Bundesverband der Amtstierärzte forderte ein Umdenken der EU bei MKS-Impfungen
MKS hält Deutschland weiter in Atem

Die Maul- und Klauenseuche hält Deutschland weiter in Atem: Auf einem Kleinbetrieb in Worms sind am Samstag bei mehreren Schafen Bläschen und Schaum am Maul festgestellt worden, wie ein Sprecher des Krisenzentrums der Stadt sagte. Für zwei Verdachtsfälle in Bayern und Hessen gaben die Behörden Entwarnung. Unterdessen wollten die EU-Agrarminister ab Sonntag Nachmittag über die Impfpolitik der Europäischen Union beraten. In Deutschland setzte sich der Streit um vorbeugende Impfungen fort.

ap/rtr FRANKFURT/MAIN. Ein erster Schnelltest bei den auffälligen Tieren im Wormser Stadtteil Weinsheim ist zwar negativ verlaufen, wie Hubertus Hauswirth vom Krisenstab sagte. Das Ergebnis aus der zuständigen Bundesanstalt in Tübingen sei aber nicht so aussagekräftig, dass die Sperrung des Hofes aufgehoben werden könnte. Für den Montag werde ein weiteres Ergebnis erwartet, die endgültige Nachricht solle am Mittwoch eintreffen.

Bei den auf dem Hof bei Worms entdeckten Symptomen könnte es sich möglicherweise um Lippengrind handeln, sagte Ministeriumssprecher Torsten Kram dem Südwestrundfunk (SWR). Das würde erklären, warum die verdächtigen Bläschen bei den Tieren nur am Maul und nicht an den Klauen aufgetreten seien. Nach dem Auftauchen des MKS-Verdachts waren die 17 Klauentiere des Hofes getötet und ein Sperrbezirk rund um den Betrieb eingerichtet worden.

Indes wurden in den Niederlanden nahe der deutschen Grenze zwei neue MKS-Fälle bestätigt. In Großbritannien werde die Zahl der geschlachteten Tiere bald deutlich über eine Million steigen, sagte der britische Landwirtschaftsminister Nick Brown am Sonntag. Es werde noch mindestens eine Woche dauern, bis die Behörden wüssten, ob der Höhepunkt der Seuche erreicht sei.

Auf dem dreitägigen informellen Treffen der EU-Agrarminister im schwedischen Östersund wollte Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast mit ihren Kollegen eine mögliche Kehrtwende der EU-Impfpolitik erörtern. Die EU-Kommission und die Regierungen der 15 Mitgliedstaaten hatten sich gegen Impfungen ausgesprochen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Gerald Thalheim, schrieb im "Focus", wegen der Vielzahl von Virustypen seien flächendeckende Impfungen wirkungslos.

Bislang war gegen großflächige Impfaktion vor allem Feld geführt worden, dass danach nicht mehr nachvollziehbar ist, ob die Tiere von dem MKS-Virus befallen gewesen sind. Daher werden Länder, in denen flächendeckend geimpft wird, mit Exportverboten belegt.

Der Präsident des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte, Herbert Wohn, forderte die EU-Kommission auf, ein Schwergewicht auf die Entwicklung so genannter markierter Impfstoffe zu legen. Durch den Einsatz der Marker-Impfstoffe ließen sich geimpfte Tiere von infizierten unterscheiden, sagte Wohn der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zugleich sprach er sich gegen eine Wiederaufnahme der in der EU verbotenen Flächenimpfungen aus.

Bundesländer fordern Vorbeuge-Impfungen

Ungeachtet dessen forderten die Landesregierungen von Hessen, des Saarlandes und Nordrhein-Westfalens in der "Welt am Sonntag" Impfungen. Künast sieht dagegen nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" keine Kapazitäten, alle 400 Millionen Klauentiere in der Europäischen Union zu immunisieren. Das Blatt zitierte aus einem Strategiepapier der Ministerin.

Nach Aussage von EU-Agrarkommissar Franz Fischler bringt die Seuche die Europäische Union an den Rande ihrer finanziellen Möglichkeiten. Fischler sagte der "Berliner Zeitung", der EU-Anteil an den direkten Kosten zur Seuchenbekämpfung belaufe sich momentan auf 170 Mill. ?.

Für die Verdachtsfälle im niederbayerischen Vilsbiburg und im hessischen Bieberthal gaben die Behörden Entwarnung. Auch der vorsorglich gesperrte Hof in der Wetterau nördlich von Frankfurt am Main sei wieder freigegeben. Die Tests hätten ergeben, dass die Herden nicht an der Seuche erkrankt seien. Die Sperrungen der Höfe wurden aufgehoben.

Im hessischen Vogelsbergkreis war am Sonntag auch das Pferdegestüt des Springreiters und Olympiasiegers Lars Nieberg kurzzeitig unter Quarantäne gestellt worden. Nach Angaben der Behörden hatte Nieberg trotz des Transportverbots ein Pferd aus einer Pferdeklinik im hessischen MKS-Sperrbezirk zu seinem Hof in Wäldershausen bei Homberg gebracht.

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