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Bundesregierung hält an Rechtschreibreform fest

Berlin/Siegen (dpa) - Die Bundesregierung sieht keinen Anlass für eine neue Diskussion über die Rechtschreibreform. Nach der langen Debatte über die neuen Regeln sollten nun besser die Beschlüsse konsequent umgesetzt werden, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg.

Berlin/Siegen (dpa) - Die Bundesregierung sieht keinen Anlass für eine neue Diskussion über die Rechtschreibreform. Nach der langen Debatte über die neuen Regeln sollten nun besser die Beschlüsse konsequent umgesetzt werden, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg.

Verlage und Schulen hätten sich schließlich auf die Änderungen eingestellt. Der Vize-Vorsitzende der Zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission, Gerhard Augst, verwies auf das Reform-Abkommen mit Österreich und der Schweiz. Einen deutschen Alleingang könne es daher nicht geben.

Mehrere Ministerpräsidenten haben die geänderten Schreibregeln in Frage gestellt und eine neue Entscheidung dazu gefordert. Die Rechtschreibreform wird nach mehrjähriger Übergangsphase an den Schulen zum 1. August 2005 verbindlich. Bislang werden die Fehler zwischen alter und neuer Schreibweise angestrichen, aber noch nicht geahndet.

Als 1996 die Rechtschreibreform beschlossen wurde, seien die Ministerpräsidenten und die Bundesregieung beteiligt gewesen, betonte Augst in einem dpa-Gespräch in Siegen. «Wer da zugestimmt hat, wusste was kommt. Auch die Vorarbeiten waren nicht geheim.» Die neue Schreibweise werde bereits seit 1998 angewendet. Sämtliche Behörden hätten kurz danach darauf umgestellt.

Nach einer Erhebung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels im Jahr 2002 kämen 75 Prozent der neu erscheinenden Bücher in der neuen Rechtschreibung auf den Markt, erklärte der Germanistik-Professor. Die neue Schreibung habe sich flächendeckend durchgesetzt. Die derzeitige emotionale Aufregung sei daher völlig unangemessen. «Die Reaktionen von einigen Ministerpräsidenten erscheint mir schon etwas merkwürdig.»

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands Josef Kraus sprach sich dafür aus, nur die neue ss-Schreibung beizubehalten und alle anderen Regeln wieder zurückzunehmen. Im Interesse der Lesbarkeit sollte auch die Kommasetzung wieder verbindlicher werden. Das sei kein Problem für die Schüler, da die Reform ohnehin keine große Reichweite habe, sagte Kraus im Deutschlandradio Berlin. Die Schüler machten mit den neuen Regeln insgesamt nicht weniger Fehler.

Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger warf den Lehrern vor, wider besseren Wissens «sklavisch» an den unsinnigen Vorschriften festzuhalten. Verleger und Redakteure wiederum hätten sich «dieser deutschen Hanswurstiade» in vorauseilendem Gehorsam gebeugt, sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Die «Idiotie dieser verordneten Reform» stehe seit langem fest, schreibt Enzensberger weiter. «Politisch bemerkenswert ist jedoch die Unbelehrbarkeit der ministerialen Ignoranten und die Feigheit derer, die ihnen auf die servilste Art und Weise gehorchen.»

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