Bundesregierung behält ihre Wachstumsprognose für Deutschland bei
Regierung: Vorsichtige Karte

Seit Anfang der Woche haben es die Strategen in Kanzleramt und Finanzministerium schwarz auf weiß. Der Internationale Währungsfonds (IWF) korrigiert überraschend die Wachstumsaussichten Deutschlands nach oben.
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DÜSSELDORF. Die Washingtoner Finanzinstitution rechnet mit einem jeweils um 0,2 Prozentpunkte höheren Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 0,9 Prozent in 2002 und 2,7 Prozent in 2003. Nicht viel, aber eine positive Nachricht für Kanzler Gerhard Schröder, den der Vorwurf der Union, Deutschland zum Schlusslicht in der EU degradiert zu haben, sichtlich nervt. Aber auch nach den neuen IWF-Zahlen liegt das deutsche Wachstum noch unter dem Durchschnitt der Euro-Zone (2002: 1,4 Prozent, 2003: 2,9 Prozent) .

Keine Frage: Die Sorgen um den Standort Deutschland bleiben. In dem bisher unveröffentlichen Frühjahrsgutachten, das der WirtschaftsWoche vorliegt, geht der IWF davon aus, dass vor allem die Exporte mit einem Zuwachs von 2,6 Prozent den Aufschwung antreiben. Trotz milliardenschwerer Steuerentlastungen erwartet der IWF von der Inlandsnachfrage, anders als für die USA, keine wesentlichen Impulse.

Während man sich im Kanzleramt dennoch über das höhere Wachstum freut, zeigen sich die Beamten von Finanzminister Hans Eichel über die Prognose des Währungsfonds zum gesamtstaatlichen Haushaltsloch indigniert. Trotz besser laufender Konjunktur prognostizieren der IWF ein höheres deutsches Staatsdefizit (2,7 Prozent). Eichel geht dagegen davon aus, dass das Staatsdefizit in diesem Jahr auf 2,5 Prozent begrenzt bleibt.

Trotz der günstigeren IWF-Prognose sehen Schröders Wirtschaftsexperten Konjunkturrisiken durch Ölpreis und zu hohe Tarifabschlüsse, die nach Einschätzung des Kanzleramts "sicher über drei Prozent liegen" werden. "Wir sehen keinen Grund, unsere Wachstumsprognose nach oben zu schrauben", sagt ein hoher Regierungsbeamter. So können die staatlichen Steuerschätzer unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von 0,75 Prozent planen. Offenbar ziehen der Kanzler und sein Finanzchef im Wahljahr die vorsichtige Karte.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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