Bundesregierung sieht keine Gefahr für deutschen Aufschwung
Nahost-Konflikt und Kälte in USA halten Ölpreis hoch

Reuters DUBAI/NEW YORK. Die Spannungen im Nahen Osten sowie die Vorhersage einer Kältewelle in den USA haben am Dienstag an den internationalen Ölmärkten nach Händlerangaben zu Nervosität und steigenden Preisen geführt. Die Ankündigung Ägyptens, seinen Botschafter aus Israel abzuberufen, scheine die Chancen auf einen baldigen Frieden im Nahen Osten weiter zu verkleinern, sagten Händler. Außerdem hätten Nachrichten über Ölverkäufe Iraks an Syrien, die offenbar gegen Sanktionen der Vereinten Nationen verstießen, für Aufregung gesorgt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der marktführenden Sorte Brent zur Lieferung im Januar stieg bis zum Nachmittag um knapp 20 Cents auf bis zu 33,26 $. Allerdings ist der Preis damit noch immer deutlich von dem im Oktober erreichten Zehn-Jahreshoch von 35,30 $ entfernt. Die Bundesregierung sieht im hohen Ölpreis keine Gefahr für den Aufschwung in Deutschland.

Unter anderem habe die erneut eskalierende Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern dafür gesorgt, dass die Preise am Ölmarkt auch am Dienstag hoch geblieben seien. Einen Tag nach dem israelischen Vergeltungsangriff auf palästinensische Ziele in Gaza-Stadt rief Ägypten seinen Botschafter aus Israel zurück. Händler sagten, damit gingen die Chancen auf einen Frieden im nahen Osten weiter zurück. Allerdings bemühte sich Israel nach eigenen Angaben, Ägypten von dem Schritt abzubringen.

Für Verwirrung an den Ölmärkten sorgte am Dienstag auch die Nachricht, der Irak verstoße mit Öllieferungen nach Syrien gegen UN-Sanktionen. In syrischen Regierungskreisen hieß es, der Irak pumpe täglich 150 000 Barrel durch eine Pipeline, die seit 1982 nicht mehr benutzt worden sei. Nach Angaben von Händlern verstoßen diese Exporte gegen die UN-Sanktionen, weil die Bezahlung nicht auf ein von den Vereinten Nationen überwachtes Konto gehe, sondern direkt nach Bagdad. Irak hatte den Ölexport nach Syrien bereits Anfang des Monats angekündigt. Analysten vermuteten, Irak wolle die Zeit zwischen den US-Wahlen vor zwei Wochen und der Amtseinführung eines neuen Präsidenten im Januar nutzen, um eine Lockerung der Sanktionen zu erreichen, die nach der Invasion Kuwaits 1990 gegen den Irak verhängt worden waren.

Der Nahostkonflikt und die Ankündigung einer Kältewelle in den USA hatte nach Händlerangaben bereits am Montag zu Panikkäufen an den Ölmärkten geführt. Meteorologen hatten für den nordwestlichen Teil der USA für Mitte dieser Woche um 14 Grad niedrigere Temperaturen als normal vorausgesagt. Die betroffene Region hat traditionsgemäß den höchsten Heizöl-Verbrauch der Vereinigten Staaten. Die US-Ölvorräte befinden sich zudem auf einem rund 30 % niedrigeren Niveau als im vergangenen Jahr.

Opec-Präsident Ali Rodriguez hatte wiederholt gesagt, dass nicht zu geringe Opec-Lieferungen, sondern zu niedrige Raffineriekapazitäten in den USA die Ursache der hohen Ölpreise seien. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) hatte zum Abschluss ihrer Konferenz der Ölminister in Wien vor einer Woche mitgeteilt, die Förderung trotz der hohen Preise entgegen früherer Vereinbarungen nicht weiter zu erhöhen. Die Opec, die die Fördermengen in diesem Jahr bereits vier Mal zur Dämpfung der Ölpreise angehoben hat, erwartet einen deutlichen Preisrückgang in einigen Monaten.

Die hohen Ölpreise stellen nach Einschätzung der Bundesregierung keine ernsthafte Gefahr für den Aufschwung in Deutschland dar. Trotz höherer Preise für Ölimporte seien Produktion und Export im dritten Quartal auf hohen Touren gelaufen, teilte das Finanzministerium in seinem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht November mit.

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