Archiv
Bundesliga-Vertreter kritisieren DFB

Almancil (dpa) - Nach dem EM-Scheitern in Portugal und dem Rücktritt von Teamchef Rudi Völler werden aus der Bundesliga immer mehr Stimmen laut, die radikale Veränderungen im Deutschen Fußball-Bund (DFB) fordern.

Almancil (dpa) - Nach dem EM-Scheitern in Portugal und dem Rücktritt von Teamchef Rudi Völler werden aus der Bundesliga immer mehr Stimmen laut, die radikale Veränderungen im Deutschen Fußball-Bund (DFB) fordern.

«Nicht Völler, sondern die DFB-Führungsspitze muss sich fragen, ob sie nicht besser ausgetauscht worden wäre», wetterte der Trainer des VfL Bochum, Peter Neururer. Er könne sich «nur an den Kopf fassen, wenn man wie Mayer-Vorfelder keine zehn Minuten nach der Verkündung des Rücktritts schon drauflos plaudert, wer als Nachfolger in Frage käme», kritisierte Neururer in der Zeitung «Die Welt» in erster Linie den DFB-Präsidenten.

«Beim DFB muss sich was ändern», plädierte auch der Manager des VfL Wolfsburg, Peter Pander, für Konsequenzen. Klaus Toppmöller, Trainer des Hamburger SV, wirft dem Verband vor, er habe die vorigen zwei Jahre seit dem Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft verschlafen. Toppmöller: «Da habe ich gefordert, dass es einen Umbruch geben muss. Damals hat man mich öffentlich durch den Kakao gezogen.»

Einen Tag nach Völlers Rücktritt mischten sich in das weiterhin große Bedauern über den Schritt auch erste Zweifel am fußballerischen Sachverstand des 44-Jährigen, unter anderem von Oliver Bierhoff. Der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft attestierte Völler zwar einen hohen Sympathiewert und die richtige personelle Auswahl für die EM. «Dennoch muss nach den vier Jahren seiner Tätigkeit festgestellt werden, dass bei dieser Mannschaft kein richtiges System, kein klares Konzept zu erkennen ist», kritisierte er in einer «Welt»-Kolumne. Auch bei der EM habe der Teamchef permanent Formation und System verändert: «Hieran ist zu erkennen, dass Völler kein gelernter Trainier ist, keine wirkliche Erfahrung in diesem Job hat. Dies muss man ihm vorhalten.»

Unterstützt wird der Schütze zum Golden Goal bei der EM 1996 von Arminia Bielefelds Trainer Uwe Rapolder. «Rudi Völler hätte an seiner Seite einfach einen Fachmann mit mehr Kompetenz und Erfahrung haben müssen. Er war sicher nicht gut beraten, in drei Spielen der EM mit drei verschiedenen Systemen zu spielen. So wächst keine Elf der Welt zusammen», erklärte er in der «Heilbronner Stimme» und übte damit harsche Kritik an Bundestrainer und Völler-Assistent Michael Skibbe.

Eine ganz andere These vertritt der neue Trainer des FC Bayern München, Felix Magath. «Was sich seit vielen Jahren im deutschen Fußball abspielt, ist für mich ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Wir fühlen uns immer noch als die Größten, wir sind es aber längst nicht mehr», meinte er in einer Kolumne für das «Hamburger Abendblatt». Und fügte hinzu: «Wir sind in vielen Punkten Lehrlinge, wollen aber nicht mehr lernen.»

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hat sich einen Tag nach dem Rücktritt von Teamchef Rudi Völler gegen den Vorwurf gewehrt, er habe den 44-Jährigen nach dem EM-Ausscheiden fallen lassen. «Die Spekulationen sind abenteuerlich und entbehren jeder Grundlage», sagte der DFB-Chef in Almancil. Über den Ablauf des Rücktritts von Völler in der Nacht nach dem 1:2 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Tschechien wollte Mayer-Vorfelder allerdings nicht ins Detail gehen: «Alles, was zu diesem Vorgang zu sagen ist, habe ich auch auf Nachfrage erklärt.»

In der gemeinsam mit Völler abgehaltenen Pressekonferenz in Portugal hatte der 69 Jahre alte Verbandschef gesagt, er habe Völler nach dessen Rücktrittserklärung «gebeten, dass zu überdenken». Die «Bild»-Zeitung hatte in ihrer Freitag-Ausgabe auf der Titelseite in Bezug auf Völler gemeldet: «DFB-Boss ließ ihn fallen.» Angeblich missfiel dem zurückgetretenen Teamchef die Kritik, die Mayer-Vorfelder unmittelbar nach dem Ausscheiden der deutschen Elf in einem Fernseh-Interview geäußert hatte: «Bis auf zehn Minuten haben wir katastrophal gespielt.»

Die internationale Presse traut der deutschen Mannschaft ungeachtet des Trainerwechsels im Hinblick auf die WM 2006 wenig zu. «Deutschland seufzt und seufzt. Der Vize-Weltmeister ist in der EM- Vorrunde ausgeschieden, und die Fußball-Nation seufzt bloß resigniert. Wer noch das Bild des selbstgerechten stolzen Deutschen im Kopf hat, war schon länger nicht mehr im Land unterwegs», meinte der in der Schweiz erscheinende «Tages-Anzeiger». Das spanische Blatt «Sport» urteilte: «Das Problem der Deutschen liegt jenseits der Fähigkeit ihrer technischen Führung in der Seele der Spieler. Die neue Generation hat ein geringes Profil mit Ausnahme Ballacks, der sich aber allein inmitten der Mittelmäßigkeit befindet.»

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%