Bundestag debattiert über Gesetz zu Stammzellen-Import
London gibt Forschern grünes Licht

Das britische Oberhaus hat grünes Licht für die Einrichtung der ersten "Stammzellenbank" der Welt gegeben. Damit übernimmt das Vereinigte Königreich nach der entschlossenen gesetzlichen Regelung des ethisch umstrittenen Komplexes auch in der praktischen Umsetzung eine Vorreiterrolle.

mth/ink LONDON/BERLIN. Die für die Kontrolle der Stammzellenforschung und des so genannten therapeutischen Klonens zuständige Behörde, Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA), dürfte auf Grundlage der gestern veröffentlichter Empfehlungen des House of Lords nun umgehend Lizenzen für erste Forschungsarbeiten ausstellen. Vergangene Woche hatte die HFEA zum ersten Mal einem britischen Ehepaar aus therapeutischen Gründen die Erlaubnis für ein "Designerbaby" durch genetisches Screening (PID) gegeben.

Der Bericht der Lords bezeichnete die Einrichtung einer Stammzellenbank als dringlich. Da Stammzellenlinien unbefristet fortgeführt werden können, müsse eine öffentliche Institution als Hüter die Herkunft und Reinheit des Materials und den Umgang damit überwachen. Professor Richard Gardner vom gentechnologischen Ausschuss der Wissenschaftsakademie Royal Society warnte vor amerikanischen Zuständen. In den USA habe Präsident Bush öffentliche Gelder für die Stammzellenforschung blockiert, aber im kommerziellen Bereich herrsche mangels richtiger Kontrollen fast Anarchie. Viele der für die Forschung in den USA lizenzierten 67 Stammzellenlinien sind laut Gardner "dubiosen" Ursprungs. "Wir brauchen Zellen von genau definierter Herkunft, die frei von Mikroorganismen sind".

Wissenschaftliche und ethische, nicht aber kommerzielle Gesichtspunkte hätten bei der Entscheidung den Ausschlag gegeben, betonen die Lords. Doch wird das kommerzielle Potential der Biotechnologie anerkannt und ausdrücklich auf hohe Investitionen Chinas und Singapurs und das dortige "leichte" Regelsystem verwiesen. Seriöse Wissenschaftler wollten aber nicht ein minimales, sondern ein klares und effektives Regelsystem. Britische Wissenschaftler rechnen damit, dass in die USA ausgewanderte junge Kollegen wegen der verbesserten Forschungsmöglichkeiten nun zurückkehren.

Im Unterschied zu Großbritannien ist in Deutschland nicht einmal sicher, ob in dieser Legislaturperiode auch nur der Import embryonaler Stammzellen möglich sein wird. Am Donnerstag debattiert der Bundestag zwar in erster Lesung über einen Gesetzentwurf, der einen strengen Regeln unterworfenen Import ermöglichen soll. Aber eine Mehrheit im Bundestag ist nach wie vor unsicher. Die Befürworter einer liberaleren Gesetzgebung kritisieren etwa das vorgeschlagene Genehmigungsverfahren als zu bürokratisch. Kritisiert wird auch die Stichtagsregel, nach der nur Stammzellen importiert werden dürfen, die vor dem 1. Januar 2002 entstanden sind.

Auch die Abgeordneten, die jeden Import aus ethischen Gründen ablehnen, formieren sich nach Angaben der Grünen-Abgeordneten Monika Knoche wieder fraktionsübergreifend. "Der Entwurf ist auf keinen Fall verfassungskonform", sagte sie gegenüber dem Handelsblatt. Ohne Änderungen an dem Gesetzentwurf werde es auf jeden Fall eine Klage beim Bundesverfassungsgericht geben. Vor Juni wird ohnehin nicht mit einer Verabschiedung des Gesetzes gerechnet.

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