Bundesrat könnte Bundesregierung zu nationalem Alleingang auffordern
BSE: Immer mehr Länder für Importverbot

Immer mehr Bundesländer dringen wegen der Risiken durch die Rinderseuche BSE auf ein erneutes Importverbot für Rindfleisch aus Großbritannien.

dpa BERLIN. Auch Brandenburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Thüringen sind nach einer Umfrage der "Saarbrücker Zeitung" inzwischen für eine solche Maßnahme. Damit können Baden-Württemberg, Bayern und das Saarland, die die Bundesregierung am Freitag im Bundesrat zu einem nationalen Alleingang auffordern wollen, mit einer Mehrheit für ihren Vorstoß rechnen. Auch Nordrhein- Westfalen, Hessen und Niedersachsen sind für einen solchen Schritt.

Dagegen hält die Hamburger Gesundheitsbehörde die EU-Auflagen für Großbritannien für ausreichend. Auch Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind gegen ein Embargo für britisches Rind. Rheinland-Pfalz lehnt übereilte Schritte ab.

Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) plädierte angesichts immer neuer Berichte über an der Rinderseuche BSE erkrankte Tiere auch für ein Importverbot für Rindfleisch aus Frankreich und Irland. In Abwägung mit dem Schutz der Verbraucher müsse ein solcher Verstoß gegen europäisches Recht hingenommen werden, sagte sie der "Rheinischen Post". Im Frauenmagazin "Vivian" empfahl sie Verbrauchern, Fleischprodukte aus der Region zu kaufen.

Fleischkonsum bleibt stabil

Der Fleischkonsum der Deutschen ist trotz der Rinderseuche BSE insgesamt stabil geblieben. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in einem Durchschnitts-Haushalt rund 15,4 Kilogramm Fleisch verzehrt, berichtete die Gesellschaft für Konsumforschung am Samstag. Nach der Studie des Marktforschungsinstitutes wurde damit das Niveau des ersten Halbjahres 1999 (15,6 Kilogramm) in etwa gehalten. Während Schweinefleisch immer beliebter werde, sei der Rindfleisch-Anteil in den vergangenen Jahren von mehr als 27 auf knapp 20 % gesunken.

Von vielen französischen Speisekarten werden aus Angst vor der Rinderseuche BSE Steaks und Rippenstücke gestrichen. Außerdem kommt von diesem Montag an in den Schulkantinen in elf der 20 Bezirke der Hauptstadt Paris kein Rindfleisch mehr auf den Tisch, berichtete die Pariser Zeitung "Journal du Dimanche" am Sonntag. Am Freitag waren zwei neue Fälle von Rinderwahnsinn aus dem Westen des Landes gemeldet worden. Damit sind seit Jahresbeginn 86 BSE-Fälle entdeckt worden, 30 davon nach einem im Juni begonnenen Programm zur Früherkennung des Rinderwahnsinns. Experten führen die erhöhte Zahl von entdeckten BSE-Fällen vor allem auf die verbesserten Erkennungsmethoden zurück.

Zusammenhang mit Creutzfeldt-Jakob-Krankheit möglich

Britische Wissenschaftler haben in einer neuen Untersuchung keine "klare statistische Verbindung" zwischen dem Konsum von BSE- verseuchtem Rindfleisch und der tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nv-CJD) beim Menschen festgestellt. In der im "Daily Telegraph" (Samstagsausgabe) veröffentlichten Studie des amtlichen CJD-Überwachungsinstituts in Edinburgh heißt es aber: "Während bei diesen Untersuchungen keine Verbindung festgestellt wurde, können wir die Möglichkeit nicht ausschließen, dass eine solche Verbindung besteht." An der 1999 durchgeführten Studie waren laut "Telegraph" führende britische und internationale Wissenschaftler beteiligt.

Erst vor zwei Wochen war in einem umfangreichen Untersuchungsbericht über die britische BSE-Krise festgestellt worden, dass nv-CJD mit "größter Wahrscheinlichkeit" durch verseuchtes Rindfleisch übertragen wird. An der quälenden Hirnkrankheit sind bisher in Großbritannien 82 Menschen gestorben.

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