Bundesobmann Schröder fordert Loskoppelung von den Landesbanken
Sparkassen stehen unter Druck

Für eine Loskoppelung der Sparkassen von den Landesbanken bei dem Um- und Ausbau der Sicherungseinrichtungen plädiert der Chef der Stadtsparkasse Köln, Gustav Adolf Schröder. "Sparkassen und Landesbanken sollten nicht zusammengebunden bleiben", sagte Schröder, der als Bundesobmann auch Sprecher der Sparkassen ist.

KÖLN. In dieser Frage sieht er eine breite Mehrheit der 563 Sparkassenchefs hinter sich. Gleicher Ansicht sind die Chefs der beiden Großsparkassen Hans-Peter Krämer, Kreissparkasse Köln, und Anton Mauerer, Nassauische Sparkasse. Dagegen erwartet der Chef der Stadtsparkasse München, Josef Turiaux, dass es zu einer gemeinsamen Lösung mit den Landesbanken kommen wird.

Gleichzeitig fordert Schröder einen Erhalt des bundesweiten Sicherungsverbundes der Sparkassen - regionale Einrichtungen beispielsweise auf Landesebene lehnt er ab. Derzeit greift im Sanierungsfall - wie bei der Krise der Sparkasse Mannhein - zunächst der regionale, anschließend der bundesweite Fonds.

Eine Aufstockung der Sicherungseinrichtungen diskutieren die öffentlichen Banken, weil im Jahr 2005 die öffentliche Bankgarantie (Gewährträgerhaftung) wegfallen wird. Sinnvoll wäre es das Volumen des Feuerwehrfonds von 1 Mrd. auf 5 bis 6 Mrd. DM aufzustocken, sagte Schröder. Dies entspreche etwa der Höhe der Sicherungsreserven der Volks- und Raiffeisenbanken. "Das Geld sollten die Sparkassen möglichst bar einzahlen." Dies würde für die Stadtsparkasse fünf Jahre lang eine Belastung von je 25 Mill. DM bedeuten. Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe an der Reform der Sicherungseinrichtungen, in der Sparkassenverbände und Sparkassen vertreten sind.

Anders verhalten werden sich die Sparkassen laut Schröder künftig, wenn eine Aufstockung des Eigenkapitals einer Landesbank wie der WestLB auf die Tagesordnung kommt. Während das Kapital früher nach einem Verbandsbeschluss bei den Sparkassen "eingezogen wurde", zählten künftig ausschließlich Marktkriterien.

Schröder erwartet, dass Sparkassen weitere Geschäftsstellen dicht machen werden. Für sein Haus rechnet er mit einem Aus für jede zehnte der 99 Geschäftsstellen. 1989 waren es noch 117. Schröder begründete dies unter anderem mit dem drastischen Rückgang der Barauszahlung: "Mehr als 78 % aller Auszahlungen vom Konto laufen heute über den Geldautomaten." Parallel zum Filialabbau hat die Stadtsparkasse durch den Aufbau von 40 Selbstbedienungstellen und 18 Beratungscentern die Präsenz im Verbreitungsgebiet ausgeweitet.

Auf dem Land sieht der Bundesobmann der Sparkassen gar für jede vierte Filiale schlechte Überlebenschancen. Es sei wenig sinnvoll, wenn in kleinen Städten Sparkassen und Genossenschaftsinstitute nebeneinander existierten: "Den Gruppenwettbewerb um jeden Preis im ländlichen Raum halte ich für überholt." Noch würden viele notwendige Filialschließungen auf dem Lande an Politikern scheitern.

Die Kölner blieben mit der um 1,5 % auf 39,93 Mrd. DM gewachsenen Bilanzsumme hinter ihren Erwartungen zurück. Hauptgrund ist die Börsenkrise, die wie bei vielen anderen Banken auch die Bilanz der zweitgrößten Sparkasse "verhagelte". So brach der Umsatz im Wertpapiergeschäft bei Aktien bis Ende Juni gegenüber dem Vorjahr um 43,8 % ein, bei Investmentfonds um 34,6 %. Der Provisionsüberschuss blieb mit minus 7,7 % auf 96,8 Mill. DM "klar hinter den Erwartungen". Der Zinsüberschuss sank um 3,3 % auf 343,7 Mill. DM. Unzufrieden ist Schröder mit dem um 18 % auf 158,5 Mill. DM niedrigeren Betriebsergebnis vor Steuern. Dies liegt mit 0,80 % der durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS) unter dem Wert von 0,85 %, den laut Schröder eine Bank dieser Größenordnung braucht.

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