Bundesregierung hat Öl-Vorräte versilbert – Verband verwaltet Vorrat für 90 Tage – Die meisten Heizöltanks sind noch halb voll: Hoher Ölpreis hält Deutsche von Hamsterkäufen ab

Bundesregierung hat Öl-Vorräte versilbert – Verband verwaltet Vorrat für 90 Tage – Die meisten Heizöltanks sind noch halb voll
Hoher Ölpreis hält Deutsche von Hamsterkäufen ab

Ölnotstand ist hier zu Lande nicht zu befürchten. Dafür sorgt erstens der Erdölbevorratungsverband. Außerdem haben sich die Haushalte im Herbst zu günstigen Preisen eingedeckt.

HAMBURG. Bundesfinanzminister Hans Eichel ist nicht nur knapp bei Kasse. Auch das Heizöl ist ihm ausgegangen, der Bund hat - Irak hin, Irak her - schon im vergangenen Jahr den Rest seiner "Bundesrohölreserven" verkauft. Das waren einmal stolze 7 Mill. Tonnen. Von denen hätte die Republik einen Monat zehren können. Heute ist davon kein Tropfen übrig. Der Erlös kam dem Bundeshaushalt zu Gute.

Doch akuter Öl-Notstand droht nicht. Dafür sorgt der Erdölbevorratungsverband (EBV). Dessen Aufgabe ist es, Mineralölvorräte für 90 Tage zu kaufen und zu lagern. Den Verband, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, gibt es seit 1978 - er ist ein Kind der ersten Ölkrise. Derzeit hält die Organisation laut EBV-Vorstand Eberhard Pott 24,5 Mill. t an Benzin, Diesel, Heizöl und Flugturbinentreibstoff. Gut 90 Tage könne die Versorgung damit aufrecht erhalten werden. Hinzu kommen Mengen für rund 15 Tage, die die Raffinerien für den Betrieb der Anlagen vorhalten. Genau genommen hält der EBV sogar 27,5 Mill. t. Von den darin enthaltenen 12 Mill. t Rohöl werden wegen des Verlustes durch die Verarbeitung aber nur 9 Mill. t angerechnet.

Dass es vor dem Golfkrieg in Deutschland nicht zu Hamsterkäufen beim Öl gekommen ist, hat jedoch weder mit dem EBV noch mit dem langen Winter zu tun: Es ist der bislang hohe Ölpreis, der die Verbraucher abgeschreckt hat, sagt Rainer Winzenried von der Shell & Dea Oil GmbH in Hamburg. Der Manager schätzt, dass die privaten Tanks überdies noch gut halb voll sind. Die deutsche Exxonmobil (Esso) bestätigt diese Marktsicht.

Dass die Heizölvorräte trotz des langen Winters noch im langfristigen Mittel liegen, erklärt Winzenried mit dem vernünftigen Verhalten der Verbraucher: Sie hatten im November 2002 die relativ günstigen Preise zum Auffüllen ihrer Tanks genutzt. Derzeit seien Ölprodukte den Verbrauchern zu teuer. Die Nachfrage aus den USA hatte auf dem Rotterdamer Markt die Preise hochschnellen lassen. Damit kratzte der Dieselpreis an den Tankstellen die Rekordmarke von 1 Euro, Heizöl verteuerte sich auf gut 46 Euro je 100 Liter.

Die Vorratspflicht für Mineralöl besteht in Deutschland seit 1966. Damals mussten Reserven für 60 Tage angelegt werden. Nach der ersten Ölpreiskrise wurde die Vorratspflicht 1975 auf 90 Tage angehoben. Dies hatten damals sowohl die zur OECD gehörende Internationalen Energie Agentur (IEA) in Paris als auch die Europäische Gemeinschaft gefordert. Nach langem Gezerre zwischen der Bundesregierung und den Mineralölgesellschaften, die für die verlängerte Vorratshaltung in die Pflicht genommen werden sollten, wurde 1978 dann per Gesetz der Erdölbevorratungsverband geschaffen.

Im feinen "Streit?s Haus" am Hamburger Jungfernstieg verwalten die EBV-Mitarbeiter seither einen Jahresetat von gut 530 Mill. Euro. Rohöl lagert der EBV traditionell in Salzkavernen. Für die restlichen Mengen sind oberirdische Tanklager angemietet. "Ideal für den EBV ist es, Tanklager mit einem privaten Unternehmen zu teilen", weiß Pott. Das Unternehmen befüllt und leert die Tanks nach Bedarf je zur Hälfte. So werden auch die EBV-Vorräte durchmischt. Dies ist bei Benzin und Diesel wichtig - die Sorten altern und verlieren an Qualität. Deshalb müssen sie - anders als Rohöl - zwei bis dreimal jährlich ausgetauscht werden.

Der Ankauf der Bestände und die Lagerung werden durch Zwangsmitgliedsbeiträge der Mineralölgesellschaften und der Importeure finanziert. Derzeit betreut der Erdölbevorratungsverband 600 Lagerverträge mit 90 Partnern, das Ganze finanziert von 166 Pflichtmitgliedern. Diese dürften die Kosten jedoch auf den Verbraucher abwälzen. Derzeit sind pro Tonne Benzin, die in den Fertigprodukte-Tank gepumpt wird oder die deutsche Grenze überschritten hat, 6,80 Euro zu zahlen. Für Diesel und Flugbenzin sind es 5,33 Euro, für schweres Heizöl 4,30 Euro.

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