorf (dpa) - Das Transferkarussell dreht sich mit Schwindel erregender Geschwindigkeit, doch die Verantwortlichen der Bundesliga-Vereine behalten einen klaren Kopf. Insgesamt gaben die 18 Eliteclubs bis zum 14. Juli 62,13 Millionen Euro für 115 neue Spieler aus.

Düsseldorf (dpa) - Das Transferkarussell dreht sich mit Schwindel erregender Geschwindigkeit, doch die Verantwortlichen der Bundesliga-Vereine behalten einen klaren Kopf. Insgesamt gaben die 18 Eliteclubs bis zum 14. Juli 62,13 Millionen Euro für 115 neue Spieler aus.

Zwar stiegen die Investitionen im Vergleich zum Vorjahr (57 Mio Euro bis zum Ende der Transferperiode am 31. August 2003) leicht an, doch die Rekord-Saison 2001/2002 (150 Mio Euro) bleibt unerreicht. Wie die dpa-Erhebung weiter ergab, stehen den Ausgaben diesmal Einnahmen von 38,8 Millionen Euro für 147 aussortierte Profis gegenüber.

Unter dem Strich steht zwar eine negative Gesamt-Transferbilanz von 23,33 Millionen Euro, dennoch kann festgestellt werden: Der seit drei Jahren zu beobachtende Trend, die aufgeblähten und teuren Kader zu verkleinern und die Kosten zu reduzieren, setzt sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten fort. Von den 115 Einkäufen waren nur 29 Spieler (25 Prozent) ablösepflichtig.

Allerdings ist die Quote derjenigen, die den Clubs ein paar Euro in die Kasse bringen, mit 10,2 Prozent noch geringer. «Dass sich der teilweise überhitze Markt auf ein gesundes Maß abgekühlt hat, ist zu begrüßen», sagte Christian Müller, Finanz-Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL). «Aber man muss auch sehen, dass Transferentschädigungen auch einen Finanzausgleich innerhalb der Liga sowie zwischen Profi- und Amateurligen darstellen.»

Anders als in Italien, Spanien und vor allem England, wo noch immer Unsummen für einzelne Stars ausgegeben werden, regiert in Deutschland die Vernunft. Viele Manager haben aus der «Kapitalvernichtung» früherer Jahre gelernt. Gefragt sind fast nur ablösefreie Spieler, billige Leihkräfte und Schnäppchen aus dem Ausland. Auch in den eigenen Jugendabteilungen sehen sich die Scouts und Trainer gezwungenermaßen vermehrt um. «Negative» Folge ist, dass die Fans in der 42. Bundesliga-Saison vergeblich nach hochkarätigen Ausnahmefußballern aus dem Ausland Ausschau halten werden.

Topstar und bislang teuerster Transfer ist Lucio. Der brasilianische Weltmeister wechselte für 12 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zu Bayern München. Der Rekordmeister leistete sich mit Nationalspieler Torsten Frings von Borussia Dortmund (9,0) auch den zweitteuersten Profi und schwimmt dank weiterer Investitionen für Vahid Hashemian (2,0/VfL Bochum) und Talent Andreas Görlitz (2,5) vom abgestiegenen Lokalrivalen 1860 München gegen den Trend. Insgesamt gehen mit 25,5 Millionen Euro mehr als 40 Prozent der gesamten Liga- Investitionen auf das Konto der Münchner. Auf der Einnahmenseite steht eine Null.

Hinter dem Branchenführer machen vor allem die «Nordlichter» Hamburger SV (10,5) und VfL Wolfsburg (6,0) dank finanzkräftiger Partner mobil. Ob sich die Investitionen des HSV für den auf Schalke ausgemusterten Stürmer Emile Mpenza, Ex-«Löwe» Benjamin Lauth und Daniel van Buyten (Olympique Marseille) und der «Wölfe» für vier ablösepflichtige Neulinge lohnen, wird sich zeigen.

Neben den Bayern hat sich der FC Schalke 04 möglicherweise am besten verstärkt: Immerhin gelang es den Knappen, die zuletzt vor allem «in die Breite» investiert hatten, mit Toptorjäger Ailton von Meister Werder Bremen, den beiden Abwehr-Assen Marcelo Bordon (Stuttgart) und Mladen Krstajic (Bremen) sowie Lincoln (Kaiserslautern) der Konkurrenz vier gestandene Profis auszuspannen und ins Revier zu lotsen. Von diesem Quartett musste nur Bordon für rund 4,0 Millionen Euro aus einem laufenden Vertrag gekauft werden. Werder gab für den Ex-Pfälzer Miroslav Klose 5,0 Millionen aus.

Allerdings ist es längst kein Geheimnis mehr, dass von der munteren Wechselei vor allem die Berater und die Spieler profitieren. Sie lassen sich ihr Ja-Wort mit zum Teil deftigen Handgeldern vergüten. So erlauben die gezahlten Ablösesummen nur bedingt einen Rückschluss auf die tatsächlich umgewälzten Millionen in der höchsten deutschen Spielklasse.

Offiziell keinen Cent gaben nur vier Vereine für neue Kräfte aus, neun Clubs erzielten keine Einnahmen. Neben dem SC Freiburg, dem 1. FC Kaiserslautern und Aufsteiger Mainz 05 öffnete auch der einstige Groß-Investor Borussia Dortmund seine Schatulle nicht, musste Frings nach München ziehen lassen, um Geld in die leere Kasse zu spülen. Die Kosten wurden - wie bei vielen anderen Clubs - bereits im Vorjahr durch verschiedene Einsparmaßnahmen drastisch gesenkt.

Vor der neuen Saison haben viele ihre Kader kräftig durchforstet. Den größten Schnitt machte Aufsteiger 1. FC Nürnberg, der 11 Neue holte und 15 Spieler ziehen ließ. Schalke tauschte 10 Spieler aus, bei Leverkusen stehen 12 Abgängen 9 Zugänge gegenüber. Die geringste Fluktuation gibt es in Freiburg (2/4). Bayer holte mit dem brasilianischen Weltmeister Roque Junior vom AC Mailand den wohl interessantesten und namhaftesten Star aus dem Ausland - natürlich zum Nulltarif.

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