Bundesstaaten haben Tabaksteuern drastisch erhöht
US-Raucher ordern im Internet

Sie heißen Cheap-Cigarettes.com oder Smokes-Direct.com, und sie verkaufen Zigaretten übers Internet. Für viele amerikanische Raucher sind die Webseiten angesichts der gesalzenen Tabakpreise in vielen Bundesstaaten Retter in der Not - kostet doch in New York ein Päckchen Zigaretten am Kiosk mittlerweile 7,50 $.

NEW YORK. Raucher aus den Bundesstaaten New York, New Jersey oder Massachussetts - wo die Steuern am höchsten sind - zahlen dagegen im Internet für eine Stange Marlboro weniger als 30 $. Das ist nur etwa die Hälfte dessen, was sie zuhause auf den Tisch legen müssten.

Einer Studie der US-Regierung vom August zufolge gibt es mittlerweile mindestens 147 solcher Web- Seiten in den USA. Die Internetanbieter vermarkten sich als Interessenvertreter der geplagten Verbraucher: Dirtcheapcig.com wirbt als "letzte Zuflucht für verfolgte Raucher", und auf Smokers.com blickt dem Surfer ein Indianer vor Hundert-Dollar- Scheinen entgegen und wirbt für den 24-Stunden-Service sieben Tage die Woche. Viele der Internetseiten haben ihren Sitz in Indianerreservaten, die von den Steuern der Bundesstaaten völlig ausgenommen sind.

Die Marktforschungsagentur Forrester Research schätzt, dass die Zigarettenverkäufe über das Internet in den USA in diesem Jahr 1,2 Mrd. $ erreichen werden. Das sind 3 % der US-Tabak-Umsätze insgesamt. Tendenz steigend. Bis zum Jahr 2005 werde die Zahl auf 5 Mrd. $ steigen und die Bundesstaaten damit 1,4 Mrd. $ an Steuern jährlich verlieren, rechnet Forrester vor. "Tabak ist das perfekte Produkt für den Online-Handel: günstig zu transportieren, kein Impulskauf und deutlich billiger, da Steuern bis zu 20 % des Verkaufspreises ausmachen", heißt es in dem Bericht.

Der Bundesstaat New York hat die Steuern diesen Sommer um mehr als 50 % erhöht und kassiert jetzt 1,50 $ pro Schachtel. In New York City kommt noch die Tabak-Steuer der Stadt mit 31 Cents hinzu. Die Zigarettenumsätze sind seit dem Sommer um die Hälfte gefallen.

Einige Bundesstaaten wie Washington und Rhode Island fürchten um ihre Einkünfte und haben schon geklagt. Die Washingtoner Staatsanwältin Catherine Gregoire will per einstweiliger Verfügung gegen dirtcheapcig.com durchsetzen, dass der Zigarettenhändler aus Kentucky die Namen seiner Kunden preisgeben muss. Dabei beruft sie sich auf das Jahrzehnte alte Jenkins- Gesetz, das Zigarettenhändlern vorschreibt, bei Lieferungen in andere Bundesstaaten die Namen ihrer Kunden zu nennen. Nach Ansicht der Staatsanwälte gilt das auch für den Internethandel. Der Bundesstaat Washington könnte dann nämlich doch noch zuschlagen und von den Käufern die Steuern verlangen.

Der Anwalt von dirtcheapcig.com sieht das anders: "Die kaufen keine unbesteuerten Zigaretten, um die es in dem Jenkins-Gesetz geht." Daher sei das Gesetz nicht anwendbar. Und am Telefon beruhigt eine freundliche Frauenstimme besorgte Kunden: "Das ist alles völlig legal. Sie zahlen ja Steuern in Kentucky, und wir geben ihren Namen nicht weiter", versichert sie.

Der Internethandel stößt nicht nur bei den Regierungen der Bundesstaaten auf Kritik. Auch die Anti-Raucher-Lobby in den USA schlägt Alarm. Die Campaign for Tobacco Free Kids sieht vor allem Kinder gefährdet. Denn Sicherheitsmechanismen, die das Alter verifizieren gibt es auf den Internet-Seiten nicht. Auch die Tatsache, dass Kreditkarten verlangt werden, helfe nicht wirklich. "Auch Kinder haben Kreditkarten", sagt Matt Myers, Präsident der Initiative.

Die Zigarettenhersteller werden durch den Online-Verkauf zwar nicht geschädigt, solange keine Fälschungen vertrieben werden. Der Zigarettenhersteller Philip Morris USA hat sich dennoch gegen den Internethandel ausgesprochen. Der Konzern, der vor allem in den USA um ein verantwortliches Image bemüht ist, setzt sich für eine Gesetzgebung ein, die beim Verkauf von Zigaretten die Vorlage eines Dokuments verlangt, um sicherzustellen, dass die Käufer Erwachsene sind.

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