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Bundesregierung rechnet auch 2005 mit Konjunkturbelebung; ifo: Stimmung stabil

Trotz leichter Bremsspuren wird sich die Konjunkturbelebung nach Einschätzung der Bundesregierung auch im kommenden Jahr fortsetzen.

dpa-afx BERLIN. Trotz leichter Bremsspuren wird sich die Konjunkturbelebung nach Einschätzung der Bundesregierung auch im kommenden Jahr fortsetzen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2005 um 1,7 Prozent und im laufenden Jahr um 1,8 Prozent zulegen, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) am Montag in Berlin.

Damit ist die rot-grüne Koalition für 2005 etwas optimistischer als die Mehrheit der führenden Wirtschaftsinstitute, die für 2005 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent vorhersagen nach 1,8 Prozent in diesem Jahr. Union und FDP warfen der Regierung "Gesundbeterei" vor. Das Wachstum reiche nicht aus, um mehr Beschäftigung in Deutschland zu schaffen.

Clement betonte dagegen, die konjunkturelle Belebung gewinne an Breite und werde zunehmend auch von der bisher schwachen Binnennachfrage getragen. "In Deutschland geht es wieder bergauf." Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im Dezember 2005 konjunkturell bedingt um etwa 200 000 niedriger sein als im Dezember dieses Jahres. Im Jahresdurchschnitt sei mit einem Rückgang um 25 000 zu rechnen.

IFO-Index Steigt Überraschend

Die Bundesregierung sieht sich in ihrer Politik durch die jüngste Stabilisierung des ifo-Index gestärkt. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg entgegen den Erwartungen von Konjunkturexperten im Oktober von 95,2 auf 95,3 Punkte. Die Rekord-Ölpreise bremsen dem ifo Institut zufolge den Konjunkturoptimismus in Deutschland weniger als erwartet. Bei der ifo-Umfrage beurteilten die 7 000 befragten Unternehmen die Aussichten für die kommenden Monate positiver. Vor allem der Einzelhandel und das Bauhauptgewerbe zeigten sich optimistischer. In der Industrie und dem Großhandel trübten sich die Erwartungen dagegen ein.

"Die Konjunktur läuft weiterhin, aber die Dynamik früherer Aufschwünge fehlt", sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Montag in München. Auf dem Arbeitsmarkt sei aber keine Entlastung in Sicht. "Die Beschäftigungserwartungen sind immer noch schlecht."

Das voraussichtlich schwächere Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr führte Clement auf nachlassende außenwirtschaftliche Impulse, die geringere Zahl an Arbeitstagen und die hohen Ölpreise zurück. Dennoch würden die Exporte 2005 immer noch um etwa acht Prozent zulegen. Für dieses Jahr bezifferte der Minister das Wachstum der Außenhandelsbranche auf real elf Prozent. "Es gibt keine Volkswirtschaft, die mehr exportiert hat als Deutschland." Der Welthandel wächst den Angaben zufolge 2005 um sieben bis acht Prozent nach einem Wachstum in diesem Jahr um neun bis zehn Prozent.

'Allgemeines Jammern'

Clement sprach sich erneut dafür aus, Preisspekulationen auf den Ölmärkten einzudämmen. Auch bei den Energiepreisen müsse mehr Stabilität erreicht und für deutsche Unternehmen wettbewerbsfähige Bedingungen geschaffen werden. Er sei hier mit den Energiekonzernen in "konstruktiven Gesprächen".

Der "Interministerielle Arbeitskreis Gesamtwirtschaftliche Vorausschätzung" rechnet für Deutschland bis 2008 mit einem realen BIP-Wachstum von jahresdurchschnittlich 1,75 Prozent. "Das ist höher als das durchschnittliche Wachstum der letzten zehn Jahre, dass bei 1,4 Prozent lag", bekräftigte Clement. Das höhere Wachstum fußt nach Ansicht der Regierung unter anderem auf den Strukturreformen am Arbeitsmarkt und der Steuerreform.

Der Minister gab sich überzeugt, dass die Verbraucher wieder mehr Vertrauen in die Wirtschaftserholung fassen. Im "allgemeinen Jammern um den Standort" gehe oft unter, dass die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland so gut sei wie lange nicht mehr. Das werde auch von der EU, der Oecd und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bescheinigt.

Impulse VON Aussen

Vom internationalen Handel gehen der WTO zufolge in diesem Jahr starke Impulse aus. Der Handel werde ungeachtet der gestiegenen Ölpreise deutlich über den Ergebnissen von 2003 liegen. Erst 2005 könnte die Verteuerung des Öls zu Einbrüchen bei den Exporten führen, berichtete die Welthandelsorganisation WTO am Montag bei der Vorlage neuer Daten in Genf. In diesem Jahr werde der Welthandel noch um 8,5 Prozent zunehmen, nach nur 4,5 Prozent 2003 und 3,0 Prozent im Jahr davor. 2001 hatte es einen Rückgang gegeben. Im vergangenen Jahr wurden weltweit Waren im Wert von 7,3 Billionen Dollar (rund 5,7 Bio Euro) gehandelt.

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