Bundesregierung lehnt neue Vorschläge der Versicherer ab
Industrie drängt auf Terror-Deckung

Nachdem die Bundesregierung die neuen Vorschläge der Versicherer zur Lösung der Terror-Deckung abgelehnt hat, drängt der Bundesverband der Industrie auf eine Lösung des Problems.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Mit seinem neuen Vorschlag zur Lösung des Terrorrisikos ist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bei der Bundesregierung auf Ablehung gestossen. Dies wurde am Rande der Handelsblatt-Jahrestagung "Assekuranz im Aufbruch" in München bekannt.

Nachdem seit November die Versicherer in Berlin mit der Bundesregerierung verhandelten, sucht die Politik jetzt das Gespräch mit der Industrie. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bestätigte, dass am Montag Gespräche mit dem federführenden Bundesfinanzministerium zum Thema Terrordeckung stattgefunden hätten. "Das Problem brennt den Unternehmen auf den Nägeln", sagt BDI - Rechtsexperte, Jan Wulfetanger auf Anfrage. Vor allem große Konzern sähen sich durch Terrorrisiken gefährdet. Wulfetanger verweist auf die anhaltend unsichere Lage, beispielsweise die Drohungen der USA gegenüber dem Irak. Der BDI werde nun den Druck auf die Bundesregierung verstärken, damit kurzfristig eine Lösung erreicht werden könne. Das Bundesfinanzministerium ist mit den bisherigen Vorschlägen unzufrieden, bestätigte ein Sprecher auf Anfrage.

Die Versicherer favorisieren weiter einen Terrorpool, dessen Deckung sie von zwei auf drei Mrd. Euro erhöht haben. Weil nur Zusagen von Versicherern für 1,5 Mrd. Euro vorliegen, soll die restliche Deckung auf dem weltweiten Rückversicherungsmarkt eingekauft werden. Über die drei Mrd. Euro hinaus soll nach GDV-Vorstellungen der Staat in unbegrenzter Höhe haften. Doch die Bundesregierung verlangt nach Angaben aus Verhandlungskreisen eine deutlich höhere Deckung der Versicherer und lehnt eine unbegrenzte Haftung ab.

Der BDI prüft Lösungsmöglichkeiten, neben dem Terrorpool unter anderem den Beitrag eines industrieeigenen Rückversicherers. Klar sei indes, eine Lösung ohne Staat oder Versicherungswirtschaft "ist unmöglich", so Wulfetanger.

Die Versicherungswirtschaft hat seit den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten ebenfalls wiederholt darauf hingewiesen, dass sie unkalkulierbare Risiken nicht allein absichern könne. Hans-Jürgen Schinzler, Chef des Weltmarkführers Münchener Rückversicherung, bekräftigte in München, dass neue Risikopartnerschaften unter Beteiligung der öffentlichen Hand nötig seien. Für ihn sind mit der Globalisierung eindeutig die Risiken gestiegen. Diese müssten daher auf noch mehr Schultern verteilt werden. Dabei ist die Rückversicherung - als Versicherung der Versicherer - bereits ein Mittel der Risikoteilung.

Das Bild des Rückversicherers wird sich stark verändern. Er wird die neue Nachfrage nur mit neuen Angeboten befriedigen können, ist Schinzler überzeugt. Und diese werden "deutlich über das hinausgehen müssen, was er bisher im Angebot hatte": angefangen bei einer stärkeren Verknüpfung von Bank- und Versicherungsgeschäften bis zur Erschließung neuer Kundengruppen. Schließlich reiche Größe allein nicht mehr aus. Gegengewichte seien vor allem deshalb so wichtig, weil die Globalisierung immer weniger Raum für den klassischen Gefahrenausgleich über Größeneffekte zulasse.

Gerade große, finanzstarke Gesellschaften, die Münchener und Schweizer Rück, profitieren vom globalen Nachfrageschub. In den vergangene zehn Jahren ist der internationale Rückversicherungsmarkt auf rund 125 Mrd. Dollar Beitragsaufkommen im Jahr 2000 gewachsen und damit stärker als der normale (Erst-)Versicherungsmarkt.

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