Bundesregierung und Arbeitgeber sehen keinen Bedarf für Schutzgesetz
Jeder Neunte wird Mobbingopfer

Mobbing macht Hunderttausenden von Arbeitnehmern zu schaffen und hat oft gravierende Folgen. Jeder neunte Arbeitnehmer wird im Erwerbsleben mindestens einmal an seinem Arbeitsplatz über längere Zeit Opfer von Schikanen, Benachteiligung und Ausgrenzung.

pt BERLIN. In mehr als der Hälfte der Fälle spielt der Vorgesetzte mit oder löst das Mobbing aus. Dies sind die Hauptergebnisse der ersten repräsentativen Studie zu diesem Thema in Deutschland, die das Bundesarbeitsministerium gestern vorlegte.

Der Studie zufolge kündigen 52 Prozent der Opfer oder schließen mit dem Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag. 43,9 Prozent werden krank, und fast sieben Prozent bleiben erwerbsunfähig oder müssen Frührente beantragen.

Trotz dieser beunruhigenden Ergebnisse hält die Bundesregierung ein Schutzgesetz nach dem Vorbild Frankreichs oder Schwedens nicht für erforderlich. Die geltenden Gesetze reichten aus, erklärte die parlamentarische Staatssekretärin im Arbeitsministerium, Ulrike Mascher.

Keine grundlegend neuen Erkenntnisse

Für die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat die Studie keine grundlegend neuen Erkenntnisse gebracht. "Wir kennen das Problem", sagte der Mobbingexperte der BDA, Thomas Prinz, dem Handelsblatt. Auch er warnt vor neuen Gesetzen. "Jeder kann sich erfolgreich gegen Mobbing wehren." So habe der Arbeitgeber eine gesetzlich verankerte Fürsorgepflicht, müsse also Beschwerden über Mobbing durch Kollegen oder Vorgesetzte nachgehen. Das Betriebsverfassungsgesetz gebe dem Betriebsrat weitgehende Rechte. In extremen Fällen könne er vom Arbeitgeber verlangen, die mobbenden Kollegen zu kündigen.

Schließlich stehe jedem Mobbingopfer der Weg zu den Gerichten offen. Die einschlägigen Bestimmungen im Strafgesetzbuch reichten hier von der Körperverletzung bis zur Verleumdung oder Nötigung, meint auch der Arbeitsrechtsexperte Hans Peter Vieben.

Folgekosten von Mobbing vermeiden

Mit Schulungsangeboten für Führungskräfte und auch Betriebsräte versucht die BDA bereits seit längerem, für das Problem zu sensibilisieren. Diesen Weg gehen auch die Gewerkschaften. So bietet die IG Metall ihren Betriebsräten Modellbetriebsvereinbarungen an. In vielen Unternehmen gebe es bereits "Mobbingbeauftragte", erklärt IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich. Auch er hält neue Gesetze für nicht erforderlich.

Bei der Aufklärungarbeit gehe es auch darum, so Mascher, die Folgekosten von Mobbing für die Volkswirtschaft zu vermeiden. Sie bestünden etwa in Arbeitsausfall, Leistungsabfall in den betroffenen Belegschaften und höheren Ausgaben von Kranken- und Rentenversicherung für Therapie und Frührenten.

Quelle: Handelsblatt

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