Bundesregierung legt auf der Datenautobahn höheren Gang ein
„Wir müssen E-Government forcieren"

Die Daten sollen laufen, nicht die Bürger, wirbt die rot-grüne Regierung für ihre Initiative "BundOnline2005". Sie soll die Bundesverwaltung mit Bürgern und Wirtschaft elektronisch vernetzen. E-Government heißt das Stichwort und bedeutet, dass Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung im Internet angeboten werden. Der Vorteil: Elektronische Behörden kennen keine Warteschlangen und sind immer erreichbar. Aber wann wird die digitale Verwaltung Realität?

HB/dpa HANNOVER. "Wir müssen E-Government forcieren, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken", sagte die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium Brigitte Zypries der dpa. Die vernetzte Amtsstube soll mehr leisten, weniger kosten und neue Technologien fördern. Bis 2005 will die Regierung alle internetfähigen Dienstleistungen der Bundesverwaltung online zugänglich machen. Einige sind jetzt schon per Mausklick möglich.

"In den nächsten vier Jahren werden wir mehr als 350 weitere ins Netz bringen für zentrale Dienstleistungen, die alle Behörden benötigen", erläutert Zypries. Zur CeBIT feiert eines der ersten Projekte der Initiative Geburtstag. Vor einem Jahr hatte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) das Regierungsportal www.bund.de auf der Computermesse vorgestellt. Es bündelt Informationen der Bundesverwaltung von A wie Arbeitsamt bis Z wie Zentrale Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung.

Als nächsten Schritt sollen Bürger Formulare direkt im Internet ausfüllen und per E-Mail an die Behörde schicken können. Zurzeit baut die Bundesregierung die technische Infrastruktur auf. "21 Dienstleistungen sind jetzt schon online abzuwickeln", sagte Zypries. Steuerzahler können zum Beispiel mit dem Programm "Elster" die Steuererklärung übers Internet einreichen, Anleger Bundesschatzbriefe bei der Bundesschuldenverwaltung online verwalten und Unternehmen den Warenverkehr mit anderen EU-Staaten per Mausklick dem Statistischen Bundesamt melden.

Schwierig wird es, wenn Formulare eine Unterschrift tragen müssen. Nur die wenigsten Internetnutzer haben die nötige Computerausrüstung wie Chipkarte und Lesegerät, um Dokumente digital zu unterschreiben. Der Griff zu Stift und Papier ist ungleich einfacher und günstiger als die digitale Signatur. Die Bundesregierung will die Akzeptanz der elektronischen Unterschrift erhöhen. "Wir machen sie nur attraktiver, wenn wir Dienstleistungen für sie anbieten", sagte Zypries. Die 200 000 Arbeitsplätze der Bundesverwaltung sollen jetzt alle eine digitale Signatur bekommen.

Der Langzeit-Studie "Verwaltung online" der Unternehmensberatung Accenture zufolge ist Deutschland auf einem guten Weg. "Die Investitionen beginnen schon jetzt sich auszuzahlen", sagte Accenture-Geschäftsführer Holger Bill zu der E-Government-Initiative. Deutschland holt im internationalen Vergleich auf, lautet eine erste Zwischenbilanz. Im vergangenen Jahr lag die Bundesrepublik noch auf Platz 15 hinter den meisten europäischen Ländern. Das endgültige Ergebnis erscheint im Mai.

Die Internet-Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Martina Krogmann, bemängelt dagegen unter anderem eine unzureichende Kooperation zwischen den verschiedenen Behörden der Länder. "Es hat sich ein virtueller Flickenteppich entwickelt", sagte Krogmann. Da Deutschland ein föderales System habe, komme in Niedersachsen eine andere Technik zum Einsatz als in Bayern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%