Bundesregierung will Kaplan abschieben
„Kalif von Köln" beantragt Freilassung aus Gefängnis

Der als "Kalif von Köln" bekannt gewordene Islamistenführer Metin Kaplan hat seine vorzeitige Entlassung aus der Haft beantragt. Bis Ende des Monats werde der zuständige Senat über den Antrag entscheiden, sagte eine Sprecherin des Düsseldorfer Oberlandesgerichts.

dpa DÜSSELDORF. Kaplan ist wegen Aufrufs zum Mord zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und hat bereits mehr als zwei Drittel seiner Strafe verbüßt. Im März kommenden Jahres hätte er die volle Haftdauer abgesessen.

Der Fundamentalist Kaplan war Anführer der inzwischen verbotenen radikal-islamistischen Organisation "Kalifatsstaat". Noch im November vergangenen Jahres hatte Kaplan auf eine vorzeitige Entlassung verzichtet, nachdem ihm eine Ausweisungsverfügung vorgelegt wurde.

Hintergrund seines jetzigen Vorstoßes seien offenbar die festgefahrenen Verhandlungen zwischen der Türkei und der Bundesregierung, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Bundesregierung hat sich die Abschiebung Kaplans zum Ziel gesetzt. Dazu muss nach deutschem Recht aber gewährleistet sein, dass Kaplan in der Türkei weder Folter noch Todesstrafe droht. Eine entsprechende Garantie hatte Ankara bislang nicht abgeben wollen. Auf die Tatvorwürfe, die in der Türkei gegen Kaplan vorliegen, droht ihm dort nach wie vor die Todesstrafe. Damit könnte Kaplan als freier Mann in Deutschland bleiben.

Kaplans radikal-islamischer "Kalifatstaat" hatte eingeräumt, Kontakte zu Terroristenführer Osama bin Laden unterhalten zu haben. Der "Kalifatstaat" strebt die Errichtung eines islamischen Regimes in der Türkei nach dem Vorbild Irans an. Im Umfeld der Organisation waren mehrere Abtrünnige ermordet worden.

Kaplan ist des Aufrufs zum Mord an einem Rivalen verurteilt worden. Dieser "Gegenkalif" war einige Monate nach dem Aufruf tatsächlich von Unbekannten in Berlin erschossen worden. Eine direkte Tatbeteiligung konnte Kaplan nicht nachgewiesen werden.

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